MyMz
Anzeige

Kunst

Bunte Kunst am Tor zu Regensburg

Das Bahnhofsumfeld soll schöner werden – auch während des Umbaus. Ein Street-Art-Projekt begleitet die ersten Maßnahmen.
Von Sandra Adler

Links geradlinige Vision, rechts urbanes Chaos: Sigurd Roscher vor seinem noch nicht vollendeten Street-Art-Werk am Bahnhof Foto: Sandra Adler
Links geradlinige Vision, rechts urbanes Chaos: Sigurd Roscher vor seinem noch nicht vollendeten Street-Art-Werk am Bahnhof Foto: Sandra Adler

Regensburg.Seit Donnerstag arbeiten Sigurd Roscher und Emanuel Jesse an ihren Holzwänden. Eine davon steht im Parkstück in der Nähe der Peterskirche, die andere am südlichen Abschnitt der Maximilianstraße. Die beiden Künstler gewannen eine Ausschreibung der Stadt Regensburg mit dem Ziel der Aufwertung des Bahnhofsvorfeldes.

„Wir haben die Erfahrung gemacht, dass durch die Kunst Straßen und Plätze eine ganz neue Qualität bekommen können“, erklärte Kulturreferent Klemens Unger.

Mehr als Graffiti

Emanuel Jesse und die künstlerische Assistentin Nicola Sommer beim Aufhängen der „Outdoor-Galerie“ Foto: Sandra Adler
Emanuel Jesse und die künstlerische Assistentin Nicola Sommer beim Aufhängen der „Outdoor-Galerie“ Foto: Sandra Adler

Die beiden Wände haben aber auch einen praktischen Nutzen: Sie schirmen die ersten Arbeiten für die Umgestaltung des Areals zwischen Bahnhof und Altstadt ab. Ab 10. September wird dort mit archäologischen Untersuchungen begonnen. Sie dienen in erster Linie der genauen Ortung des mittelalterlichen jüdischen Friedhofs und damit der Sondierung eines möglichen Baugrunds für eine Tiefgarage.

Im Moment befinden sich dort jedoch ein Atelier und eine Galerie. Letztere gestaltet Emanuel Jesse als eine Art „erweitertes Wohnzimmer“. An dessen pastell gemusterte Wände hängt er Kunstwerke verschiedener Künstler. Sie stammen aus dem Iran und Donau-Anrainer-Ländern wie Ungarn, Rumänien, der Slowakei, Österreich oder Deutschland. „Der Bahnhof ist auch ein bisschen Tor zur Stadt, hier kommen alle zusammen.“

Sein Kunstwerk dient auch als Werbung für die „Danubiart“. Auf der Ausstellung im Salzstadel sind nämlich die gleichen Künstler zu sehen. An deren Organisation sind sowohl Jesse als auch Roscher beteiligt. Am Startwochenende der Ausstellung werden jedes Jahr gleichzeitig die Betonleinwände der „24h-Galerie“ hinter dem Dultplatz gestaltet.

„Man ist dem Publikum sofort ausgeliefert und bekommt direktes Feedback, ob man will oder nicht.“

Sigurd Roscher, Künstler

Beide Künstler kamen durch das Graffiti-Sprühen zum Malen, haben sich aber durch ihr Grafikdesign-Studium und ihre Weiterentwicklung zusehends von diesen Wurzeln entfernt. „Ich liebe die Sprühdose, das Gefühl, wie die Farbe da durch geht. Das ist wunderschön, aber das ist kein Graffiti mehr“, erklärt Sigurd Roscher. „Es ist nur ein schönes Instrument, zu malen.“ Dieses nutzt er auch für sein Projekt am Bahnhof, eine dreiteilige Collage, die urbanes Chaos und gerade Linien über Porträts von Kulturschaffenden verbindet. Den Aspekt der Öffentlichkeit bei diesem Street-Art-Projekt schätzt er besonders: „Man ist dem Publikum sofort ausgeliefert und bekommt direktes Feedback, ob man will oder nicht.“ Die verbalen Reaktionen verarbeitet Roscher auch schon mal direkt in seinem Werk, was wiederum die zitierten Passanten irritiert.

Aufwertung durch Kunst

„Ich finde es auch spannend, wenn es temporär da ist und nicht für die Ewigkeit“, ergänzt Emanuel Jesse. „Im öffentlichen Raum ist es auch allen öffentlichen Gefahren ausgesetzt, möglichen Sachbeschädigungen oder der Witterung.“ Außerdem findet er die Aufwertung des öffentlichen Raums spannend. „Und der Bahnhof verträgt durchaus Aufwertung.“

Die bevorstehenden Baumaßnahmen werden der langfristigen Verschönerung des Areals dienen. Der Bahnhofsvorplatz etwa soll durch eine Tiefgarage autofreie Zone werden. Es ist ein Großprojekt, das die Regensburger über einen längeren Zeitraum begleiten wird. Tobias Ruf vom Planungs- und Baureferat der Stadt begrüßt daher das Street-Art-Projekt: „Nachdem wir hier die nächsten zehn bis fünfzehn Jahre Baustellen haben werden, wollen wir auf jeden Fall jede Baustelle künstlerisch begleiten, damit auch die Baustellen aufgehübscht werden.“

Weitere Nachrichten und Berichte aus Regensburg lesen Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht