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Jubiläum

Cantemus: lebendige 25 Jahre

Der Regensburger Chor stellte seine Geschichte vor. Aus dem geplanten Magazin ist schließlich ein Buch geworden.
Von Gabi Hueber-Lutz

Die Musik des Cantemus-Chors durfte bei der Buchpräsentation zum 25. Jubiläum natürlich nicht fehlen. Fotos: Hueber-Lutz
Die Musik des Cantemus-Chors durfte bei der Buchpräsentation zum 25. Jubiläum natürlich nicht fehlen. Fotos: Hueber-Lutz

Regensburg.Die Begeisterung war spürbar – bei denen, die auf der Bühne standen, bei denen, die ihnen zuklatschten, und bei denen, die mit ihren Reden lebhafte Einblicke in 25 Jahre Cantemus-Chor gaben. Im Chorsaal des Hauses der Musik am Bismarckplatz prickelte die Luft förmlich vor guter Laune. Eine Stunde lang gab es im Wechsel Highlights aus der Swing-Revue und launige Ansprachen.

Der Musik gebührte der Anfang. Großes Jauchzen als die ersten Sänger auf die Bühne traten und mit „Puttin’ on the Ritz“ die Goldenen 20er wieder aufleben ließen. Davor formierten sich Tanzpaare, und der ganze Raum gab sich den swingenden jungen Leuten hin.

Der Rohbau steht

Dazu passte das Resümee, das Chorleiter Matthias Schlier im Rückblick auf die 25-jährige Geschichte des Chors zog: „So, jetzt können wir anfangen!“ Das Cantemus-Gebäude verglich er mit einem Rohbau, gerade feiere man Richtfest. Jahr für Jahr trügen die jungen Leute immer wieder so viel Entdeckergeist in den Chor. „Damit halten sie uns auf Trab!“

„Das ist einmalig in Deutschland!“

Gertrud Maltz-Schwarzfischer, Bürgermeisterin

Dass es noch viele, viele Jahre werden können, daran zweifelte niemand. Erst recht nicht, als Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer von den guten Bedingungen für Musikunterricht in der Grundschule sprach: Die Grundausbildung in den Singklassen, den Flötenklassen und den Trommelklassen ist in den ersten vier Grundschuljahren kostenfrei. „Das ist einmalig in Deutschland“, betonte die Bürgermeisterin. Sie blickte ein wenig zurück. Heute habe der Chor im Haus der Musik eine schöne, sichtbare Heimat gefunden. Als vor 25 Jahren versucht wurde, einen stadtübergreifenden Kinderchor ins Leben zu rufen, hat er in eher beengten Verhältnissen in der Kreuzgasse begonnen. Schlier wollte damals die vorhandenen Strukturen in einen großen Kinderchor zusammenfassen.

Das sagen Fans und Sänger über Cantemus

  • Lorenz Hauser:

    „Der Cantemus Chor ist seit sieben Jahren Teil meines Lebens“, sagt der 15-Jährige. Freundschaften hat er auch mehrere geschlossen. Tiefpunkte gab’s, aber die gingen vorüber, und es ist immer wieder toll, auf der Bühne zu stehen.

  • Amelie (11):

    Sie ist seit der dritten Klasse im Cantemus-Chor. „Ich finde es einfach schön, dass wir so viel singen und auch das Schauspielern macht mir Spaß.“ Am liebsten singt sie das Lied von der Kuh, die ins Kino will. Und das Rockkonzert hat Riesen- Spaß gemacht hat.

  • Madeleine Kamper:

    „Etwas ganz Wunderbares ist die Mischung aus dem hohen Niveau, das der Chor bietet, und der Begeisterung, die er in den Kindern weckt.“ Soziale Strukturen lebe der Chor auf einzigartige Weise. Zwei Kinder hat sie im Chor.

  • Jörg Augustin:

    Ihn beeindruckt die Gemeinschaft, die beim Cantemus- Chor gelebt wird. „Das ist neben der musikalischen Bildung das Wichtigste an diesem Chor“, sagt er. Nun ist noch eine seiner Töchter im Chor. Bei Aufführungen ist die ganze Großfamilie mit dabei.

Heute habe sich das zu einem zukunftsweisenden Konzept an den Grundschulen entwickelt. Auch hier habe Regensburg wieder eine besondere Rolle, da der Musikunterricht Teil des Klassenunterrichts sei. Der Cantemus-Chor habe aber mehr zu bieten als nur Sing- und Musikunterricht. Er unternehme auch tolle Fahrten. Der Chor begleite die Menschen bis ins Erwachsenenleben. „Das ist ein Chor, der bindet.“ Er leiste Erziehung mit Musik. Dafür bedankte sie sich bei Matthias Schlier ebenso wie bei Wolfgang Graef-Fograscher, der die Sing- und Musikschule leitet. Auch der blickte zurück.

Es sei durchaus ein Wagnis gewesen, den Cantemus-Chor zu gründen. Es habe sich die Frage gestellt, ob es möglich ist, neben den Domspatzen einen stadtübergreifenden Kinderchor ins Leben zu rufen und zu erhalten. Es bleibe auch weiterhin eine Herausforderung, die Balance zwischen den Einnahmen und den Ausgaben zu finden. „Danke für dein Herzblut“, sagte er an Matthias Schlier gewandt. Sämtliche Redner betonten das außerordentliche Engagement des Chorleiters. Passend dazu ging der Ball vom Rednerpult wieder auf die andere Seite des Raums, hinüber zur Bühne, auf der die Früchte von Schliers Arbeit ganz unmittelbar zu hören waren. Viel Herzblut auch hier. Und sehr viel Können.

Die jungen Künstler stahlen mit ihren Darbietungen fast dem eigentlichen Star die Schau: dem Magazin, das der Förderverein in Auftrag gegeben hatte. Schließlich bekam aber auch das seinen großen Auftritt. Wirkungsvoll in Szene gesetzt von Britta Schönhütl und Gerhard W. H. Schmidt-Schönenberg. Sie hatten jede Menge Zahlen dabei. Eigentlich sind Zahlen ja oft eine langweilige Angelegenheit. Nicht so bei dieser Präsentation.

„Die jungen Menschen der Cantemus-Familie gehen auf in der Musik.“

Peter Esser, MZ-Verleger

Die Journalistin und der Kommunikationsdesigner nahmen das Publikum mit in die Entstehungsgeschichte des Magazins, das den neugierig machenden Titel trägt „Kann man Licht eigentlich trinken?“ Die Antwort gab es an diesem Tag nicht, sie ist wohl den Lesern des Werks vorbehalten. Los ging die kurzweilige Präsentation mit kleinen Zahlen: 28 Seiten waren geplant und eine Festplatte voll Ausgangsmaterial über die letzten 25 Jahre des Chors gab es. Dann wurde es heftig: 56 178 Fotos waren auf dieser Festplatte. Steffi Neppl war die Glückliche, die sie sichten durfte. 520 Bilder schafften es in das Werk. 15 723 Wörter enthält es, alle sind sie von Britta Schönhütl.

E-Mail-Account gesperrt

Ach ja: Chorleiter Matthias Schlier wurde ob der ausufernden Korrespondenz der E-Mail-Account gesperrt. 127 Mails produzierte Schlier an einem exemplarischen Tag. Die Akteure ließen sich von der Sperrung nicht schrecken und machten einfach mit einer neuen Mail-Adresse weiter, bevorzugt nachts. Über 300 Arbeitsstunden kamen zusammen, aus den geplanten 28 Seiten wurden 208, aus dem Magazin ein Buch. Man rieche den frischen Druck des Magazins förmlich, sagte Maltz-Schwarzfischer und warf bei erster sich bietender Gelegenheit einen Blick hinein. Das Ping Pong von der einen Seite zur anderen ging weiter. Begleitet vom Piu-Piu-Orchester offenbarte eine junge Sängerin mit wunderbarem Schmelz in der Stimme ihre Sehnsucht nach Berlin, wo sie noch den berühmten Koffer stehen hat.

Zurück zum Rednerpult. MZ-Verleger Peter Esser stellte sich als Cantemus-Vater vor und erinnerte sich höchst vergnüglich an die Cantemus Rituale. „Keiner verlässt die Bühne!“, hieß es da am Ende einer Vorstellung jeweils. Die Eltern strömten herbei und versuchten, sich das richtige Kind rauszupicken. „Die jungen Menschen der Cantemus-Familie gehen auf in der Musik“, stellte Esser fest. Die Musik und die Freundschaft, das seien Geschenke, die durchs Leben tagen. Matthias Schlier strahlt ob dieser Worte. Der Bau am Haus des Cantemus-Chors ist für ihn offensichtlich noch lange nicht beendet: „Es gibt noch so viele Stücke, die noch nicht gesungen sind!“

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