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Bistum: Christen werden verspottet

Der Bund für Geistesfreiheit ruft zu „Heidenspaß“ am Karfreitag auf. Das Bistum klagt über die hämische Art der Veranstalter.
Von Katharina Eichinger, MZ

Armin Schmid (links) und Gerhard Wolf vom Bund für Geistesfreiheit werben für ihre Veranstaltung am Karfreitag – „in verachtender und hämischer Weise“, sagt das Bistum. Foto: Eichinger
Armin Schmid (links) und Gerhard Wolf vom Bund für Geistesfreiheit werben für ihre Veranstaltung am Karfreitag – „in verachtender und hämischer Weise“, sagt das Bistum. Foto: Eichinger

Regensburg.„Heidenspaß statt Höllenqual“ verspricht der Bund für Geistesfreiheit am Karfreitag. In vier Lokalitäten will das Bündnis ein Programm für alle „Humanisten, Freigeister und die, die es werden wollen“, veranstalten. Das Bistum ist entsetzt: Christen würden auf den Werbeplakaten „in verachtender und hämischer Weise verspottet“, sagt Pressesprecher Clemens Neck.

Eigentlich herrscht an Karfreitag Tanzverbot. Doch damit ist seit November vergangenen Jahres Schluss – zumindest theoretisch. Das Bundesverfassungsgericht erklärte den strengen Schutz des Karfreitags in Bayern für verfassungswidrig. Mit Ausnahmegenehmigungen sind öffentliche Partys nun erlaubt.

Das gilt auch für die Feier des Bundes. Es handle sich um eine Party, die dem Charakter des Karfreitags entspreche, sagt Dr. Wolfgang Schörnig, Rechtsreferent der Stadt. Der Bund wolle ohne staatliche Bevormundung bei Musik seine Themen besprechen. Doch ist das wirklich so geplant? Das Werbeplakat der Veranstaltung lässt vielmehr den Schluss zu, dass es sich um eine reine Musikveranstaltung handelt: Indie, Rock’n’Roll und Funk mit DJ’s werden versprochen. „Nirgendwo wird nur getanzt oder nur geredet“, sagt dagegen Armin Schmid, Vorstand des Bundes. Man könne davon ausgehen, dass weltanschauliche Themen angesprochen werden.

„Vielen ist es ein Dorn im Auge, wenn sie dem Glauben nichts abgewinnen können, die Füße stillhalten zu müssen“, sagt Schmid. Die einseitige Bevorzugung einer Weltanschauung sei problematisch – auch im Zusammenhang steigender Zuwandererzahlen.

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Clemens Neck, Pressesprecher des Bistums, hat eine klare Meinung zur Veranstaltung des Bundes: Es sei richtig, Menschen zu achten und zu tolerieren, die daran glauben, dass die Welt nicht geschaffen wurde, sagt er. Leben und leben lassen sei die Leitdevise einer toleranten und freiheitlichen Lebensordnung. „Wenn der Bund für Geistesfreiheit den Glauben der Christen mit ihren Plakaten und Veranstaltungen in verachtender und hämischer Weise verspottet, dann frage ich mich, wie das zu einer Lebensweise der Toleranz und Freiheit passen soll?“

Ludwig Haindl, Diözesansekretär beim Kolpingwerk Regensburg, zeigt sich wenig begeistert von der geplanten Feier. „Ein Freundschaftsbeweis ist das sicher nicht“, sagt er. „Irgendwo muss man Verständnis haben. Das ganze Jahr über kann man Party machen, wenn ich will, kann ich auch am Karfreitag privat feiern.“ Er bezeichnet das Bündnis als „bewusst antikirchlich“.

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„Wir wollen niemanden verletzen“, sagt Gerhard Wolf, Vorstandsmitglied beim Bund für Geistesfreiheit. Konfrontiert wurde der Verband von christlichen Organisationen bisher aber nicht. „Ich denke nicht, dass die sich das antun würden, weil sie da nur verlieren“, sagt Schmid. Dafür gebe es zu viele Konfessionslose. In München veranstaltet der Bund für Geistesfreiheit die gleiche Feier – auch sie darf stattfinden.

In der Regensburger Partyszene bleibt es am kommenden Freitag trotzdem eher ruhig. Das Scala bleibt geschlossen, sagt Geschäftsführer David Bonaldi. Es kann aber sein, dass sich das künftig ändert: „Wir warten mal ab und schauen, was passiert. Wenn keine Probleme mit Veranstaltungen am Karfreitag verbunden sind – warum nicht?“ Auch Beats und Suite öffnen ihre Türen nicht.

Maria Linsmeier, Geschäftsführerin des Gatsby, fragte bei der Stadt an, ob sie am Freitag eine Feier veranstalten könne. Doch sie bekam eine Absage – ohne Begründung. Auf Nachfrage wusste Rechtsreferent Schörnig nichts von diesem Fall, begründet aber so, dass es sich um eine reine Vergnügungsveranstaltung handle.

Das Grundgesetz deckt die Entscheidung ab. In drei Fällen können Ausnahmegenehmigungen erteilt werden, sagt Martin Scholtysik, Pressesprecher des Bayerischen Innenministeriums. Es müsse eine atypische Veranstaltung vorliegen, die dem Schutz der Glaubens- und Bekenntnisfreiheit oder der Versammlungsfreiheit unterliegt. Außerdem müsse die Veranstaltung einen Bezug zum Karfreitag haben und in geschlossenen Räumen und mit überschaubarer Teilnehmerzahl stattfinden.

Was sagen Sie zur Veranstaltung des Bundes? Schreiben Sie uns an regensburg@mittelbayerische.de

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