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Infrastruktur

Bringt Verkehrswegeplan neue Auswege?

Der Bund will A3 und B16 verbreitern. Ohne die Regenbrücke bringt der Bundesstraßen-Ausbau wenig Entlastung, sagen Experten.
Von Micha Matthes, MZ

Der sechsspurige Ausbau der A3 zwischen dem Kreuz Regensburg und Rosenhof ist in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen worden.
Der sechsspurige Ausbau der A3 zwischen dem Kreuz Regensburg und Rosenhof ist in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen worden. Foto: Lex

Regensburg.Der Bund geht das Kernproblem der Stau-Stadt Regensburg an. Mit dem sechsspurigen Ausbau der A3 zwischen dem Kreuz Regensburg und Rosenhof ist die Maßnahme, die aktuell am meisten Entlastung für den Verkehr in Regensburg bringen könnte, im Bundesverkehrswegeplan (BVWP) verankert. Darin sind sich Kommunal- und Bundespolitiker, Gutachter und auch Vertreter der Wirtschaft einig. Weil andere neuralgische Punkte noch zu wenig berücksichtigt werden, reagieren Politiker aber auch enttäuscht auf den BVWP. Und Maßnahmen wie der festgeschriebene B16-Ausbau zwischen Gallingkofen und Haslbach liefen ins Leere, solange die richtige Anbindung – etwa durch die Sallerner Regenbrücke – noch fehlt, kritisieren Experten.

Zwei Maßnahmen sind essenziell

Prof. Harald Kurzak hat schon mehrfach Verkehrsgutachten für Regensburg erstellt. Zwei Maßnahmen sind seiner Ansicht nach für eine Entlastung der Verkehrssituation in der Stadt essenziell: Der A3-Ausbau und der Bau der Sallerner Regenbrücke. „Wenn der A3-Ausbau so realisiert wird, wie es nun im BVWP verankert ist, kann man auf jeden Fall im Süden mal ein bisschen aufatmen“, sagt er. „Heute weicht der Verkehr von der A3 oft noch über die Straubinger Straße auf die Stadt aus. Wenn die A3 jetzt ausgebaut wird, kommt es deutlich seltener zu dieser Situation.“ Im Stadt-Norden sei allerdings noch mehr nötig, als der im BVWP vorgesehene Ausbau der B16. „Weil der Verkehr dann trotzdem immer noch in die Amberger Straße und die Nordgaustraße abfließt, bringt das allein noch nichts“, sagt Kurzak. Eine Entlastung werde es hier erst geben, wenn auch die Sallerner Regenbrücke realisiert ist.

Für die ostbayerische Wirtschaft sind laut der IHK Regensburg einige wichtige Maßnahmen im BVWP passend priorisiert, andere hingegen nicht. „Die Elektrifizierung bis Hof ermöglicht einen schnellen Personenverkehr nach Ostdeutschland und einen leistungsfähigen Güterverkehr bis in die Nordseehäfen“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes. Ebenfalls positiv werte die IHK den Ausbau der A3 bis Rosenhof. Den Ausbau des Abschnitts zwischen Nittendorf und Kreuz Regensburg schätzt das Bundesverkehrsministerium als unwirtschaftlich ein. „Aus Sicht der IHK ist das ein Fehler“, sagt Helmes. Das Nadelöhr an der A3 werde nur verlagert und die Sanierung der Autobahnbrücke bei Sinzing werde erschwert.

MdB Philipp Graf von und zu Lerchenfeld (CSU) verlangt Nachbesserungen am vorgelegten BVWP-Entwurf. Er begrüßt zwar, dass der A3-Ausbau zwischen Kreuz Regensburg und Anschlussstelle Rosenhof in der höchsten Prioritätsstufe berücksichtigt wurde. „Darüber hinaus gibt es aber dringenden Gesprächsbedarf“, sagt Lerchenfeld. Es sei enttäuschend, dass der Ausbau zwischen Nittendorf und dem Kreuz Regensburg im Entwurf als unwirtschaftlich bezeichnet werde. „Wir müssen noch mehr öffentlichen Druck aufbauen“, sagt Lerchenfeld. Bei einem Gespräch mit Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) habe er die Forderung, die A3 in einem größeren Umfang auszubauen, jetzt noch einmal bekräftigt. Im April plane er zudem eine Informationsveranstaltung zu dem Thema. Außerdem möchte er Verantwortliche aus dem Ministerium einladen, damit sie sich vor Ort ein Bild von der Verkehrssituation machen.

Abgesehen von dem fehlenden A3-Ausbau bis Nittendorf, sieht MdB Dr. Astrid Freudenstein (CSU) die Region gut berücksichtigt. „Der BVWP ist realistisch, er ist ehrlich und er bringt uns voran“, sagt sie. Mit der Elektrifizierung der Bahnlinie von Regensburg nach Hof komme eines der wichtigsten Verkehrsprojekte Ostbayerns in Schwung. „Das ist für Unternehmen und Pendler in der Region eine gute Nachricht.“ Der A3-Ausbau bis Rosenhof sei im BVWP sogar als besonders dringend gekennzeichnet.

Ein Baurecht gibt es bisher noch für keines der Projekte. „Es hängt also noch viel davon ab, ob wir die Planfeststellung durchbekommen und keines der Projekte beklagt wird“, sagt Freudenstein. Die Planfeststellung für die A3 soll noch in diesem Jahr beendet werden. Danach kann die Finanzierung für das Projekt in den Haushalt eingebracht werden. Kostenpunkt: 154 Millionen Euro für die gut 14 Kilometer lange Strecke.

BVWP mit Bürgerbeteiligung

  • Der Bundesverkehrswegeplan

    zielt besonders auf stauträchtige Strecken. Am Aus- und Neubau – nicht Erhalt – von Straßen und Autobahnen im Freistaat will sich die Regierung etwa mit 11,38 Milliarden Euro beteiligen. Das sei ein Anteil von 16,9 Prozent bundesweit. Nach Bayern fließt damit der zweithöchste Betrag; nur Nordrhein-Westfalen liegt darüber und wird mit 12,95 Milliarden Euro bedacht.

  • Der etwa alle zehn Jahre

    aufgestellte Bundesverkehrswegeplan (BVWP) listet auf, welche Bauprojekte deutschlandweit am dringendsten sind – diesmal im Zeitraum bis 2030. Rund die Hälfte des Geldes fließt in Autobahnen und Bundesstraßen, weitere 41 Prozent entfallen auf Bahnstrecken, neun Prozent auf Flüsse und Kanäle. Ab Montag soll es auch eine Online-Bürgerbeteiligung zum BVWP geben.

Freudenstein sieht aber auch Stadt und Landkreis in der Pflicht. „Weil es unzureichende Nahverkehrswege gibt, weichen in Regensburg viele Leute auf die Autobahnen aus.“ Die Sinzinger Nahverkehrsbrücke oder die Kneitinger Brücke seien enorm wichtig, um die Verkehrsinfrastruktur anzupassen. „Wenn sich die Verantwortlichen vor Ort nicht einigen können, ist es nicht Aufgabe des Bundes, das aufzufangen.“

B16-Ausbau soll Verkehr entzerren

Landrätin Tanja Schweiger freut sich über den A3-Ausbau bis Rosenhof und das geplante dritte Bahn-Gleis bei Obertraubling. „Das tut uns sehr gut in der Region“, sagt sie. Sehr unerfreulich sei es aber, dass bei der A3 ansonsten nichts vorangehe. Auf den vierspurigen B16-Ausbau von Gallingkofen bis Haslbach setzt Schweiger große Hoffnungen. „Wenn die Stadt hier noch eine leichtgängigere Anbindung an die B16 schafft, wird die Strecke für Autofahrer sehr attraktiv. Der Verkehr im Norden würde entzerrt.“

Oberbürgermeister Joachim Wolbergs befindet sich am Donnerstag gerade auf dem Weg nach Moskau, um dort den Brückenpreis an Michail Gorbatschow zu übergeben, als ihn die Anfrage unserer Zeitung erreicht.Er wolle sich mit dem neuen BVWP erst noch einmal intensiv auseinandersetzen, bevor er eine Bewertung abgebe, sagt Wolbergs. Er werde in der kommenden Woche dazu Stellung beziehen.

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