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Konzert

Bushido ruft Kritiker auf den Plan

In den Songs des umstrittenen Rappers geht es um Drogendeals und Gewalt. Sein Konzert in Obertraubling sorgt Eltern und Jugendverbände.
Von Erika Neufeld, MZ

Am Donnerstag gibt der Rapper Bushido ein Konzert in der Eventhall Airport in Obertraubling. Foto: dpa/Archiv

Regensburg.Dass der umstrittene Rapper Bushido am Donnerstag in der Obertraublinger Eventhall Airport auftritt, sorgt nicht nur Eltern von heranwachsenden Kindern und Jugendlichen. Auch Mitarbeiter einiger Regensburger Jugendverbände stehen der Veranstaltung kritisch gegenüber.

„Wer sich gewaltverherrlichende Musik anhört, entwickelt oftmals selbst großes Gewaltpotenzial“, äußert Fränze Marzahn, zweite Vorsitzende des CVJM Regensburg, ihre Bedenken. Der Christliche Verein Junger Menschen ist mit über 45 Millionen Mitgliedern die weltweit größte Jugendorganisation.

Jugendliche leicht beeinflussbar

„Fans kennen die meisten Songtexte ihrer Stars auswendig und singen sie mit“, erklärt sie. Das wirke sich auf die Jugendlichen aus – bewusst oder auch unbewusst – und könne sich vor allem in brenzligen Konfliktsituationen bemerkbar machen. Auch die Jugendbildungsreferentin der Kolping Jugend, Katrin Madl, sieht die Gefahren, die von gewaltverherrlichenden und fremdenfeindlichen Songtexten ausgehen. „Die Jugendlichen sind in diesem Alter leicht beeinflussbar“, so Madl. Oftmals hörten die Jugendlichen die Musik, weil sie hip und cool sei – „doch die problematischen Texte reflektieren sie selten“, glaubt sie.

Die Jugendbildungsreferentin Katrin Madl, aber auch Fränze Marzahn vom CVJM hoffen, dass keiner ihrer „Schützlinge“ das Konzert in Obertraubling besuchen wird – doch verbieten können und wollen sie es ihnen nicht. „Allerdings würde ich es meinen eigenen Kindern nicht erlauben!“, sagt Marzahn mit Nachdruck. Die Veranstalter des Bushido-Konzerts wissen um das Unverständnis und die öffentlichen Diskussionen, die ihre Veranstaltungen teilweise auslösen – etwa auch bei der Rockband „Frei.Wild“. „Wir stellen uns unseren Kritikern“, erklärt Marcel Backhaus der Mittelbayerischen Zeitung am Freitag. Was er selbst über die Texte und die Person des Rappers Bushido denke, dazu wolle er keine Wertung abgeben. „Mit unserer Eventhall Airport wollen wir eine unabhängige, wertfreie Plattform für ein sehr breites Spektrum an Künstlern anbieten“, erklärt Backhaus. Er erklärt, nur so könne der Region und den Besuchern der Eventhall eine bestmögliche Auswahl an Erlebnissen geboten werden. Und das werde auch in Zukunft ihr Anliegen bleiben. „Es werden daher auch weiterhin gelegentlich Events mit polarisierenden Künstlern oder Inhalten stattfinden“, kündigt Marcel Backhaus an.

Fränze Marzahn vom CVJM weist auf den Einfluss von Musik auf Heranwachsende und Jugendliche hin. „Wenn wir Veranstaltungen organisieren, achten wir deshalb darauf, nur ausgewählte Musik zu spielen“, erklärt die Vorsitzende.

Provokation keine Plattform geben

Wenn Katrin Madl oder ihre Mitarbeiter der Kolping-Jugend bei Jugendlichen Tendenzen zu gewaltverherrlichender Musik wahrnehmen, greifen sie es auf. „Wir diskutieren auch schon mal solche Songtexte in der Gruppe“, erzählt die Jugendreferentin. Was sie beunruhigt: Die Jugendlichen hören nicht nur die Musik, sondern sehen sich dazu auch die Musikvideos an – und oftmals machten gerade diese Fremden- und Frauenfeindlichkeit im besonders hohen Maße sichtbar.

Während sich der Kreisjugendring nicht öffentlich dazu äußern wollte, sieht es der Stadtjugendring kritisch. „Bushido versteht es, mit seinen Songs zu provozieren und dadurch Aufmerksamkeit zu erzeugen“, sagt Vorsitzender Philipp Seitz. Gewaltverherrlichender Musik dürfe aber keine Plattform gegeben werden.

Drogen, Sex und Diskriminierung

Auf der Homepage jugendschutz.net werden vier Problemfelder im Bereich deutscher Rapmusik behandelt: Gewaltverharmlosung bzw. Verrohung, sexualisierte, teilweise sexistische Sprache, positive Darstellung von Drogenhandel und -konsum, diskriminierende Aussagen gegenüber Minderheiten wie Homosexuellen, Behinderten oder auch ethnischen Gruppen.

Die Songtexte des neuen Bushido-Albums stehen dem Jugendschutz konträr gegenüber und fallen in viele der aufgezeigten Problemfelder. Einige Auszüge aus den neuesten Songs machen die Problematik sichtbar: „Ich bring die Drogen höchstpersönlich auf die Pausenhöfe, ich hab nichts übrig für dein Doubletime, du Busta Rhymes, ich bin dieser Messerstecher Rapper mit dem Butterfly, ich hab immer was dabei, ob Koka oder Crackrocks, ich verteil Headshots an Ökoboys mit Dreadlocks, (...)“ „Es ist 2014, Pöbeleien via Twitter, du schwuler Spast singst immer noch Cry me a river“; „Sonny Black, der Ruler, und dein Vater ist ein Schwuler. Ich häng in den Straßen ab und ticke weißes Puder. Yeah, meine Läufer transportieren meinen Stoff in den Mopeds, Übergabe: Ovest, Schlüterstraße. Ich vertick an reiche Russen Millionärstöchter, liefer Junkies Heroin in ihre Erdlöcher.“

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