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Bieter-Rennen um Catering im Stadion

Der Jahn wollte den Regensburger Arena-Gastronomen loswerden. Auch der SSV ist beim Testessen vor der Neuvergabe dabei.
Von Julia Ried

Kunden des Stadion-Gastronomen Party-Engel hatten sich in Umfragen zufrieden mit dem Angebot gezeigt. Trotzdem wird die Dienstleistung nun neu vergeben. Foto: Angelika Lukesch
Kunden des Stadion-Gastronomen Party-Engel hatten sich in Umfragen zufrieden mit dem Angebot gezeigt. Trotzdem wird die Dienstleistung nun neu vergeben. Foto: Angelika Lukesch

Regensburg.Eine Jury hat bald die Qual der Wahl, wie das zukünftige gastronomische Angebot in der Continental-Arena aussehen soll: Um die Verpflegung der Fans haben sich sechs Unternehmen beim städtischen Vergabeamt beworben. Die Ausschreibungsfrist endete am Mittwoch um 24 Uhr. Nun stellt sich die Frage, ob alle Bieter die gleichen Chancen haben – das gehört zu den vergaberechtlichen Grundsätzen. Immerhin war die Zusammenarbeit mit dem bisherigen Partner Party-Engel aufgekündigt worden, obwohl in Umfragen Gäste ein positives Bild von ihm gezeichnet hatten. Unzufrieden mit der Kooperation war allerdings der SSV Jahn als Hauptmieter der Arena. Und der entscheidet jetzt mit darüber, wer das Stadion in den nächsten beiden Jahren bewirtschaftet.

Der Ausschreibung des Vergabeamts zufolge sucht die Stadt einen „leistungsstarken Cateringdienstleister“. Kleine Unternehmer schließt sie aus: Sie verlangt einen durchschnittlichen Umsatz der letzten drei Geschäftsjahre von mindestens 750 000 Euro. Zum Vergleich: Ein durchschnittliches Dorfgasthaus erzielt etwa 150 000 bis 200 000 Euro Jahresumsatz, sagt Matthias Artmeier, Leiter der Bezirksgeschäftsstelle des Hotel- und Gaststättenverbands. Eine weitere Bedingung: Der Unternehmer muss in den vergangenen fünf Jahren mindestens zwei Großveranstaltungen mit mehr als 2500 Besuchern betreut haben. Als „Zuschlagskriterien“ sind genannt: 60 Prozent Preis und 40 Prozent Qualität.

Probeessen im April

Gäste im Business-Bereich der Continental-Arena Foto: Nickl
Gäste im Business-Bereich der Continental-Arena Foto: Nickl

Beurteilt werden soll diese Qualität unter anderem bei einem Probeessen. Zum Verfahren sagt Marion Brasseler, Sprecherin des Stadionbetreibers Regensburger Badebetriebe (RBB): „Anhand von zuvor festgelegten, transparenten Wertungskriterien werden aus den eingegangenen Angeboten die drei besten ermittelt.“ Einzelne Kategorien würden bepunktet, die Punkte dann zusammengezählt. Die besten drei Bewerber würden zwischen 17. April und 25. April zu einer Angebotspräsentation mit Vorstellung ihres Unternehmens und Probecatering eingeladen. „Eine achtköpfige Jury, bestehend aus Vertretern des Regiebetriebs der Stadt Regensburg, der RBB und des SSV Jahn, wird wiederum die Präsentation anhand der zuvor festgelegten Kriterien bewerten“, sagt Brasseler. Diese Parteien, dazu das Vergabeamt, waren ihr zufolge auch an der Erstellung der Ausschreibungsunterlagen beteiligt. Brasseler versichert: Es seien keine „Zuschneidungen“ auf einzelne Unternehmen erfolgt, das bestätige der Rücklauf von sechs Angeboten.

„Ich würde mich freuen, wenn unser neuer Caterer der alte ist.“

Eine Stadionbesucherin, die im Business-Bereich zu Gast war

Jahn-Präsident Hans Rothammer will sich zu der Caterer-Suche nicht äußern. Der Verein hat seine Kritik am Stadion-Gastronomen nie offiziell bestätigt. Allerdings sagte RBB-Geschäftsführer Manfred Koller der Mittelbayerischen bereits im Januar: Was die Continental-Arena als Veranstaltungsort für Tagungen, Messen und andere Events angehe, seien die Rückmeldungen im Hinblick auf das Catering „durchweg positiv“ gewesen. Koller sagt aber auch: „Auf der anderen Seite ist die Continental-Arena aber in der Hauptsache ein Fußballstadion, dessen Hauptmieter der SSV Jahn Regensburg ist. Leider waren die Rückmeldungen hier nicht durchgängig positiv, so dass es in den vergangenen zweieinhalb Jahren leider nicht gelungen ist, trotz vielfacher Bemühungen und teilweise Mediationen unsererseits hier ein für die Zukunft tragfähiges, partnerschaftliches Miteinander zu erreichen.“ Rothammer will auch die Frage, wie der Jahn mit der Verpflegung der Fans und VIP-Gäste zufrieden ist, nach wie vor nicht beantworten: „Das Thema ist erledigt“, sagt er mit Verweis auf die Neuausschreibung knapp.

Stadion-Catering

  • Die Arena:

    In der Continental-Arena finden 15 224 Fans Platz. Im Tagungszentrum stehen zwei große Veranstaltungsräume mit etwa 1000 und circa 300 Quadratmetern zur Verfügung. Die Stadttochter Regensburger Badebetriebe betreibt das Stadion, das als Regiebetrieb der Stadt firmiert.

  • Das Catering:

    Der Stadion-Gastronom versorgt nicht nur die Gäste der Sportstätte mit Essen und Getränken – von den Stehplatzrängen bis zu den VIP-Logen –, sondern auch die des angegliederten Tagungszentrums.

Viele hatten sich über die erneute Suche nach einem Gastronomen, der das Fußballstadion bewirtschaftet, gewundert. Als die Mittelbayerische im Januar über die Aufkündigung der Zusammenarbeit mit dem Party-Engel berichtete, ging eine Reihe von Leserbriefen ein. Die meisten Schreiber sprachen sich dafür aus, den bisherigen Caterer zu behalten. Ein Leserin, die sich als Gast im Business-Bereich zu erkennen gab, schrieb, sie könne sich nicht vorstellen, warum der Jahn so unzufrieden sei. „Ich würde mich freuen, wenn unser neuer Caterer der alte ist.“ Ein Dauerkartenbesitzer wählte einen Fußballvergleich: „Ein guter Spieler, der seine Leistung kontinuierlich bringt, wird auch nicht ausgewechselt.“ Artmeier vom Hotel- und Gaststättenverband sagt heute: „Viele waren zufrieden.“

Die Continental Arena in Zahlen

Party-Engel bewirbt sich wieder

Der bisherige Caterer gab erneut ein Angebot ab, wie Paolo Iannello, Eventmanager beim Party-Engel, bestätigt. Beworben hat sich ein weiterer Gastronom mit Jahn-Erfahrung: Alexander Deutsch, der unter anderem den Ratskeller im Alten Rathaus bewirtschaftet, verpflegte in den letzten Jahren des alten Jahn-Stadions die Besucher.

Mit einer Jury-Entscheidung ist ab Ende April zu rechnen. Das letzte Wort über die Frage, was es ab 7. Juli im Stadion zu essen und zu trinken gibt, hat dann der Bau- und Vergabeausschuss des Regensburger Stadtrats.

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