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Bully Herbigs Ballon zieht ins Museum

Das Haus der Bayerischen Geschichte Regensburg hat während der Corona-Zeit umgebaut. Es gibt einen neuen Publikumsmagneten.
Von Isolde Stöcker-Gietl

Wiedereröffnung mit Ministerbesuch: Kunstminister Bernd Sibler und Direktor Richard Loibl vor der neuen Leihgabe aus dem Film „Ballon“. Foto: Moosburger/altrofoto.de
Wiedereröffnung mit Ministerbesuch: Kunstminister Bernd Sibler und Direktor Richard Loibl vor der neuen Leihgabe aus dem Film „Ballon“. Foto: Moosburger/altrofoto.de

Regensburg.Am 4. Juni feiert das Museum der Bayerischen Geschichte seinen ersten Geburtstag. Vermutlich hätte sich Direktor Dr. Richard Loibl mit einem Besucherrekord bei den Gästen bedanken können. Die halbe Million wäre auf jeden Fall voll geworden. Wenn, ja wenn alles so gelaufen wäre, wie es sich in den ersten Monaten abgezeichnet hatte. Doch dann kam Corona und das Haus am Donaumarkt sperrte zu. Für lange zwei Monate. Untätig waren die Verantwortlichen aber nicht.

Der empfindliche DDR-Stoff

Am Dienstag kam eigens Kunstminister Bernd Sibler nach Regensburg, um gemeinsam mit Direktor Loibl das Museum wieder zu eröffnen und gleich eine große Attraktion anzukündigen. Der Ballon aus Naila, eines der Highlights aus der Dauerausstellung, wird nun endlich aufsteigen. Denn Schauspieler und Regisseur Michael „Bully“ Herbig hat dem Museum die Requisite aus dem Film „Ballon“ überlassen, in dem er die Flucht zweier Familien aus der DDR im Jahr 1979 nacherzählte. Der Original-Ballon ist bereits seit der Eröffnung im Museum. Die 2500 Quadratmeter Stoff, die damals vernäht wurden, können allerdings nur in einer Vitrine präsentiert werden. Aus konservatorischen Gründen. Der billige DDR-Stoff sei sehr brüchig, so Loibl. Und mit seinen 28 Metern Höhe hätte das Fluggerät auch nicht in voller Pracht ins Museumsgebäude gepasst.

Für Staatsminister Sibler ist mit der Wiedereröffnung des Museums und der bevorstehenden Landesausstellung „Stadt befreit. Wittelsbacher Gründerstädte“ in Friedberg und Aichach, die am 9. Juni beginnt, ein wichtiger Meilenstein für das kulturelle Leben in Bayern nach der Corona-Krise geschaffen worden. „Kunst und Kultur brauchen Publikum – und das Publikum sehnt sich nach Kunst und Kultur! Gerade in schwierigen Zeiten wie diesen können uns Kunst und Kultur ein fester Anker sein“, sagt Sibler.

„Lieber so als gar nicht!“

Wie an allen öffentlichen Orten werden der Besuch des Museums und der Landesausstellung vorläufig mit strengen Sicherheits- und Hygieneauflagen verbunden sein. „Aber lieber so öffnen, als gar nicht öffnen“, sagt Sibler. So gilt Maskenpflicht und ein Mindestabstand von 1,5 Metern zu anderen Besuchern. Die Verantwortlichen rechnen im Museum trotz des erhöhten Aufwandes nicht mit längeren Warteschlangen. Denn aufgrund der Ausstellungsfläche dürfen bis sich bis zu 200 Personen gleichzeitig dort aufhalten. Und wenn der Besucherandrang doch einmal größer sein sollte, dann gibt es zur Zeitüberbrückung im Foyer in den kommenden Monaten die Fotoausstellung „Zeitlang – Erkundungen im unbekannten Bayern“ von den SZ-Redakteuren Sebastian Beck und Hans Kratzer zu sehen. Sie stellen die besonderen Seiten Bayerns abseits der Touristenpfade vor. Am ersten Öffnungstag seien bis zum Nachmittag rund 100 Besucher im Museum gewesen, verrät Loibl. Sibler ist optimistisch, dass sich das in den kommenden Tagen rasch ändern wird. „Das zeigen die Erfahrungen aus anderen Häusern.“

Das Corona-Konzept

  • Führungen:

    Ab dem 26. Mai finden die Führungen der Stadtmaus GmbH statt. Die Gruppen sind auf 15 Personen begrenzt. Erstmals gibt es von heute bis zunächst Samstag, 23. Mai, von 18 bis 18.30 Uhr Live-Führungen durchs Museum auf den Social Media Plattformen.

  • Wirtshaus.

    Das Wirtshaus mit Biergarten und Innenbetrief öffnet wieder am 26. Mai.

Zum ersten Geburtstag wird auch die Dauerausstellung in Teilen erneuert. So gibt es jetzt einen Dialekttest für Preußen und einen neuen Film im Kulturkabinett, der sich dem Wintersport in Bayern widmet. Zu den Protagonisten gehören Rosi Mittermeier, Christian Neureuther und Alois Schloderer.

Die Ausstellung zum Nationalsozialismus widmet sich den im Dritten Reich verfolgten Künstlern in Bayern. Und die Oberpfälzer werden noch mehr über die Proteste gegen die Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf in den 1980er Jahren erfahren. Aus dieser Zeit erhalte das Museum noch immer neue Leihgaben, berichtet Loibl.

Im Herbst eröffnet Bavariathek

Während der Filmballon seinen Platz bereits bezogen hat, werden die weiteren Ausstellungsstücke und Installationen in den kommenden Tagen platziert. Die Besucher lädt Loibl ein, sich den Aufbau anzuschauen. Auch für die Ausstellung „Tempo, Tempo – 1920er in Bayern“ laufen die Vorbereitungen. Die Schau wird von 26. September bis 7. Februar 2021 zu sehen sein. Ebenfalls im Herbst werden Bavariathek und medienpädagogisches Schulungszentrum öffnen. Ursprünglich sollte die Bavariathek bereits mit dem Museum zugänglich werden. Doch nach dem verheerenden Brand war der Zeitplan nicht einzuhalten. Aber nun sind auch dort die Arbeiten vor dem Abschluss.

Museum

Franken haben Angst um ihren Ballon

Der Heißluftballon, mit dem zwei Familien aus der DDR geflüchtet waren, soll in Regensburg gezeigt werden. In Naila bangt man um eine Attraktion.

Auch im Museum selbst wurden die Wochen der Schließung genutzt, um Baumängel abzustellen und die Passivhaus-Technik zu optimieren, wie Karl Stock vom Staatlichen Bauamt erläutert. Der Himmel der Bayern bekam durch eine Überprüfungsmaßnahme der Herstellerfirma einen Sprung. Bis zum ersten Geburtstag soll die Scheibe erneuert und der Blick wieder baugerüstfrei sein.

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