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Recht

Bürger gaben ihre Waffen im Rathaus ab

Ob legal oder illegal: 185 gefährliche Gegenstände nahmen Behörden in Regensburg entgegen – die Besitzer blieben straffrei.
Von Julia Ried

Die im Rahmen der Amnestie abgegebenen Waffen schickt das Rathaus an das Landeskriminalamt. Das zeigt besondere Waffen in seinem Museum, hier zeigt Kriminalhauptkommissar Ludwig Waldinger ein Gewehr. Foto: Sven Hoppe/dpa
Die im Rahmen der Amnestie abgegebenen Waffen schickt das Rathaus an das Landeskriminalamt. Das zeigt besondere Waffen in seinem Museum, hier zeigt Kriminalhauptkommissar Ludwig Waldinger ein Gewehr. Foto: Sven Hoppe/dpa

Regensburg.Mit solchen Geschichten hatten es das Ordnungsamt und die Polizeiinspektionen in den vergangenen Monaten regelmäßig zu tun: Ein Angehöriger stirbt und die Nachkommen finden im Nachlass auch Waffen. Kümmern Erben sich nicht innerhalb der Einmonatsfrist um eine Waffenbesitzkarte, besitzen sie das Erbstück unerlaubt. Vor allem für solche Fälle hatte das Bundesinnenministerium zwischen 6. Juli 2017 und 1. Juli 2018 eine elegante Lösung parat: Eigentümer von Waffen konnten diese straffrei abgeben. Zahlreiche Regensburger haben davon Gebrauch gemacht, wie jetzt klar ist: 185 Waffen nahmen die Verantwortlichen in den zuständigen Behörden der Stadt entgegen – die meisten wurden direkt ins Rathaus gebracht.

Ordnungsamtschef Dr. Patrick Veit sagt: „Wir haben insgesamt 169 übergebene Waffen.“ 41 davon hat er als illegal registriert, 128 als legal. Er erläutert: „Unter die Waffenamnestie sind alle Waffen nach dem Waffengesetz gefallen.“ Vor allem Schusswaffen landeten während der Amnestie-Zeit im Rathaus, aber auch Hieb- und Stoßwaffen.

Vom Messer bis zum Totschläger

Auch die Polizeiinspektion Regensburg-Süd hat 61 Waffen ins Rathaus geschickt. Sprecherin Tanja Nuß berichtet: „Es handelte sich hierbei um Jagdgewehre, Luftgewehre, Pistolen, Schreckschusspistolen, Totschläger, Messer – und auch ein Schlagstock war darunter.“

In der Polizeiinspektion Regensburg-Süd wurden 61 Waffen abgegeben. Foto: Ried
In der Polizeiinspektion Regensburg-Süd wurden 61 Waffen abgegeben. Foto: Ried

Deutlich weniger Waffenbesitzer vertrauten sich und ihre gefährlichen Stücke der Inspektion Regensburg-Nord an: Sechs Langwaffen – dazu zählen Gewehre – und zehn Kurzwaffen – das sind beispielsweise Pistolen oder Gewehre –registrierten die Beamten. „Die Waffen, die bei uns abgegeben wurden, stammen alle aus Nachlässen“, erzählt der Vizechef der Dienststelle, Ludwig Hastreiter. Ihre Geschichte reiche teilweise zurück bis in den Zweiten oder sogar Ersten Weltkrieg. Die Inspektion gab sie weiter ans Landratsamt.

Veit erzählt aus dem Rathaus: Hinter den Motiven, die Waffen loszuwerden, stehen unterschiedliche Geschichten. „Was immer wieder vorkommt: dass bei Räumungsarbeiten im großelterlichen Haus etwas gefunden wird.“ Das Ordnungsamt erfasst die Waffen, lagert sie ein und schickt sie zum Landeskriminalamt nach München. Wie der sichere Schrank, in dem Veit sie aufbewahrt, aussieht oder wo er steht, will er der Mittelbayerischen nicht verraten, geschweige denn zeigen.

Kugelschreiber zum Schießen

Fabian Puchelt, Sprecher des Landeskriminalamts (LKA), erklärt: „Wir sorgen dafür, dass nichts in den Wirtschaftskreislauf zurückgelangt.“ Die Waffen werden meist zerlegt und vernichtet – besonders wertvolle und solche mit großer historischer Bedeutung bleiben allerdings ebenso erhalten wie Kuriositäten. Sie werden entweder Teil der Lehrwaffensammlung oder des hauseigenen Museums. Unter den circa 7000 Waffen, die das LKA besitzt, sind Schieß-Kugelschreiber ebenso wie historische Pfeifen, die sich gleichermaßen zum Schießen eignen.

Vorrangiges Ziel der Amnestie war dem Bundesinnenministerium zufolge, die Menge „der zirkulierenden Waffen und Munition zu reduzieren“. In Regensburg gibt es derzeit nur zwei Personen, die eine scharfe Waffe führen dürfen, also in der Öffentlichkeit schussbereit mit sich tragen – so viele Waffenscheine hat das Ordnungsamt ausgegeben. Sportschützen und Jäger haben Waffenbesitzkarten, insgesamt 2343 sind dem Ordnungsamt zufolge derzeit in Regensburg gültig. Dass Schützen eine Schonfrist wie die kürzlich zu Ende gegangene nutzen, hält Gauschützenmeister Manfred Wimber für unwahrscheinlich. „Wenn jemand aufhört mit dem Schießsport, hat der verantwortliche Vorstand die Aufgabe, dass er das dem Landratsamt oder der Stadt meldet. Wir als Gau überprüfen das auch.“

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Wer besitzt eine Waffe legal?

  • Definition:

    Waffen im Sinne des Waffengesetzes sind Schusswaffen, „tragbare Gegenstände, die ihrem Wesen nach dazu bestimmt sind, die angriffs- oder Abwehrfähigkeit von Menschen zu beseitigen oder herabzusetzen, insbesondere Hieb- und Stoßwaffen“, sowie tragbare Gegenstände, die zwar nicht dazu bestimmt sind, aber dazu geeignet sind – und im Waffengesetz genannt sind, etwa bestimmte Messer.

  • Erlaubnis:

    Wer mit Waffen umgehen will, die unter diese Definition fallen, muss mindestens 18 sein und braucht eine Erlaubnis: eine Besitzkarte oder einen Waffenschein. Letztere benötigt, wer sie schussbereit bei sich tragen will – das wird nur Personen erlaubt, die eine „besondere Gefährdung“ nachweisen. Für das Führen von Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen ist der „Kleine Waffenschein“ erforderlich.

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