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Unfall

Biker-Demo nach tödlichem „Blow-up“

Motorradfahrer treffen sich am Samstag vor dem Dom. Sie erinnern an den Tod von Emil Geigl – und klagen an.
von Gertrud Baumgartl, MZ

  • Der Beton der Autobahn A 93 in der Nähe von Abensberg wurde am 19. Juni 2013 bei einer Hitzewelle aufgebrochen. Motorradfahrer Emil Geigl kam hier bei einem Unfall ums Leben.Foto: MZ- Archiv
  • Prälat Emmeram Ritter (Mitte) und Fritz Zirngibl (links) bei der Mahnwache für den Toten im Jahr 2013.

Regensburg.Der Fall ging deutschlandweit durch die Medien: Als der 59-jährige Emil Geigl am 19. Juni 2013 auf der Autobahn bei Abensberg über eine halbmeterhohe Aufwölbung im Asphalt, ein so genanntes Blow-up fuhr, prallte er gegen die Leitplanke und erlitt so schwere Brustverletzungen, dass er noch am Unfallort starb. Zuvor waren vier Autos über das Hindernis gefahren, das wie eine Sprungschanze wirkte.

Die Staatsanwaltschaft Regensburg ermittelte wegen fahrlässiger Tötung gegen den Leiter der Autobahnmeisterei Pentling und gegen den Regensburger Dienststellenleiter der Autobahndirektion Südbayern. Kürzlich stellte die Ermittlungsbehörde das Verfahren ein. Begründung, wie Pressesprecher Theo Ziegler auf MZ-Anfrage sagt: „Letztlich war der Unfall nicht vermeidbar, es sei denn, man hätte hier die Geschwindigkeit auf 40 Stundenkilometer beschränkt.“

„Schuld: politische Führung“

Mit diesem Ergebnis will sich Fritz Zirngibl aus Teugn, Kreisrat und seit 40 Jahren auf einer Harley unterwegs, nicht zufriedengeben. „Es kann nicht sein, dass in unserem Land tot gespart wird“, wandte er sich in einem Brief an die Mittelbayerische Zeitung. Für ihn liegt die Schuld für die Vernachlässigung der Autobahnen nicht bei den Autobahnmeistereien, sondern bei der politischen Führung. Verkehrsminister Dobrindt spreche gern von leistungsfähiger und gut ausgebauter Infrastruktur in Bayern. Tatsächlich seien die Autobahnen eher vergleichbar mit den Flickschustereien auf den Straßen armer Länder. Der „Blow-up“ des Asphalts ist für ihn ein Zeichen, dass zu wenig Geld in den Unterhalt der Autobahnen fließt.

Mehr Geld für Unterhalt

Das müsse sich ändern, fordert er und hat für den kommenden Samstag mit Witwe Maxine Geigl und vielen anderen Bikern aus Regensburg und dem Landkreis vor den Dom eine Demo geplant. Etliche Clubs hätten schon zugesagt. Schon einmal hatten die Biker nach dem tödlichen Unfall von Emil Geigl dort eine Mahnwache organisiert und sogar vom Klerus Unterstützung erhalten: Prälat und Geistlicher Rat Emmeram H. Ritter, Bischöflicher Offizialsrat im Ruhestand, hatte sich damals zu den Trauernden gesellt.

Dass deutlich mehr Geld in den Unterhalt von Autobahnen fließen müsste, bestätigt Pressesprecher Josef Seebacher für die Autobahndirektion Süd: „Uns sind die schlechten Strecken bekannt. Allerdings haben wir einen Rückstand von 700 Millionen Euro bei der Sanierung von Fahrbahnen und Brücken.“ Sprich: So viel Geld fehlt derzeit, um notwendige Reparaturen möglichst rasch zu erledigen.

Hitzeschäden bei Bundesautobahnen sind eigentlich die rare Ausnahme, weiß Seebacher. Bis vor zwei Jahren sei das Phänomen „Blow-up“ bei der Autobahndirektion Süd sogar ganz unbekannt gewesen. Dann gab es innerhalb weniger Tage gleich 30 Fälle in Bayern. Für den Sprecher der Autobahndirektion Süd war unter anderem auch eine extreme Klimaschwankung daran Schuld: Einer sehr kühlen und nassen Witterung folgte plötzlich eine Hitzewelle. Warum so viele Autobahnen schadhaft sind, weiß er auch: Weil wie beim Bau der A3 Sparsamkeit waltete. „Das Fundament ist nach heutigen Maßstäben zu dünn, man sparte am Beton. Entsprechend lag die Lebensdauer der Fahrbahndecke bei zwanzig Jahren.“

Heute würde man wieder sehr solide bauen, was eine Lebensdauer von 40 Jahren ermögliche. Seit der Blow-up-Serie vor zwei Jahren wurde ein Warnsystem eingeführt: Ab 28 Grad gibt es Durchsagen im Rundfunk, ab 30 Grad wird die Geschwindigkeit auf Autobahnen auf Tempo 80 beschränkt. Die A3 wurde sogar ganz hitzefest gemacht, indem man alle 400 Meter Dehnfugen anbrachte.

ADAC fordert Finanzreform

Beim ADAC sieht Pressesprecher Andreas Hölzel die gesamte Finanzierung bei Autobahnen kritisch: „Wir brauchen für den Unterhalt der Autobahnen und den kontinuierlichen Ausbau eine Finanzreform. Die Autobahndirektionen müssen sich auf bestimmte Summen verlassen können. Aber dafür haben wir offenbar kein Geld.“

Kosten: Neubau und Reparatur

  • Neubau einer Autobahn:

    Jeder Kilometer koste acht Millionen Euro.

  • Sanierung einer Autobahn :

    Hier hängen die Kosten stark von der Art der Schäden ab.

  • Beispiel:

    Für einen 30 Kilometer langen Abschnitt der Autobahn A3 zwischen Straubing und Deggendorf liegen die Kosten für die derzeitige Sanierung bei 72 Millionen Euro.

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