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Musik

Cantemus: Die Kinder denken absolut frei

Der Cantemus-Chor Regensburg singt sein drittes Musical. Die MZ sprach mit Regisseurin Neuberger und Bühnenbildner Schwark.

  • Pfiffig und sehr mutig: Huckleberry Finn (Wolf Reiter ) und Tom Sawyer (Simon Torscht) Foto: Melanie Flemme
  • Regisseurin Neuberger und Bühnenbildner Schwark.

Regensburg.Nach „Emil und die Detektive“ und „Brundibár“ bereiten Christine Neuberger (Regie) und Andreas Schwark (Bühne/Kostüm) gerade ihr drittes Cantemus-Projekt vor: „Tom Sawyer und Huckleberry Finn“ – Mark Twain trifft auf Kurt Weill. Premiere wird am 28. Februar im Velodrom sein. Britta Schönhütl hat Neuberger und Schwark über Träume und das Kindsein interviewt.

Was ist das Besondere an Mark Twains „Tom Sawyer“?

Christine Neuberger: Es ist das ideale Abenteuer. Ich glaube, Mark Twain trifft hier einen Nerv. Diese Amerika-Utopie wird bei Tom Sawyer total ausgelebt: Freiheit ohne Ende. Und dass man bestimmte Dinge erst durch Erfahrung lernen muss. Tom und Huck trauen sich viel zu, sind mutig und probieren sich aus. Das fasziniert auch die Kinder.

Andreas Schwark: Es ist ein absolut generationenübergreifender Stoff, den man schon von seinen Eltern erzählt bekommt.

Neuberger: Außerdem ist Tom Sawyer meine 20. Inszenierung, was mich persönlich total freut. Man fängt sofort an, sich wegzuträumen. Ein erlaubtes Wegträumen quasi, das die Musical-Vorbereitungen umso schöner macht.

Wie schaffen Sie es, den ganzen Chor einzubinden?

Neuberger: Wir mussten etwas kürzen und haben uns dann noch ein paar Besonderheiten überlegt. Zum Beispiel tauchen bei uns ein Gospel-Chor, die Daltons oder die Saloon-Ladys auf. Denn wichtig ist, dass jedes Kind eine Aufgabe hat und sich identifizieren kann, nicht nur graue Masse ist.

Wie empfinden Sie die Aufgabe, mit so vielen und auch kleinen Kindern zu arbeiten?

Schwark: Generell sind Kinder über den ganzen Zeitraum einer Probe hinweg unkonzentrierter, aber wenn sie sich konzentrieren – das ist immer wieder so faszinierend –, dann sind sie wahnsinnig konzentriert, merken sich alles blitzschnell und verbessern uns dann auch: Das ist das Tolle, dieses absolut freie Denken!

Neuberger: Man muss sich eher noch mehr vorbereiten als für ein Projekt mit erwachsenen Schauspielern: Kinder sind viel schneller, denken viel logischer, lassen sich schnell anstacheln und begeistern. Bei Erwachsenen spürt man im ersten Moment oft Widerstand und Skepsis.

Sind die kleinen Schauspieler nach der Vorstellung sehr erleichtert?

Schwark: Auch dieses sentimentale Tamtam nach einer Vorstellung interessiert die Kinder überhaupt nicht. Da erschrickt man erst einmal, aber für sie ist das ein bisschen wie am Fließband: Die Premiere ist vorbei, sie wollen nach Hause und ihre Ruhe – und am nächsten Tag ist die nächste Vorstellung.

Neuberger: Es ist eben auch okay, wenn es wieder vorbei ist. Die Kinder arbeiten auf ein Ziel hin, dann ist das geschafft und es geht weiter für sie.

Wie ist die Stimmung im Chor?

Neuberger: Cantemus ist ein Fall für sich: Wir zwei denken uns oft, wir wären auch gerne Kind und Teil des Chores. Ich habe so etwas nicht erlebt. Eine Gruppe, die gemeinsam auf ein Ziel hinarbeitet, von Jung bis Alt. Es geht dem Einzelnen nicht darum, zu gewinnen.

Das Miteinander der Generationen, von Groß und Klein, scheint zu gelingen.

Schwark: Alle Generationen helfen sich gegenseitig, das gibt es eigentlich nirgends. Eine große Lebensschule.

Ihre Begeisterung steckt an.

Neuberger: Ja, Cantemus ist wie eine gelebte Utopie.

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