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Polizei

Boomtown: Mehr Verkehr, mehr Unfälle

Trauriger Höhepunkt der Verkehrsstatistik 2017 für Regensburg: Zwei Menschen starben bei Unfällen auf den Straßen.
Von Heinz Klein

  • An der DEZ-Kreuzung, wo im Herbst 2017 ein Farradfahrer tödlich verunglückte, stellte der ADFC Regensburg ein Geisterrad auf. Dieses musste Ende Januar wieder entfernt werden. Stattdessen kontrolliert die Polizei hier nun verstärkt. Foto: ArchivTim Guggenberger
  • Foto: dpa

Regensburg.Regensburg ist eine Boomtown – und die brodelt geradezu vor Verkehr. Ein Anstieg der Einwohnerzahl um 2519 auf 166 467 Bürger sorgte auch für einen Anstieg der Zulassungszahlen bei Kraftfahrzeugen um 3,6 Prozent: 99 867 Fahrzeuge waren im vergangenen Jahr im Stadtgebiet angemeldet. Rund 76 000 Menschen pendeln von außen zu ihren Arbeitsplätzen in die Stadt, mehr als 18 000 Regensburger sind als Berufspendler in die entgegengesetzte Richtung unterwegs. Doch nur 20 Prozent der Pendler benutzen öffentliche Verkehrsmittel.

So sind im vergangenen Jahr mit dem wachsenden Verkehr auch die Unfallzahlen gewachsen. Insgesamt ereigneten sich 2017 im Stadtgebiet Regensburg 5927 Verkehrsunfälle – ein Anstieg um 5,7 Prozent oder 310 Unfälle und ein neuer Höchststand im Langzeitvergleich (4541 Unfälle im Jahr 2008).

Ein Radfahrer und ein Fußgänger kamen ums Leben

Die Zahl der Verkehrsunfälle mit Personenschaden sank glücklicherweise um 1,2 Prozent auf nunmehr 760 (2016: 769). Allerdings waren im vergangenen Jahr zwei Verkehrstote zu beklagen. Ein Lkw-Fahrer hatte im November beim Donau-Einkaufszentrum einen Radfahrer übersehen. Der Radler starb noch an der Unfallstelle. Im zweiten Fall überquerte ein Fußgänger die Walhalla-Allee, ohne auf den Verkehr zu achten und wurde von einem Auto erfasst.

Hier finden Sie die Zahlen der Verkehrsunfälle im Zehn-Jahres-Vergleich:

Gestiegen sind dagegen die Verkehrsunfälle mit Sachschaden und Anzeige. 2017 waren das 1630, im Vorjahr 1521 – also ein Plus von 8,5 Prozent. Auch die sogenannten Kleinunfälle stiegen um 6,6 Prozent von 3317 auf 3537 im Jahr 2016.

Bei 341 Unfällen wurden 318 Radfahrer verletzt

Die Zahl der Unfälle mit Fahrradfahrern nahm gegenüber dem Vorjahr um 7,27 Prozent zu, die Zahl der verletzten Radfahrer um 14,4 Prozent. Der schlimmste Unfall passierte am 20. November zur Mittagszeit: Der Fahrer eines Sattelzugs übersah an der Kreuzung Nordgaustraße/Walhalla-Allee beim Rechtsabbiegen einen geradeausfahrenden Radfahrer und überrrollte ihn. Der 38- Jährige starb noch an der Unfallstelle.

Video: Simone Grebler

Hauptunfallursache ist beim Auto- oder Lkw-Fahrer das Abbiegen. Vor allem Rechtsabbieger übersehen den Radfahrer, wenn der Radler im toten Winkel des Spiegels nicht erkannt wird. Die Polizei bittet deshalb Radler, sich nicht auf die Vorfahrt zu verlassen und Blickkontakt zum Autofahrer zu suchen.

Hauptunfallursache bei den Radlern war das Benutzen des Radwegs in falscher Richtung, also das Fahren als „Geisterradler“. Ertappte Geisterradler müssen mit einem Verwarnungsgeld von 20 Euro rechnen. Radler, die bei Rot über Kreuzungen fahren, sind mit 60 bis 100 Euro dabei. Übrigens: Bei 17 Unfällen mit Radfahrern waren die Radler mit E-Bikes unterwegs.

Interessant ist, dass eine Neuerung nicht zu den oft geäußerten Befürchtungen Anlass gab: In den für Radfahrer frei gegebenen Altstadtbereichen und Alleen wurden der Polizei keine Unfälle zwischen Fußgängern und Radlern gemeldet.

Unfallfluchten und Parkplatzrempler

 Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Wenn man beim Ein- oder Ausparken das Auto daneben anrempelt, dann hat kaum noch ein Unfallverursacher Skrupel vor einer Unfallflucht. So machten sich im vergangenen Jahr bei 1630 Verkehrsunfällen mit reinem Sachschaden 1349 Unfallverursacher einfach aus dem Staub. Dazu kamen noch 69 Unfallfluchten bei Unfällen mit Verletzten. Die Zahl der Unfallfluchten erreichte damit einen historischen Höchststand von 1418 und gegenüber 2016 einen Anstieg um 6,1 Prozent. Der Trend ist allerdings kein Regensburger Spezifikum, sondern gilt bayernweit.

Die Zahl der Unfallfluchten steigt auch in Regensburg an:

Gestiegen ist dabei allerdings auch die Aufklärungsquote, nämlich von 38,32 Prozent im Jahr 2016 auf 39,7 Prozent im vergangenen Jahr. Die Polizei versucht mit dem Aufstellen von Plakaten und Schildern auf Großparkplätzen und in Parkhäusern, Autofahrer und Passanten für Parkplatzrempeleien zu sensibilisieren und unfallflüchtige Fahrer zu melden. Die gestiegene Aufklärungsquote könnte erste Früchte getragen haben.

Senioren waren in 459 Unfälle verwickelt

 Foto: Felix Kästle/dpa
Foto: Felix Kästle/dpa

Der Anteil der Senioren an der Stadtbevölkerung wächst. Zudem nehmen Senioren mehr am Verkehrsgeschehen teil – und sie steigen noch öfter aufs Fahrrad. So nimmt die Zahl der Unfälle mit Senioren seit Jahren kontinuierlich zu – von 291 Unfällen im Jahr 2010 auf 459 Unfälle im vergangenen Jahr. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Anstieg von 12,2 Prozent, im Zehnjahresvergleich ein Plus von 52 Prozent. Dieser Anstieg scheint Regensburg-spezifisch zu sein. Bayernweit stieg die Zahl der Unfälle mit Senioren im Zeitraum von zehn Jahren nur um 25,8 Prozent.

Kommentar

Keine lässliche Sünde

Traurig, dass das Thema Alkohol im Verkehr wieder an Dramatik gewinnt. Denn eigentlich hat sich doch viel zum Besseren gewendet. Gerade am Land bilden...

Bei Unfällen wurden 90 Senioren verletzt (2016: 89) – die meisten von ihnen, nämlich 40, als Radfahrer. In vier Fällen waren Senioren mit dem E-Bike unterwegs (2016 drei Fälle).

Die häufigsten Unfallursachen aufseiten der Senioren am Steuer (Foto: dpa/ Felix Kästle) sind Fehler beim Abbiegen, Vorfahrtsverletzungen und Fehler beim Rückwärtsfahren.

Eine Auswertung nach Wochentagen und Uhrzeit ergab, dass sich die Mehrzahl der Unfälle mit Senioren an den Wochentagen Montag bis Samstag und dann zwischen 9 und 19 Uhr ereignen.

Die Entwicklung der Verkehrsunfälle mit jungen Erwachsenen zeigt im Langzeitvergleich keine wesentlichen Veränderungen: 590 junge Erwachsene (18 bis 24 Jahre) waren in Unfälle verwickelt, 165 wurden dabei verletzt.

Schulwegunfälle: 17 Kinder verletzt

 Foto: Arne Dedert dpa
Foto: Arne Dedert dpa

In Regensburg sind etwa 14 000 Kinder im Alter von sechs bis 15 Jahren an Wochentagen unterwegs in die Schule. Bei den 16 Unfällen (2016: 19) , die sich auf dem Schulweg ereigneten, waren zehn als Radfahrer, sechs als Fußgänger und ein Kind als Mitfahrer beteiligt. 17 Kinder wurden dabei verletzt (2016:22).

Der wohl schwerste Schulwegunfall ereignete sich am 20. September, als ein zehnjähriger Schüler in der Dr.-Johann-Maier-Straße zwischen Autos, die vor einer Ampel warteten, auf die Fahrbahn trat. Der Schüler wurde von einem Motorrad erfasst und erlitt dabei schwere Verletzungen. Auch der Motorradfahrer, ebenfalls ein Schüler, zog sich schwere Verletzungen zu.

Zahlen und Fakten

  • 1349 Unfallfahrer

    machten sich bei 1630 Verkehrsunfällen mit reinem Sachschaden einfach aus dem Staub. Dazu kamen 69 Unfallfluchten bei Unfällen mit Personenschaden.

  • 160 Stundenkilometer

    hatte der schnellste Temposünder auf dem Tacho. Er war mit einem BMW Mini bei erlaubten 80 km/h auf dem Odessa-Ring unterwegs.

Die Mehrzahl der Schulwegunfälle sind Radunfälle. Die Polizei bittet daher die Eltern, die Kinder erst dann mit dem Fahrrad in die Schule zu schicken, wenn sie die Ausbildung in der Jugendverkehrsschule absolviert haben.

In den 4. Jahrgangsstufen der Grundschulen wurden im vergangenen Jahr 1221 Schüler im Radfahren ausgebildet. Die Ausbildung erfolgte durch die Verkehrserzieher in den Jugendverkehrsschulen der Polizeiinspektionen Regensburg Süd und Nord. zudem trugen viele Helfer ehrenamtlich zur Schulwegsicherheit bei. 259 Lotsen brachten die Schüler sicher über die Straße.

Tempo und Telefonieren

Neben den Aktionstagen für den Radverkehr und den Alkohol- und Drogenkontrollen überwachte die Polizei die Geschwindigkeit im Stadtgebiet. Es wurden 173 Geschwindigkeitsmessungen mit 4983 Beanstandungen durchgeführt. Wenn die Kontrollstellen dafür geeignet sind, werden die Geschwindigkeitssünder gleich angehalten und zur Kasse gebeten.

In insgesamt 142 Fällen mussten Fahrverbote erlassen werden. Spitzenreiter war ein BMW Mini, der bei erlaubten 80 km/h auf dem Odessa-Ring mit 160 km/h gemessen wurde.

Neben dem Blick auf den Tacho interessierte sich die Polizei auch für das Anlegen der Sicherheitsgurte. Und da wurden in 542 Fällen Fahrzeuginsassen ohne Gurt erwischt, was sich mit jeweils 30 Euro Buße niederschlug.

Ablenkung im Straßenverkehr ist mitursächlich für viele Verkehrsunfälle. Die Verkehrsdichte und die Komplexität des innerstädtischen Verkehrs erlauben keine Unaufmerksamkeiten wie etwa das Telefonieren am Steuer.

Die Handynutzung während der Fahrt schränkt die Aufmerksamkeit der Fahrzeugführer ein. Bei Kontrollen wurden insgesamt 979 Fahrzeugführer mit dem Handy am Steuer ertappt. Seit 2017 gilt für die Sünder mit Handy oder Smartphone ein neues Bußgeld in Höhe von 100 Euro. Dazu kommt ein Strafpunkt im Fahreignungsregister in Flensburg.

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