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Bühne

Bürgertheater plant neue Produktion

Die Premiere in Regensburg soll im Juni sein. Das Stück greift die Geschichte des Hotels „Goldenes Kreuz“ auf.
Von Martina Groh-Schad

Arm in einer reichen Stadt: 2015 rückte das Bürgertheater ein sozialkritisches Thema mit Regionalbezug in den Mittelpunkt. Foto: Karin Jakimyv
Arm in einer reichen Stadt: 2015 rückte das Bürgertheater ein sozialkritisches Thema mit Regionalbezug in den Mittelpunkt. Foto: Karin Jakimyv

Regensburg.Die Augen von Evelin Braun leuchten, wenn sie von den vergangenen Aufführungen des Regensburger Bürgertheaters spricht. Schon als Kind hat sich die heute 60-Jährige für Theaterspielen und Bühne interessiert. „Beruflich wäre das für mich nie in Frage gekommen“, erzählt die zweite stellvertretende Vorsitzende des Vereins. Zu unsicher seien die Berufsaussichten für Schauspieler. Umso mehr freue sie sich, dass sie nun seit einigen Jahren im Bürgertheater regelmäßig für verschiedene Produktionen als Laie auf der Bühne stehe. „Das macht großen Spaß.“ Gemeinsam mit rund 40 Aktiven im Alter von 15 bis 88 Jahren wartet sie schon gespannt auf den Beginn der Proben für das neue Stück. „Wir machen Kultur von Bürgern für Bürger“, resümiert sie.

Ihre Freundin Sieglinde Wenisch teilt ihre Bühnen-Leidenschaft: „Die Zeit der Proben ist immer spannend.“ Die Mitglieder des Laientheaters seien eine tolle Gemeinschaft. „Es sind so viele unterschiedliche Charaktere dabei, das macht es interessant.“ Gegründet wurde das Bürgertheater 2014. Die Stadt Regensburg suchte im Jahr zuvor per Zeitungsinserat Laienschauspieler, die an einem Stück anlässlich des 350. Jubiläums des Immerwährenden Reichstags mitwirken wollten. Das Stück war ein Erfolg und viele beteiligte Schauspieler wollten weitermachen. „Wir hatten so viel Spaß“, sagt Wenisch. „Das sollte weitergehen.“ Das Bürgertheater war geboren.

Lust am Spielen

53 Mitglieder hat der Verein aktuell. „Unsere Gruppe ist ein Abbild der Gesellschaft. Vom Geringverdiener über den Studenten bis hin zum Arzt ist alles in der Theatergruppe vertreten“, sagt Wenisch, die auch erste stellvertretende Vorsitzende des Vereins ist. Jeder, der Lust am Spielen habe sei willkommen. „Wir sind das einzige Bürgertheater Deutschlands, das nur Stücke mit regionalem Bezug auf die Bühne bringt“, betont Wenisch. „Unsere Themen haben immer historischen oder sozialkritischen Charakter.“

Das Regensburger Bürgertheater

  • Geschichte:

    Das Bürgertheater hat sich 2014 gegründet. Aktuell hat der Verein 53 Mitglieder von 15 bis 88 Jahren aus allen gesellschaftlichen Schichten. Von Anfang an kooperierte der Verein mit dem Theater Regensburg und stellt immer regionale Themen in den Mittelpunk. Nach 2015 und 2017 feiert das Bürgertheater in diesem Jahr am 13. Juni um 20 Uhr mit dem Stück „Hotelgeschichten im Goldenen Kreuz“ von Joseph Berlinger und Eva Sixt im Auktionshaus Keup Premiere.

  • Finanzierung:

    Der Verein wird von der Stadt sowie der Sparkasse Regensburg gefördert. Sie können die Arbeit der Aktiven unter der IBAN: DE85 7506 2026 0008 9606 90 bei der Raiffeisenbank Oberpfalz-Süd, Bürgertheater Regensburg e.V., unterstützen.

Am Anfang stehe die Suche nach einem spannenden Thema. In Arbeitsgruppen gehen die Vereinsmitglieder in Bibliotheken und recherchieren. „Dann treffen wir uns und entwickeln Ideen“, sagt Braun. „Es ist unser Markenzeichen, dass wir keine fertigen Stücke spielen. Wir entwickeln immer etwas Neues.“ Über die gefundenen Themen stimmen die Laienschauspieler ab und die beliebtesten Vorschläge gehen ans Theater Regensburg, das von Beginn an mit dem Bürgertheater kooperiert hat. „Wir werden vom Theater in allen Fragen unterstützt“, erklärt Wenisch. „Das ist eine Win-win-Situation für alle.“ Das Theater empfehle den Laienschauspielern auch einen Regisseur, der das Stück für das Bürgertheater schreibt.

Menschen

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Für das neue Stück konnten Joseph Berlinger und Eva Sixt gewonnen werden, die bereits die Aufführung vor zwei Jahren auf die Bühne gebracht haben. Zudem stehe das Theater rund um die Bühnen-Ausstattung, die Kostüme, die Maske, die Technik sowie bei der Werbung zur Seite und stelle einen Dramaturgen. „So sind wir sehr professionell aufgestellt.“ Im Gegenzug helfen die Laienspieler dem Stadttheater mit Statisten aus.

Alle zwei Jahre bringt das Bürgertheater eine neue Produktion auf die Bühne. 2017 begeisterten sie im Velodrom mit einem Stück über die Geschichte des Gründers der Spielstätte Simon Oberdorfer. Zwei Jahre davor widmeten sich die Darsteller dem Thema „Arm in einer reichen Stadt“, das im Hotel Maximilian gezeigt wurde. „Unsere Spielstätten stehen immer in Bezug zum Stück“, erklärt Wenisch. In diesem Jahr soll am 13. Juni um 20 Uhr die Premiere im Auktionshaus Keup über die Bühne gehen. Weitere Aufführungstermine sind der 14., der 15. und der 16. Juni jeweils um 20 Uhr.

Die Aktiven wollen die Geschichte des Hotels „Goldenes Kreuz“ aufrollen. Frühere Gäste wie die Kaiserin Sisi, Bayerns Märchenkönig Ludwig II. und Otto von Bismarck werden auf der Bühne zu neuem Leben erweckt. Aktuell sind die Regisseure Joseph Berlinger und Eva Sixt noch mit dem Schreiben des Stücks beschäftigt, doch schon bald sollen die Proben beginnen. „Wir freuen uns alle schon sehr“, betonen Wenisch und Braun.

Eine Herausforderung gilt es noch zu lösen: Während im Velodrom 500 Besucher Platz fanden, passen in die geplante Spielstätte nur 140 Besucher pro Vorstellung, was Einfluss auf die Höhe des Eintrittspreises nimmt. Denn das Bürgertheater hat zahlreiche Ausgaben, die es selbst bestreitet, wie die Arbeit der Regisseure, die Miete für die Spielstätte und die Kosten für die Werbung.

Förderer gesucht

Mit der Stadt und der Sparkasse Regensburg hat das Theater zwar zwei große Förderer ihrer Arbeit, doch es reicht nicht und die Theatergruppe ist auf weitere Spenden angewiesen. „Ein paar Unternehmer konnten wir schon gewinnen“, sagt Wenisch und hofft, dass es noch mehr werden, die die Gruppe unterstützen. Wichtig ist den Vereinsmitgliedern, dass der Eintrittspreis nicht zu hoch wird. „Als Theater von Bürgern für Bürger wollen wir, dass jeder unsere Vorstellung besuchen kann.“

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