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Musik

Cantemus: Proben für die große Bühne

25 Jahre Cantemus: Zum Start unserer Reihe über den Regensburger Laien-Chor blicken wir bei den Proben hinter die Kulissen.
Von Anna Jopp und Sandra Adler

Chor C probte mit Kostümen und Band: Zu diesem Zeitpunkt bleibt nur noch eine Woche bis zur Premiere. Fotos: Adler
Chor C probte mit Kostümen und Band: Zu diesem Zeitpunkt bleibt nur noch eine Woche bis zur Premiere. Fotos: Adler

Regensburg.Pünktchen und Anton, Die Schöne und das Biest, die Addams Familiy: Mit diesen drei Aufführungen wartete der Regensburger Cantemus-Chor in dieser Saison auf. Der Laienchor, der seit mittlerweile 25 Jahren von sich hören lässt, tritt nach außen als Einheit auf. Doch bei einem Probenbesuch Anfang April wurde deutlich: Cantemus ist ein komplexes Gebilde, in dem mehrere Chöre, verschiedene Altersgruppen und drei Großprojekte in unterschiedlichen Stadien der Vollendung aufeinandertreffen.

Die ältesten Jugendlichen in Cantemus-Chor C sind zwischen 14 und 18 Jahre alt und proben für die Gruselkomödie „Addams Family“, die kurz nach der April-Probe Premiere feiern soll.

Die Erst- und Zweitklässler in Königswiesen belagern Matthias Schlier.
Die Erst- und Zweitklässler in Königswiesen belagern Matthias Schlier.

Viele von ihnen sind seit dem Grundschulalter dabei, der Chor ist Teil ihrer Kindheit. Noch vor ihrer ersten Chorprobe besuchten viele als Erst- oder Zweitklässler eine der freiwilligen Singklassen an den Regensburger Grundschulen: Der Cantemus-Chorleiter Matthias Schlier singt dort eine Stunde pro Woche mit den Schülern. Manche der Kinder kommen später in die Proben des eigentlichen Cantemuschors ins Haus der Musik am Bismarckplatz.

Jubiläum

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Diese Routine aus früheren Jahren merkt man Chor C an: Kurz vor der Aufführung ist hier vieles so, wie es am folgenden Wochenende auf der Bühne im Velodrom sein soll. Fast alle sind in vollem Kostüm gekommen und die Szenen werden möglichst unterbrechungsfrei gespielt. Denn das Wort „Chor“ greift bei Musical-Projekten wie diesem eigentlich nicht weit genug: Neben dem Gesang müssen auch Dialoge und eine aufwendige Choreographie sitzen. Als die Solistin ihr Lied anstimmt, wirbeln die Tänzer in punktgenauer Harmonie um sie herum. Nur sehr selten muss die Regisseurin Doris Hofmann in das Geschehen eingreifen: Alle sind konzentriert bei der Sache.

Einen Eindruck von den Proben der verschiedenen Chorgruppen bekommen Sie in folgendem Video:

Probenbetrieb im Regensburger Cantemus-Chor

Spaß ist das Wichtigste

Der Chor A probt Lieder für das Musical „Pünktchen und Anton“.
Der Chor A probt Lieder für das Musical „Pünktchen und Anton“.

Deutlich lockerer ist die Atmosphäre am frühen Nachmittag bei Chor A. Etwa 20 Sechs- bis Neunjährige summen sich warm. Viele haben ihre Schuhe ausgezogen, sitzen strumpfsockig auf den Stühlen, die Knie angezogen oder auf den Nachbarstuhl gestreckt: Sie sind nicht in der Schule, sie sollen, das ist Teil der Chor-Philosophie, in erster Linie Spaß haben. Dennoch haben auch die jüngsten Cantemeaner ein gemeinsames Ziel: Anfang Juni werden sie im Audimax der Uni das Musical „Pünktchen und Anton“ aufführen. Die Lieder der Bearbeitung des Erich-Kästner-Klassikers sind deutlich anspruchsvoller als die einfachen Melodien aus der Singklasse. Doch in Chor A gibt es keine Notenblätter, alles läuft über das Gehör. Chorleiter Schlier begleitet am Klavier und singt eine Zeile an oder vor, die Kinder tun es ihm gleich. Bei manchen Textzeilen müssen sie nachfragen. „Dieser Text ist eigentlich für Erwachsene“, gibt Schlier zu, als er den Unterschied zwischen „Varietés“, „Cabarets“ und „Nachtcafés“ erklärt, die im Eingangslied des Musicals auftauchen. Dass die Kinder verstehen, was sie da singen, ist ihm wichtig.

Niemand wird gezwungen

Die Organisation des Cantemus-Chors

  • Singklassen:

    In den Klassen 1 und 2 können Kinder an den Grundschulen ausprobieren, ob Singen etwas für sie ist. In Königswiesen, Prüfening, Sallern, Schwabelweis, an der Gerhardinger Schule, der Kreuzschule und der Waldorfschule übt Matthias Schlier mit den Schülern in lockerer Atmosphäre Lieder ein.

  • Chor-Gruppen:

    Wer in den Singklassen Gefallen am Singen gefunden hat, tritt oft auch Chor A bei. 346 Kinder der ersten bis dritten Klasse sind dort zur Zeit aktiv. Im Chor B, von der vierten bis siebten Klasse, singen und schauspielern 208 Kinder. Zu Chor C gehört man ab Klasse 8. Er umfasst derzeit 116 Mitglieder.

  • Neo:

    71 Sänger und Sängerinnen zwischen 18 und 30 sind Teil von Cantemus Neo. 2013 gründete sich das Ensemble aus den erwachsen gewordenen Mitgliedern des Cantemus-Chors. Neo fokussiert sich auf den konzertanten Bereich, unterstützt aber beispielsweise auch bei Musical-Aufführungen als Off-Chor.

Alle Cantemus-Proben sind freiwillig. „Jeder kann sich so viel einbringen, wie er möchte“, erzählt Sophia Koch. Die 16-Jährige singt seit drei Jahren bei Cantemus. „Wer nur im Chor mitsingt, kommt einmal die Woche und vor der Aufführung zusätzlich an den Wochenenden.“ Daneben könne man sich je nach Zeit und Lust für unzählige Kleingruppen und Zusatzaufgaben melden.

Wenn der Gesang erst einmal sitzt, kommen die übrigen Musical-Elemente hinzu: Die Hauptrollen übernehmen dabei auch in Chor B, dem mittleren Kinderchor der etwa Zehn- bis Dreizehnjährigen, meist Profis des Regensburger Theaters, aber auch ältere Chormitglieder aus Chor C oder dem Erwachsenenchor Cantemus Neo. Letztere bilden zudem bei vielen Aufführungen einen sogenannten Off-Chor, der die Darsteller von hinter den Kulissen aus stimmlich unterstützt. Auch ansonsten holt sich Matthias Schlier in allen Altersstufen professionelle Unterstützung mit ins Boot: Stimmbildner für Pop oder Klassik arbeiten am Gesang der jungen Sänger.

Professionelle Unterstützung

Chor B übt mit Sängerin Ruth Müller (r.) für „Die Schöne und das Biest.“
Chor B übt mit Sängerin Ruth Müller (r.) für „Die Schöne und das Biest.“

Bei den zu diesem Zeitpunkt schon etwas fortgeschritteneren Proben zu „Die Schöne und das Biest“ hält Schlier selbst sich weitgehend im Hintergrund, begleitet die Probe höchstens am Klavier oder springt ein, wenn der eigentliche Solist noch nicht da ist. Ansonsten arbeiten externe Regisseure und Choreographen mit den Kindern.

Vera Semieniuk spielt die Teekanne in „Die Schöne und das Biest“. Die Profi-Sängerin ist zum ersten Mal an einer Cantemus-Produktion beteiligt. „Der Unterschied ist, dass es nicht um uns geht. Die Kinder sollen groß raus kommen“, sagt sie. Bei den ersten Proben sei sie überrascht gewesen, wie schnell manche lernten – und wie sie die anderen dann mitzögen.

Eva-Maria Eiberger, die die „Biest“-Inszenierung verantwortet, gibt Tipps und Anweisungen: Die goldenen Kartongabeln ein bisschen weiter hoch und bitte immer mit zwei Händen halten. Ein bisschen theatralischer weinen. Okay. „Ganz gut bis hier. Jetzt wiederholen wir die ganze Szene – aber diesmal mit noch mehr Spaß!“

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