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Bühne frei für Künstler

Eine Aktion mit der Mittelbayerischen: Ab 5. Mai geht jeden Tag ein Künstler-Video online. Die Stadt zahlt 500 Euro Honorar.
Von Marianne Sperb

Ausnahmestimme Markus Engelstädter bei einem Auftritt: Die Aktion „frei sein, und nicht allein“ bietet Künstlern eine Bühne.  Foto: Martin Olbrich
Ausnahmestimme Markus Engelstädter bei einem Auftritt: Die Aktion „frei sein, und nicht allein“ bietet Künstlern eine Bühne. Foto: Martin Olbrich

Regensburg.Für Künstler sind die Zeiten gerade schlecht. Das Veranstaltungsverbot trifft vor allem die freie Szene hart. Die Stadt will deshalb mit der Mittelbayerischen als Medienpartner Unterstützung bieten.

Die Idee: Künstler aus der freien Szene produzieren bis zu drei Minuten lange Videos, die auf großen Plattformen zu sehen sind. Die Stadt honoriert jeden eingestellten Clip mit 500 Euro. Inhalte und Sparten sind frei wählbar. „Die Künstler können tanzen, singen, lesen, schauspielern, musizieren, Platten auflegen, malen, zeichnen – oder auch einfach Einblick in ihren Alltag geben und erzählen, woran sie gerade arbeiten und was sie vorhaben“, veranschaulicht Kulturreferent Wolfgang Dersch. Die Videos, so ist es geplant, gehen gleichzeitig online: auf den Youtube-Kanälen von Stadt und Theater sowie bei www.mittelbayerische.de. Von 5. Mai bis 5. Juni öffnet sich täglich um elf Uhr die virtuelle Bühne für einen Künstler, so das Konzept. An Samstagen und Sonntagen soll es je zwei Videos geben. Zielgruppe sind anerkannte Künstler, die in die Künstlersozialkasse einzahlen und den Hauptwohnsitz in Regensburg haben. Das Kulturreferat stellt sicher, dass keine extremistischen oder pornografischen Inhalte verbreitet werden.

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„Wir können bis zu 80 Künstler honorieren“, sagt Dersch. Falls mehr Videos eingehen, entscheidet das Los, welche Beiträge gezeigt werden. Die Stadt wird – falls der Ferienausschuss zustimmt – 50 000 Euro bereitstellen. Die Summe stammt aus dem Künstler-Nothilfefonds, den die Stadt aufgelegt und mit 250 000 Euro gefüllt hatte.

„Gerade weil das öffentliche Kulturleben in seiner ganzen Vielfalt in ganz Bayern derzeit nicht stattfinden kann, soll das Projekt Künstlerinnen und Künstlern eine Plattform bieten, um sich und ihre Arbeit sichtbar zu machen“, so Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer. „Ich bin schon sehr gespannt auf die Beiträge und freue mich über dieses außergewöhnliche Format zu außergewöhnlichen Zeiten.“

Künstler proaktiv unterstützen

Bei Künstlern und Kulturschaffenden kommt die Idee gut an. Wigg L. Bäuml vom Vorstand des BBK begrüßt das Projekt, sagt aber auch: „Das ist in der aktuellen Lage für viele Künstler nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“ Sylke Merbold vom Bayerischen Jazz-Institut nennt die Aktion „eine nette Geste“, betont allerdings: „Wir müssen uns insgesamt überlegen, wie wir die freie Szene nachhaltig stützen können.“ Jazzmusiker Gerwin Eisenhauer unterstreicht: „Eine gute Idee!“ Solidarität mit Künstlern sei aktuell von außerordentlicher Bedeutung. Hintergrund des Projekts: Vom großen Unterstützer-Topf der Stadt können viele Künstler nicht profitieren. Das Hilfsangebot läuft wegen des sogenannten Subsidiaritätsprinzips ein Stück weit ins Leere.

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Kreative, die bei Bund oder Freistaat Notfallhilfen beantragt haben, können nicht auch von der Stadt Unterstützung beziehen. Und: Die Hilfskassen in Berlin und München decken Betriebskosten ab, die Künstler ohne Aufträge derzeit nicht mehr stemmen, also zum Beispiel die Miete fürs Atelier oder fürs Studio. Kosten für den persönlichen Bedarf – die Wohnungsmiete etwa – werden nicht erstattet. Dafür ist die Grundsicherung da, aber auch hier bestehen Hürden. Zahlungen werden nur an Bedürftige geleistet, das heißt: Wer noch Erspartes besitzt, eine Lebensversicherung, eine wertvolle Geige oder ein Keyboard, fällt durchs Raster. „Allerdings“, sagt Dersch, „wurde uns von den zuständigen Stellen in Regensburg signalisiert, dass die Anträge wohlwollend geprüft und Altersvorsorge nicht angetastet werden soll.“

Die Aktion

  • Geld:

    Die Stadt stellt 50 000 Euro aus dem Künstler-Notfallfonds zur Verfügung. Jeden Video-Beitrag, der ins Netz eingestellt wird, honoriert sie mit 500 Euro. Bis zu 80 Künstler können Honorar erhalten.

  • Zeit:

    Die Aktion „frei sein, und nicht allein“ soll von 5. Mai bis 5. Juni laufen. Täglich um elf Uhr heißt es dann auf den Webseiten von Stadt, Theater und Mittelbayerischer: Zeit für Kunst.

„Wir überlegten, wie wir Regensburger Künstler proaktiv unterstützen und auffangen können“, schildert der Kulturreferent. „Wir möchten, so weit es irgend möglich ist, dass die lebendige Regensburger Kulturszene und ihre Strukturen erhalten bleiben.“ Kleinere Aktionen sind bereits angelaufen. Das Kulturreferat hat zum Beispiel zehn Fotografen unter 40 Jahren beauftragt, die Corona-Krise in Bildern festzuhalten. Die Aktion „frei sein, und nicht allein“ ist ein nächster Schritt, Dersch: „Wir schauten uns in anderen Städten um. Uns gefiel eine Idee aus Heidelberg.“ Unter dem Titel „solo fantastico“ geben dort Theater, Kulturamt und Medienhaus Künstlern im Netz eine Bühne, gegen Honorar.

Der Kulturreferent sieht „frei sein, und nicht allein“ als Gewinn für alle Seiten. Künstler bekommen eine Bühne und Honorar, die Stadt einen Überblick über die freie Szene und Zuschauer Einblick in die Lage der Kreativen und ein paar Minuten Kunst.

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