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BMW von eigenem Mitarbeiter beschummelt

Das Schöffengericht des Amtsgerichts hat einen ehemaligen Abteilungsleiter des BMW-Werkes „wegen Untreue in einem besonders schweren Fall“ verurteilt. Mit einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten kam der 51-Jährige glimpflich davon.

Dem Kfz-Meister droht aber noch ein Zuschlag im Steuerstrafverfahren. Konsequent hatte er seinen illegalen Nebenverdienst auch am Finanzamt vorbeigemogelt. Ein wegen Beihilfe zu dieser Untreue mitverurteilter, 46-jähriger Autokaufmann aus dem Landkreis Neumarkt erhielt eine gleich hohe Bewährungsstrafe.

Richter samt Schöffen, Staatsanwältin und Verteidiger hatten sich auf die rechtliche Bewertung und diese Strafhöhe verständigt. Die verwerflicher klingenden Tatbestände der „Bestechung und Bestechlichkeit“ wurden von der Verfolgung ausgeklammert. Danach räumten beide Angeklagte die Vorwürfe im Wesentlichen ein.

Der BMW-Angestellte musste sich vier Jahre lang wie die Made im Speck gefühlt haben: Als Abteilungsleiter bezog er ein überdurchschnittliches Gehalt. Bei jedem dienstlichen Auftrag, den er der Kfz-Werkstätte im Landkreis Neumarkt erteilte, verdiente er dank geheimer Absprache ordentlich dazu.

Im BMW-Werk hatten sich neben der Produktion anfallende Arbeiten wie Fahrzeugreinigung und Prüfarbeiten als zu aufwändig erwiesen. Sie sollten ausgelagert werden. Als zuständiger Abteilungsleiter beauftragte der 51-Jährige die Werkstätte des 46-jährigen Autokaufmanns, sicherte sich jedoch pro Auftrag eine „Provision“. Richter Franz Zeitler verwundert über die lockere Vergabepraxis: „Beim Freistaat Bayern wäre das nicht passiert. Die Arbeiten würden ausgeschrieben.“

Vier Jahre lang führte die Werkstätte zahlreiche Aufträge aus und berechnete hierfür insgesamt 570000 Euro. Dass, wie die Anklage unterstellte, meist das Dreifache des tatsächlichen Arbeitsaufwandes berechnet worden sei, wollten die Angeklagten nicht so stehen lassen. Doch sämtliche 48 Monate verdiente der ungetreue Abteilungsleiter zum Schaden seines Arbeitgebers mit, monatlich etwa 3000 Euro, zusammen 147600 Euro.

Als die Sache 2005 aufflog, wurde der 51-Jährige gekündigt. Doch die alte Seilschaft hält. Er ist jetzt in einem Betrieb des mitverurteilten Autohändlers tätig. Den sechsstelligen Schaden hat er zurückgezahlt. Das wurde ihm bei der Strafzumessung zu Gute gehalten. Aber: Es „zumwinkelt“ vor Gericht. Wo immer über ein Vermögensdelikt verhandelt wird, der knapp siebenstellige Steuerbetrug des Ex-Postchefs und die ihm gewährte Bewährungsstrafe werden zur Richtschnur.

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