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Katholikentag

Bischof Oster, Superstar!

Der neue Passauer Bischof Stefan Oster wird bei seiner Podiumsdiskussion vom Publikum gefeiert. Der Saal im Kolpinghaus ist proppenvoll.
Von Christine Straßer, MZ

Regensburg.Wenn ein Popstar auftritt, ist der Andrang auch nicht größer. Um 11.30 Uhr standen am Samstag die ersten Katholikentagsbesucher im Kolpinghaus an, weil sie ihn um 14 Uhr sehen wollten: den Passauer Bischof Stefan Oster. Zu den ersten in der Schlange gehörte Anna Wohlab. Die 75 Jahre alte Senioren ist aus Altötting angereist. „Ich bin schon alt“, sagt sie. „Die Jugend rückt nach und das will ich miterleben.“

Jede Menge Passauer im Publikum

Die Veranstaltung „Junger Bischof – junge Kirche?“ war kurzfristig ins Katholikentagsprogramm aufgenommen worden. Erst vor einer Woche wurde Oster, der am Dienstag seinen 49. Geburtstag feiert, zum Bischof geweiht. Seitdem reißt die Begeisterung nicht ab. Christine Karlstetter ist „direkt aus Passau“, konnte aber bei der Bischofsweihe nicht dabei sein. Deshalb will sie beim Katholikentag die Gelegenheit nutzen, ihren Bischof erstmals hautnah zu erleben. Die 22-jährige Studentin erzählt, dass sie schon von vielen gehört habe, dass Oster „ganz toll“ sei.

Schon eine halbe Stunde vor dem Start der Diskussion ist der Festsaal gesteckt voll. Die Saalhelfer suchen die letzten Plätze und zählen ab, wie viele Zuhörer wenigstens noch am Hallenende stehen dürfen. Wer sich umhört, bekommt den Eindruck, dass das halbe Bistum Passau gekommen ist. Eine Gruppe aus dem Landkreis Freyung-Grafenau ist extra angereist, nur um Oster zu sehen. Dorothea gehört dazu. Das Mädchen hält einen roten Luftballon und freut sich, dass sie mit ihren Eltern in der ersten Reihe sitzen darf. Bald kommt der Bischof, der auch jonglieren kann.

Fast schon exotisch wirkt die Katholikentagsbesucherin aus Aachen mit ihrem rheinländischen Akzent. Sie habe die Bischofsweihe im Fernsehen verfolgt, erzählt sie, und würde jetzt gerne den Bischof live zu sehen. Sie bedauere diesen jungen Mann fast, scherzt sie, er müsse ja wohl noch ziemlich lange Bischof bleiben.

Er weiß noch nicht, wie Bischof sein geht

Dann betritt der jugendlich wirkende Salesianer den Festsaal und es gibt kein Halten mehr.Die Menschen stehen auf, klatschen, jubeln. Der gebürtige Amberger strahlt übers ganze Gesicht und winkt. Er weiß sich, sagt er, „sehr getragen von einer Welle“, aber er weiß auch, dass der Enthusiasmus der Menschen mit nur schwer erfüllbaren Erwartungen an ihn verbunden ist. Und er weiß nicht, „wie Bischof sein geht“, aber es werde sich zeigen. Dann redet Oster über die junge Kirche und junge Menschen. Beifall. Das Christentum wachse nie durch Propaganda, „immer nur durch Anziehung“. Wieder Beifall. Die Frage nach dem Glauben junger Menschen könne er nicht mehr hören: „Leben sie authentisch das Evangelium, und die jungen Leute kommen.“ Noch mehr Beifall.

Vielleicht begeistert Oster so, weil die Menschen das Gefühl haben, dass er ganz offen auch über Schwächen spricht. 70 bis 80 Prozent seiner Motivation bei der früheren Arbeit als Radiomoderator sei Eitelkeit gewesen, gibt er beispielsweise zu. Oster weiß aber auch, wie er beim Publikum ankommt, denn er schiebt nach: „Und diese Versuchung kommt gewaltig zurück, wenn Sie alle toben.“

Gegen Priesteramt für Frauen

Oster spricht sich für mehr Frauen in kirchlichen Führungspositionen aus. Für ein Priestertum für Frauen sieht er dagegen keine Möglichkeit. „Ich bin der tiefen Überzeugung, dass das nicht gehen wird.“ Dem jungen Bischof geht es nicht darum, immer nur locker wirken, sondern mit seinem zölibatären Lebensstil auch „eine Provokation“ sein, wie er sagt. Er wolle zeigen, dass Gott allein genügt. Zugleich spricht er ganz offen darüber, dass er jahrelang in einer festen Beziehung gelegt hat. Dann trennte er sich und trat in den Orden ein, der sich besonders der Jugendarbeit verpflichtet weiß. Heute sei er mit der ehemaligen Lebensgefährtin „tief versöhnt“.

Schon am Donnerstag war der Andrang auf eine Veranstaltung mit Bischof Oster groß. Der Ex-Radiojournalist leitete die Diskussion zum Thema „Gott, der Urknall und die schwarzen Löcher“ mit einem Astrophysiker und einem Theologieprofessor. Angesichts der jubelnden Menge bemerkte der Bischof: „Ich hoffe, sie sind alle nicht nur wegen mir gekommen. Ich bin doch nur der Moderator.“

Der junge Passauer Bischof setzt neue Maßstäbe. Seine deutschen Amtskollegen werden sich daran gewöhnen müssen, dass ihnen Bischof Oster die Schau stiehlt. Die katholische Kirche hat jetzt einen Popstar in ihren Reihen.

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