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Bezahlung

BMW-Werkverträge sorgen für Wirbel

Drei-Klassen-Gesellschaft im Werk Regensburg? Zeitarbeiter werden offenbar von externen Dienstleistern schlechter bezahlt.
von Christine Hochreiter, MZ

Eine Vereinbarung sieht vor, dass alle Leiharbeiter in den deutschen BMW-Werken den gleichen Grundlohn wie die festangestellten Mitarbeiter bekommen.

Regensburg.Gleicher Lohn für die gleiche Arbeit - beim Thema Zeitarbeit ist BMW vielen anderen Unternehmen voraus. Eine Vereinbarung sieht vor, dass alle Leiharbeiter in den deutschen Werken den gleichen Grundlohn wie die festangestellten Mitarbeiter bekommen. Für die Zeitarbeiter bedeutete dies eine deutliche finanzielle Verbesserung: einen Stundenlohn von mindestens 11,61 Euro.

Ein Leser teilte der MZ-Redaktion jetzt mit, dass dies nicht für alle Beschäftigten auf dem BMW-Werksgelände zu gelten scheint. Im Rahmen von sogenannten Werkverträgen sollen Leiharbeiter nur nach dem gesetzlichen Mindeststundenlohn (7,79 Euro) der Zeitarbeitsbranche bezahlt werden. Die Pressesprecherin des Regensburger BMW-Werks, Martina Grießhammer, stellte am Dienstag auf MZ-Nachfrage, den Unterschied zwischen klassischen Zeitarbeitskräften und Zeitarbeitern im Rahmen von Werkverträgen klar.

Zeitarbeiter würden als flexibles Personal temporär über ein Zeitarbeitsunternehmen bei BMW beschäftigt, um Produktionsspitzen abzufangen: „Zeitarbeitskräfte sind Arbeitskräfte, die bei uns durch Arbeitnehmerüberlassung arbeiten. Bei einer Arbeitnehmerüberlassung haben wir wie bei direkt angestellten Mitarbeitern eine gewisse Verfügung über die Arbeitskraft.“ Daher habe sich BMW seit einigen Jahren dazu verpflichtet, diese im Gegenzug auch mindestens nach dem jeweils für die Metallbranche gültigen Tarif-Grundgehalt zu entlohnen.

Die Situation bei einem Werkvertrag gestaltet sich nach Angaben der BMW-Sprecherin anders. Dabei handle es sich um einen Vertrag über eine Dienstleistung. Die Bezahlung der Mitarbeiter des Dienstleisters sei nicht Bestandteil des Vertrags. Aufgrund der Natur eines Werkvertrags bekomme BMW eine Dienstleistung, habe aber keine „fachliche Führung“ für die vom Dienstleister eingesetzten Arbeitskräfte. Werkverträge würden vor allem für Dienstleistungen oder Wartungs- und Installationsarbeiten eingesetzt. Die Bereiche, in denen Tätigkeiten durch externe Dienstleister erbracht werden, seien vielfältig und umfassten das gesamte Spektrum an Dienstleistungen -, beispielsweise Logistik, Sicherheitsdienste oder Facility Management.

Drei-Klassen-Gesellschaft bei BMW Regensburg?

Der Regensburger Betriebsratsvorsitzende Werner Zierer zeigte sich gegenüber der MZ besorgt - aus zwei Gründen. Zum einen könnten solche Werkverträge und der Einzug einer Drei-Klassen-Gesellschaft bei BMW zu einer Verunsicherung der Mitarbeiter führen. Zum anderem könnte auch das Image des Premiumherstellers darunter leiden. Zierer räumte ein, dass bei der Arbeitnehmervertretung die Alarmglocken schrillen. Man befürchte, dass sich dieses System noch ausweiten könnte und tendenziell Kernarbeitsplätze gefährdet. Sollte dieses Strategie der Unternehmensleitung sein, kündigte Zierer entschlossenen Widerstand an. Gespräche zur Klärung seien bereits geplant.

Nach Angaben des 1. Bevollmächtigten der IG-Metall-Verwaltungsstelle Regensburg, Jürgen Scholz, sucht auch seine Gewerkschaft in dieser Angelegenheit das Gespräch mit BMW. Auch wenn die geringere Entlohnung im Rahmen von Werkverträgen wohl rechtlich in Ordnung sei, gelte das nicht aus moralischer Sicht.

Nach Erkenntnissen der IG Metall habe der Automobilhersteller BMW auch „industrielle Kernleistungen“ wie beispielsweise die Wareneingangsprüfung und Qualitätssicherung im Regensburger Werk an externe Dienstleister vergeben. Dies passe nicht zu einem Premiumhersteller. „Premium“ müsse sich auch bei den Arbeitsplätzen beziehungsweise der Entlohnung der Mitarbeiter fortsetzen, sagte Scholz. Die Gewerkschaft werde sich dafür einsetzen, dass BMW die Mindeststandards auch bei Werkverträgen entsprechend höher setzt.

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