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Musik

Cantemus-Kinder rockig wild

Vor dem stillen Advent wurde es bei Cantemus noch einmal richtig laut. Die Kinder rockten die Alte Mälzerei in Regensburg.
Von Wolfgang Spornraft

Eng wurde es auf der Bühne in der Alten Mälzerei, wenn alle am Konzert mitwirkenden Kinder des Cantemus-Chores zusammen auftraten. Foto: altrofoto.de
Eng wurde es auf der Bühne in der Alten Mälzerei, wenn alle am Konzert mitwirkenden Kinder des Cantemus-Chores zusammen auftraten. Foto: altrofoto.de

Regensburg.Zum ersten Advent schaltet die Stadt einen Gang herunter bei Christkindlmarkt-Glühwein und besinnlichen Klängen unter gedimmter Festbeleuchtung. Den Samstag vor Anbruch der staden Zeit nutzte die Jugend des Cantemus-Chors aber, um beim kaum weniger traditionellen Rock-Konzert „Jetzt sind wir dran“ noch einmal mächtig Druck zu machen.

Mit ihrer Hausband Piu Piu unter Ulli Forster traten die jungen Stars, die in der Schule in die vierte bis siebte Klasse gehen, ins Scheinwerferlicht auf der Bühne der Alten Mälzerei. Aus den Boxen wummerte alles, was eine jugendliche Playlist hergibt. Ed Sheeran und Sido natürlich, aber auch die „99 Luftballons“ von Nena klangen erstaunlich frisch.

Cantemus-Kinder tanzten und moderierten selbst

Keine Frage, die Kinder hatten riesig Spaß an ihrer Musik. Stolz präsentierten sie, was Annika Fischer und Uli Groeben mit ihnen seit Oktober erarbeitet haben. Inclusive Anmoderation zwischen den Songs und einfallsreicher Choreographie der Gruppen setzten die Interpreten alles selbst in Szene.

Rückblick

25 Jahre Versuch, Irrtum und Erfolge

Musicals, Chor- und Rockkonzerte – das heutige Cantemus-Repertoire ist das Ergebnis zahlreicher Experimente der Regensburger.

Im Publikum gab es natürlich auch viele Mamas und Papas. Die knipsten fleißig mit dem Handy – das kleinere Geschwister auf dem Arm, während der oder die Große den ganz großen Auftritt hinlegte. Familientechnisch war das dann eine perfekte Gelegenheit. Denn im Alltagstrott ist es ja gewöhnlich der Nestling, dem das Gros an Aufmerksamkeit zufließt.

Chorleiter Schlier hörte Songs zum ersten Mal

„Jetzt bin ich hier und schau es mir an“, sagt auch Chorleiter Matthias Schlier, der bis letzte Woche noch mit dem „Elias“ in St. Emmeran beschäftigt war. Er höre die Songs selbst zum ersten Mal. Für ihn sei es immer spannend, was das Rampenlicht mit den Kindern macht: „Die haben durch dieses Konzert einen wahnsinnigen Schub.“ Ganz neue Seiten lerne er bei den Sängerinnen und Sängern kennen. Das helfe ihm dann bei der Arbeit, etwa zum nächsten Musical das Material „passgenau“ auf die Interpreten zuzuschneiden.

Fabian Schmidt und Max Zeller (v.l.) standen am Samstag am Regiepult. Foto: Spornraft
Fabian Schmidt und Max Zeller (v.l.) standen am Samstag am Regiepult. Foto: Spornraft

Die Vorbereitung zum Rockkonzert fand komplett außerhalb der Chorproben statt. „Das ist viel legerer.“ Gezwungen wurde niemand, aber das ist nach Schlier kein Problem: „Meistens haben die Kinder viel zu viele Ideen.“ Diese Ideen galt es für Fischer und Groeben zu kanalisieren und anhand der Interessen die einzelnen Gruppen von fünf bis neun Kindern zusammenzustellen. So kamen sich Sängerinnen und Sänger quer über die verschiedenen Ortsgruppen des Chores bei der Arbeit an ihrem jeweiligen Song nahe.

Piu Piu unterstützten Chor tatkräftig

Als einzige Profis des Konzerts legten die Mitglieder von Piu Piu ordentlich beat hinter die Sänger. Die Sets in ihrem schnellen Wechsel seien auch für Berufsmusiker „nicht ganz einfach“, weiß Schlier. Und er weiß auch, was er an Piu Piu hat. Wie so viele Unterstützer, ohne die dieser Chor nicht das wäre, was er ist, leisten sie tatkräftig und mit viel Liebe ihren Beitrag.

Engagement hinter der Bühne

  • Service:

    Die Mamas sorgten für eine gute Frisur und, dass die Basecap cool auf dem Scheitel sitzt – ganz weit hinten. Die Jungstars wollten nach Martinsumzug und vor der Weihnachtsfeier vom Papa auch noch in die Alte Mälzerei chauffiert und beblitzlichtet werden. Die Organisatoren Annika Fischer und Uli Groeben investierten viel Zeit, um aus tausend tollen Kinderideen ein Konzert zu formen. Die Band richtete die Stücke passgenau auf die Interpreten ein.

  • Engagement:

    Jeder wie er es kann, jeder auf seine Weise trug dazu bei, dass das Konzert gelang. Engagement nennt man das. Der Cantemus-Chor ist so lebendig, so eine Freude für Sänger wie Publikum, weil immer eine Hand, die zupackt, da ist, wo sie gebraucht wird. Dass das funktioniert, konnte man am Samstag sehen.

Das trug am Samstag Früchte: Bei „A Million Dreams“ von Pink schmachteten die Teenager formvollendet im kollegialen Wechsel von Front und Background. Wie bei allen Darbietungen des Tages versteckte sich keine in Gemurmel. Klar und selbstbewusst sangen sie in das Mikro.

Musik

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Neben den Chor-Hoodies mit dem in Regensburg allseits bekannten Kreis-Emblem auf dem Rücken hatten sich viele Truppen große Mühe gegeben, dass das Outfit zum Song passt. Zum französisierenden „Je ne parle pas français“ von Namika gab es Baskenmütze und einen kleinen Eiffelturm am Stöckchen. Zum Must-hear-Hit 2019, „Old Town Road“ von Lil Nas X, trugen die Buben Lederjacke und die Mädchen ein Cowboy-Kopftuch.

„Kompliment„ von Sportfreunde Stiller fürs Publikum

Der „Hardcore-Stress“ habe sich gelohnt, sagte Fischer glücklich zum Abschluss und dankte den Interpreten für ihren Einsatz. Und jetzt? „Habt ihr noch Bock?“ Das dröhnende Ja! brauchte kein Mikro. Mit William Pharrells „Happy“ gaben alle Beteiligten diesem Statement gebührend Nachdruck. Und mit den Sportfreunden Stiller machten die jungen Musiker ihrem Publikum noch ganz zum Schluss beat-und-gitarrenriff-rockig „ein Kompliment“. Bevor es in Regensburg nun christlich besinnlich wird, durften die Kinder dazu noch einmal mit den Fingern die Pommesgabel des Teufels in die Höhe strecken.

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