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Nahverkehr

Bündnis fordert Vollgas beim ÖPNV

Eine Interessengemeinschaft will endlich eine Stadtbahn für das moderne Regensburg. Die Diskussion wird neu angestoßen.
Von Norbert Lösch, MZ

  • In schienengebundenen Triebwägen – hier die neueste Generation der Münchner Tram mit Fahrzeugen vom Typ Siemens Avenio – sieht das Bündnis die Zukunft des Nahverkehrs. Foto: www.siemens.com/presse
  • In Ulm verkehrt aktuell eine verlängerte Stadtbahn-Linie. Dazu wurde eine 4,6 Kilometer lange Strecke zweigleisig neu gebaut.Foto: Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm

Regensburg.Was haben der Fahrradclub, die Altstadtkaufleute, der Bund Naturschutz und das Universitätsklinikum gemeinsam? Sie sind vier eines insgesamt 19 Mitglieder umfassenden neuen „Bündnisses für einen hochwertigen ÖPNV im Raum Regensburg“. Die Interessengemeinschaft fordert einen Paradigmenwechsel in der Verkehrspolitik – im Klartext heißt das: „Eine leistungsfähige, umweltfreundliche Stadtbahn mit weitgehend eigener Trasse“. Und zwar nicht erst am Sankt-Nimmerleins-Tag: „Vom Stadtrat wird jetzt ein mutiges Bekenntnis zu einem zukunftsweisenden ÖPNV erwartet“, heißt es in einem Positionspapier.

Ziel ist eine „integrierte Strategie“

Zusammen mit einer deutlich besseren und vorrangigen Infrastruktur für Fußgänger und Radfahrer ist eine moderne Straßenbahn aus der Sicht der Bündnispartner das unverzichtbare Kernstück einer „integrierten verkehrsmittelübergreifenden Mobilitätsstrategie“. Weil diese derzeit nicht gerade die Nummer eins auf der politischen Agenda ist, wollen die Akteure die Diskussion neu anstoßen. Angesichts der Dynamik und Bedeutung der Domstadt sei es endlich an der Zeit, „auch beim ÖPNV einen ähnlich hohen Ranking-Wert wie in der Wirtschaft anzustreben“, meint Bündnis-Sprecher Walter Weber.

Der Architekt und Hochschulprofessor im Ruhestand koordiniert die Aktivitäten der neuen Interessengemeinschaft. Den letzten Anstoß zu deren Gründung habe die Themenwoche der MZ-Lokalredaktion zum Thema Verkehr Anfang dieses Jahres gegeben, sagte Weber im Gespräch mit unserer Zeitung. Damals hatte sich ein Drei-Linien-Modell als mögliches Zukunftskonzept für den Nahverkehr in Regensburg herauskristallisiert. „Das ist gut, sollte aber unserer Meinung nach nicht mit Oberleitungsbussen, sondern mit einer Stadtbahn realisiert werden“, sagt Weber. „Stadtbahnen haben eine ganz andere Akzeptanz als Busse. Ein solches System würde das Image der modernen Großstadt Regensburg enorm aufwerten.“

„Es wäre viel mehr ÖPNV möglich“

Vorrangig gehe es aber darum, den ÖPNV mittelfristig konkurrenzfähig zu machen und den Anteil des motorisierten Individualverkehrs deutlich zu reduzieren. „Die Erfahrung aus anderen Städten zeigt, dass Autofahrer durchaus zum Umsteigen bereit sind, wenn hochwertige Alternativen, wie schienengebundene Verkehrsmittel, angeboten werden“, heißt es im Positionspapier des Bündnisses. Es verweist auf Nachbarstädte wie Würzburg, Augsburg oder Ulm, wo Stadtbahnen beibehalten und weiterentwickelt wurden. „Dort werden bis zu 30 Prozent des innerstädtischen Personenverkehrs vom ÖPNV bedient, während die Regensburger Stadtbusse gerade einmal 13 Prozent leisten.“

Auch im Hinblick auf den Umweltschutz dürfe bei der Planung einer Stadtbahn keine weitere Zeit mehr verstreichen. „Bei gutem Willen und engagierter Herangehensweise kann die erste Linie von Süden nach Norden 2021 in Betrieb gehen“, nennt das Bündnis einen optimistischen Zeithorizont.

Vortragsreihe zum Thema ÖPNV

  • Drei Veranstaltungen geplant

    Die Initiative „Eine Stadtbahn für Regensburg“ startet unter Federführung des Evangelischen Bildungswerks, das ebenfalls Mitglied im Bündnis ist, eine Veranstaltungsreihe zum Thema. Dabei geht es vorrangig um Erfahrungen und Entwicklungen in anderen Städten. Die Vortragsreihe beginnt am 21. Oktober um 18.30 Uhr mit dem Thema „Straßenbahnlinie 2 in Ulm aufs Gleis gesetzt“. Referent ist Ralf Gummersbach, Abteilungsleiter Infrastruktur bei den Ulmer Verkehrsbetrieben.

  • Beispiele aus anderen Städten

    Eine Woche später, am 28. Oktober um 18.30 Uhr, geht es um die ebenfalls schon konkret geplante Stadt-Umland-Bahn Erlangen und die Frage, was dieses Nahverkehrssystem der Zukunft leisten kann. Aus Erlangen berichtet Dr. Christian Korda, Verkehrsplaner im dortigen Stadtplanungsamt. Die Stadt-Umland-Bahn im oberösterreichischen Gmunden ist ein weiteres Beispiel, wenn es am 4. November (18.30 Uhr) um das Thema „Ein höherwertiges öffentliches Verkehrsmittel für Regensburg“ geht. Zu Gast ist Helmut Koch vom Planungsbüro Komobile in Gmunden.

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