MyMz
Anzeige

Wirtschaft

Verwirrspiel um BMW-Logistikzentrum

Eine Erfolgsmeldung aus Wallersdorf stempelt Regensburg zum Verlierer. Doch BMW versichert: „Es wird noch verhandelt.“
Von Claudia Böken, MZ

Das BMW-Logistikzentrum in Leipzig (unser Bild) wird von Schenker Deutschland gemanagt.
Das BMW-Logistikzentrum in Leipzig (unser Bild) wird von Schenker Deutschland gemanagt. Foto: dpa

Regensburg.Die Ansiedlung des BMW-Logistikzentrums an der Stadtgrenze Regensburgs auf Thurn-und-Taxis-Gelände bei Obertraubling sorgt nach wie vor für Wirbel. Am Donnerstag kam er wieder einmal aus dem niederbayerischen Wallersdorf im Landkreis Dingolfing-Landau: An diesen Standort werde der Automobilkonzern sein Teile-Lager bauen, vermeldete die Passauer Neue Presse. Wallersdorf hatte sich in den vergangenen Wochen zum härtesten Standort-Rivalen Regensburgs entwickelt, schien zeitweilig die Nase vorn zu haben.

Aber eine Vollzugsmeldung gibt es nicht: „Wir bestätigen die Meldung der PNP nicht, die Verhandlungen mit den potenziellen Standorten für das Logistikzentrum laufen noch“, lautete die Aussage von BMW-Pressesprecherin Birgit Hiller. „Wir haben keine Mitteilung erhalten, dass Regensburg aus dem Rennen ist“, sagte kurze Zeit später auch Regensburgs Oberbürgermeister Joachim Wolbergs. Insider rechnen allerdings damit, dass die Entscheidung kurz bevor steht, möglicherweise an diesem Wochenende fällt.

Seit Monaten wird verhandelt

Seit Monaten haben Wolbergs und sein Wirtschaftsreferent Dieter Daminger um das Logistikzentrum gekämpft. Sie vermittelten zwischen dem Grundeigentümer Thurn und Taxis und BMW, verhandelten vor allem aber auch mit dem Saatzuchtunternehmer Bauer in Niedertraubling, der bislang Pächter des Areals war. T & T hatte Bauer den Pachtvertrag gekündigt, was dieser nicht hinnehmen wollte. Den Bemühungen von OB und Wirtschaftsreferent war es zu verdanken, dass in allerletzter Sekunde der nach Insider-Ansicht sehr langwierige Prozess abgesetzt wurde. Er hätte eine BMW-Ansiedlung wohl aus Zeitgründen verhindert. Für Bauer gibt es inzwischen eine gute Lösung; hinter dem Logistikzentrum an der geplanten Stelle indes steht weiterhin ein Fragezeichen.

In dem neuen Teilelager, um das sich mehrere Standorte bemühen – auch die Staatskanzlei war mehrfach bei den Verhandlungen dabei – sollen bis zu 2000 Arbeitsplätze entstehen. Wirtschaftsreferent Daminger und der OB halten es für besonders wichtig in der Region, da es um Arbeitsplätze für Menschen mit niedriger Schulbildung geht, und auch Flüchtlinge dort beschäftigt werden könnten, von denen man in Regensburg allein in diesem Jahre noch mindestens 500 erwartet.

Die Stadt Regensburg hat im Zusammenhang mit der Ansiedlung des Logistik-Zentrums und einem Ersatz-Pflanzgarten für den Saatzuchtbetrieb mit dem Haus Thurn und Taxis eine Absichtserklärung („Letter of Intent“) unterzeichnet, die unter anderem auch einen Millionen-Deal um das Pürkelgut im Südosten der Stadt beinhaltet. Die Stadt möchte dort bekanntlich 2024 die Landesgartenschau durchführen. Dazu würde sie etwa zwei Drittel der Fläche des Pürkelgut-Geländes kaufen – die Rede war von 8,6 Millionen Euro, in denen auch das stark verfallene Schloss Pürkelgut enthalten wäre. Der Rest des Geländes würde für die Zeit der Gartenschau gepachtet.

Gilt die Absichtserklärung?

Thurn und Taxis wäre auch Nutznießer eines weiteren Punktes in der Absichtserklärung: Aus früheren Stadthallenzeiten gibt es noch eine Planung für ein Parkhaus südlich des Schlossparks an der Margaretenstraße. Die damals erteilte Baugenehmigung sollte erneuert werden. Gekoppelt war diese Absichtserklärung allerdings an das Zustandekommen der Ansiedlung des Logistik-Zentrums auf T & T-Gelände, hatte der OB vor zwei Monaten erklärt. Was wird, falls sich die Hoffnungen der Stadt auf diesem Sektor zerschlagen, wird sich zeigen.

Nicht überall war in der Vergangenheit das BMW-Vorhaben bei Niedertraubling begrüßt worden. Handwerkskammer-Präsident Dr. Georg Haber hatte erst vor einigen Wochen im Pressclub gesagt, dass Regensburg dieses Teilelager nicht unbedingt brauche, weil die Stadt genügend Arbeitsplätze habe, war danach aber zurückgerudert.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht