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Produktion

BMW: Aufholjagd nach Stromausfall

Dass große Betriebe wie das Werk plötzlich eine Stunde ohne Saft dastehen, ist selten. Die Auswirkungen aber sind enorm.
Von Heike Haala

Das BMW Group Werk Regensburg war von einem Stromausfall betroffen. Auch die Lackiererei. Plötzlich kam kein Lack mehr aus den Düsen. Fotos: BMW Group Werk Regensburg
Das BMW Group Werk Regensburg war von einem Stromausfall betroffen. Auch die Lackiererei. Plötzlich kam kein Lack mehr aus den Düsen. Fotos: BMW Group Werk Regensburg

Regensburg.Einen Tag nach demStromausfall bei BMW Regensburg dem einstündigen Stromausfall beim BMW Group Werk Regensburg lief die Produktion wieder auf Hochtouren. Dennoch: Der Rückstand konnte laut Andreas Sauer, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, bis Dienstag noch nicht aufgeholt werden. Zu groß sind die Auswirkungen auf das Werk, in dem alle 57 Sekunden ein Auto vom Band rollt.

Sauer erklärt: „Die Produktionsschritte im Karosseriebau, der Lackiererei und der Montage sind bei uns fein aufeinander abgestimmt.“ So muss beispielsweise der Karosseriebau stets so viel vorproduzieren, dass es auch etwas zu lackieren gibt. Dieses ausgeklügelte System hat der Stromausfall gestört.

Jetzt stellen sich zwei Fragen: Wie hoch ist der Schaden? Und warum konnte es dazu kommen? Beides ist im Moment noch offen. Die Schadenshöhe hängt laut Sauer auch von den Karosserien ab, die sich zum Zeitpunkt des Stromausfalls in der Lackiererei befanden. Immerhin kam aus den Düsen plötzlich kein Lack mehr. Die edlen Fahrzeugkabinen waren nicht vollständig lackiert. Ob und wie viele von ihnen dennoch verwendet werden können, ist laut Sauer derzeit noch unklar.

Ausfall während der Wartung

Sowohl Sauer als auch Manuel Köppl, Sprecher der Bayernwerk AG, waren am Dienstag noch auf Ursachensuche. „Die Krux in diesem speziellen Fall war leider, dass sich einer der redundanten Trafos in Wartung befand, als der zweite unerwartet ausfiel“, sagt Köppl im Gespräch mit der Mittelbayerischen. Stromausfälle in Unternehmen in dieser Größenordnung und in dieser Dauer kommen seiner Auskunft zufolge ansonsten allenfalls nach Naturereignissen oder Verkehrsunfällen vor. „So ließ etwa vor zwei Jahren ein Traktorfahrer, der gegen einen Hochspannungsmasten fuhr, die Lichter bei Audi ausgehen“, erinnert er sich an einen ähnlichen Fall.

Auch Martin Gottschalk, Pressesprecher bei den Stadtwerken Regensburg, sagt, dass sich die Unternehmen in der Region auf ein hohes Maß an Versorgungssicherheit verlassen können. Grundlegend gelte bei den Stadtwerken für die Versorgungssicherheit das sogenannte „N-1-Prinzip“. „Bei dem Ausfall eines beliebigen Betriebsmittels kann die Versorgung über ein anderes Betriebsmittel hergestellt werden. Bei großen Unternehmen existiert daher in der Regel eine Anbindung über zwei Leitungen“, sagt Gottschalk.

Die Regensburger Betriebe vertrauen auf diese Versorgungssicherheit: „Wir haben eine hohe Betriebssicherheit, was uns im Falle eines Stromausfalls vor möglichen Auswirkungen schützen würde“, sagt etwa Susanne Reimann, Pressesprecherin bei Continental. Viele Betriebe verfügen über Notstromaggregate, zum Beispiel die Polizei. Wie viel Zeit damit überbrückt werden kann, sagte Markus Damm, Pressesprecher beim Polizeipräsidium Oberpfalz, aus sicherheitstaktischen Gründen nicht.

Betriebe vertrauen Versorgern

Elke Pitzl, Pressesprecherin bei der Sparkasse Regensburg, ist sich sicher, dass diese Aggregate einen Ausfall des autarken Stromnetzes der Zentrale in der Lilienthalstraße überbrücken könnten. „Die Sicherheit ist gewährleistet“, sagt sie. Die Filialen seien ans reguläre Stromnetz angeschlossen. Dort könne es im schlimmsten Fall sein, dass Geldautomaten ausfallen. Ohne Strom seien diese aber auch nicht leichter zu knacken als mit.

„Zu klassischen Stromausfällen kann es bei uns nicht kommen“, heißt es aus der Presseabteilung der Barmherzigen Brüder. Für das Krankenhaus, die Klinik St. Hedwig und das Paul-Gerhardt-Haus liegen detaillierte und strukturierte Notfallkonzepte für den Fall eines Stromausfalles vor, sagt Sprecherin Svenja Uihlein. Jeder der drei Standorte verfüge über ein eigenes Notstromaggregat, das mehrere Stunden Stromausfall überbrücken kann.

Ähnlich läuft es am Bezirksklinikum Regensburg. Hier trennen sich die Zuständigen laut Medbo-Sprecherin Lissy Höller bei Wartungsarbeiten und Notstromtests sogar mehrmals im Jahr eigenständig vom öffentlichen Stromnetz. Alle wichtigen Gebäudeteile und Anlagen werden dann über kraftstoffbetriebene Ersatzstromaggregate versorgt. Im Bezirksklinikum seien besonders die Intensivstationen der Neurologie und Neuro-Reha sensible Bereiche. „In der Neurologie werden Patienten teilweise beatmet und sind mit lebenserhaltenen Geräten verbunden“, sagt Höller. Bei diesen Einheiten springen sofort geräteeigene Akkusysteme ein.

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Gründe für Ausfälle

  • Wie kommt es dazu?

    Martin Gottschalk, Pressesprecher bei den Stadtwerken, nennt atmosphärische Einwirkungen wie Gewitter und Sturm, andere Einwirkungen wie durch einen Bagger oder einen Ballon, einen Betriebsmitteldefekt, Überlastung oder Fehlbedienung sowie höhere Gewalt oder Wartungsarbeiten als mögliche Gründe für einen Stromausfall.

  • Häufig:

    Die häufigste Störungsursache sind nach seiner Einschätzung aber nicht vorhersehbare Kabelfehler, die etwa durch Dauerfrost oder Auftauen des gefrorenen Bodens begünstigt werden können.

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