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Sport

Bouler spielen auf einzigartigem Terrain

Das Spiel ist eine Randsportart. Regensburg wartet mit einem Hallenbelag auf, der weltweit für Gesprächsstoff sorgt.
Von Julia Weidner, MZ

Alexander Bauer spielt seit über 20 Jahren leidenschaftlich Boule. Foto. Julia Weidner
Alexander Bauer spielt seit über 20 Jahren leidenschaftlich Boule. Foto. Julia Weidner

Regensburg.Im Urlaub am Meer – für viele gehört Boccia (italienisch für Kugel) dazu. Doch das Freizeitspiel gibt es auch in einer professionellen Liga. Mit 700 Gramm schweren Eisenkugeln und definierten Regeln heißt das Spiel dann Boule (französisch für Kugel). So wird es auch in der Funsporthalle Regensburg vom Boule Club Ratisbonne mehrmals wöchentlich praktiziert.

Seit 1998 gibt es den Verein, zurzeit hat er 45 Mitglieder. „Wir sind ein bunter Verein“, sagt der Vorsitzende Alexander Bauer. Das jüngste Mitglied ist 22 Jahre alt, das älteste 89. Außerdem kommen viele Mitspieler ursprünglich aus Tunesien, Marokko oder Algerien. „Dort ist Boule schon fast Nationalsport“, erklärt Bauer. Damit sei sein Verein keine Ausnahme. Viele Nordafrikaner verbinden mit Boule Heimat und Spiel. In Bayern gibt es dagegen keine große Tradition für das Spiel aus Frankreich.

Der kleinste Fehler zeigt Wirkung

In der Boule-Halle kracht es. Robert Ernst schießt eine Kugel seines Gegners weg, die nah an der kleinen grünen Kugel liegt, dem Cochonnet. Wessen Kugel am Ende am nächsten an dem Schweinchen – so heißt die Zielkugel auf deutsch – liegt, gewinnt. Das ist die schnelle Erklärung für Boule. Doch es steckt mehr dahinter. „Konzentration, Koordination und eine Grundlage an Kondition braucht man für diesen Sport“, sagt Alexander Bauer. Zwar ist die Wurfkugel erst einmal ein kleines Gerät, „aber der kleinste Fehler im Bewegungsablauf kann katastrophale Folgen haben“, erklärt er.

Vor allem auf Turnieren sei eine gewisse Kondition dann wichtig. Denn oft dauern diese zwölf Stunden. „Am Ende des Tages habe ich dann eine Tonne geworfen, bin zehn Stunden gestanden und zehn Kilometer gegangen“, zählt Bauer auf. Bei den Turnieren hat die Sportart noch mal einen anderen Namen: Pétanque. Da steht dann die Taktik im Vordergrund, im Team hat jeder seine Rolle. Einer legt, versucht also die eigenen Kugeln möglichst nahe an das Cochonnet zu werfen. Der andre schießt, er ballert also gutgelegene Kugeln der Gegner weg. Auch im Boule Club Ratisbonne nehmen viele an professionellen Wettbewerben teil. Der Verein aus Regensburg ist mit drei Mannschaften im Ligabetrieb vertreten. Ein Team tritt in der Bezirksliga ein, ein weiteres in der Bezirksoberliga und die besten spielten dieses Jahr sogar in der Bundesliga.

Damit gehörte der Boule Club in diesem Jahr zu den zwölf besten Adressen für gemeinschaftliches Pétanque in Deutschland. Und so wurden auch andere Vereine auf sie aufmerksam. Denn mit dem Hallenbau im November 2016 kann der Boule Club etwas ganz besonderes vorweisen: Der Bodenbelag in der Boule-Anlage in Regensburg ist weltweit einzigartig. „Ich habe den Boden zusammen mit der Firma Opitz aus Mittelfranken entwickelt“, sagt Bauer. Dass er darauf stolz ist, ist im anzusehen.

In Deutschland gibt es zwischen 20 und 25 Boule-Hallen. Dort wird entweder auf Sand- oder Kiesboden gespielt. Doch der staubt und wird nach einiger Zeit von Pilzen oder Schimmel befallen, so Bauer. Für ihn war klar: „So etwas wollen wir nicht in unserer neugebauten Halle.“ Deshalb hat er sich im Januar vergangenen Jahres mit der Firma Opitz zusammen getan. Dort werden Bodenbeläge für Reithallen produziert, beim Seniorchef fand Bauer für seinen Vorstoß schnell Gehör. „Er hat sich sogar einen eigenen Kugelsatz gekauft, um ein Gespür zubekommen“, erzählt Alexander Bauer.

Alexander Bauer

  • Gründer:

    Der 51-jährige Regensburger lernte in seiner Studienzeit in Göttingen das Spiel kennen. Schon sein erstes Turnier gewann er, beim zweiten Turnier wurde er Dritter. Dann war das Feuer in ihm entfacht. Er wusste: Wenn er zurück nach Regensburg kommt, gründet er dort einen Verein. 1998 war es dann so weit, zu siebt riefen sie den BouleClub Ratisbonne ins Leben.

  • Funktionär:

    Von 2005 bis 2009 war Alexander Bauer Vizepräsident Sport des Deutschen Pétanque-Verbands. In dieser Funktion vertrat er Deutschland auch bei der Pétanque-WM 2008 in Senegal. „Dieses Erlebnis werde ich nie vergessen“, sagt der 51-Jährige. Es war die erste WM in Afrika mit deutscher Beteiligung seit 1987. Drauf war der Regensburger besonders stolz.

Drei Schichten sind das Geheimnis

Der Hallenbelag wurde extra zum Boulen entwickelt. Foto: Julia Weidner
Der Hallenbelag wurde extra zum Boulen entwickelt. Foto: Julia Weidner

Im September 2016 wurde der besondere Boden dann schon in Regensburg verlegt. Er besteht aus einer zwei Zentimeter dicken Schicht aus Schaumstoff. Damit kann die Kugel einsinken, der Schaumstoff soll Energie aus der Kugel absorbieren und ein Sprungverhalten wie auf Sand oder Kies bereiten. Darüber ist eine drei Zentimeter Schicht aus Pressgummi. „Er besteht aus recycelten Schuhsohlen“, sagt Bauer. Der Gummi dämpft den Wurf ab, nimmt Energie heraus und dient zusätzlich als Schallschutz. „Wenn die Metallkugel auf einem normalen Hallenboden aufkommen würde, gäbe das einen Riesenkrach“, erklärt der Entwickler. Ganz oben liegt eine dünne Softgrasschicht. Durch die Reibung, die auf dem Softgras entsteht, verliert die Kugeln an Geschwindigkeit und rollt nicht sehr weit.

Die Erfindung von Bauer und der Firma Opitz erregt in der deutschen Boule-Gesellschaft viel Aufmerksamkeit. Er löst alte Probleme und bedeutet auch kaum Aufwand: „Wir saugen den Boden einmal im Jahr und das war´s“, sagt Bauer. Im Nachhinein ist ihm noch ein zusätzlicher positiver Effekt aufgefallen. Wenn man über den Boden geht, sinkt dieser einen Zentimeter ein. Das sei vor allem für Sportler mit Knieschmerzen angenehm. „Unser Belag ist wie ein Moosboden im Wald.“ Deswegen spricht Bauer auch von einem „Gesundheitsboden“.

Schon über ein Dutzend Vereine aus Deutschland und der ganzen Welt hätten bei ihm wegen des Hallenbodens angefragt. Auch der Deutsche Pétanque-Verband hat den Belag vorgestellt. Zum Standard wird er in Deutschland vermutlich trotzdem nicht. „Die kleinen Vereine können sich diesen Belag nicht leisten“, bedauert Alexander Bauer. Ein Quadratmeter kostet zwischen 25 und 30 Euro. Bei einer normalen Hallenfläche von 180 Quadratmetern sie dies eine zu große Investition.

Dieses Problem hat Alexander Bauer nicht mehr. Er greift zu seinen silbernen Kugeln und stellt sich in den roten Kreis. Dann konzentriert er sich und – wumms. Er schießt die Kugel seine s Gegners ab.

So funktioniert Boule:

Das Cochonnet: Die kleine Kugel wird von der Mannschaft geworfen, die beginnt. Ziel von Boule ist, am Ende mit einer eigenen Kugeln den wenigsten Abstand zur Zielkugel zu haben.

Der Ablauf: Jedes Team hat sechs Kugeln. Ein Team kann aus einer, zwei oder drei Personen bestehen. Die Kugeln werden dann gleichmäßig aufgeteilt. Es wird immer abwechselnd geworfen.

In diesem Kreis müssen die Spieler beim Werfen stehen. Foto: Weidner
In diesem Kreis müssen die Spieler beim Werfen stehen. Foto: Weidner

Der Wurf: Beim Werfen steht der Spieler in einem Kreis. So wird garantiert, dass jeder Spieler die selbe Ausgangsposition hat. Die Wurfkugel wird in die flache Hand genommen und dann umschlossen. Dann wird der Arm nah am Körper vorbei geführt und die Kugel geworfen.

Die Taktik: Am Anfang legt man seine Kugel noch nicht so nah an die Zielkugel, weil sie sonst schnell weggeschossen wird. Im Team gibt es meist einen Leger und einen Schießer.

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