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Kriminalität

Clown-Trittbrettfahrer befeuern Angst

Die Regensburger Polizei schnappt zwei junge Männer, die Horror-Masken tragen. Sie haben Baseballschläger und Messer dabei.
Von Micha Matthes, MZ

Regensburger Trittbrettfahrer mit Horror-Masken befeuern die Angst der Menschen.
Regensburger Trittbrettfahrer mit Horror-Masken befeuern die Angst der Menschen. Symbolfoto: dpa

Regensburg.Nach mehreren Übergriffen von sogenannten Grusel-Clowns auf Passanten befeuern auch Regensburger Trittbrettfahrer die Angst der Menschen. Auf Facebookseiten wie „Du bist ein echter Regensburger, wenn...“ wird seit Tagen über die Clowns diskutiert. „Servus Leute, Mir wurde gesagt, die Clowns wurden gestern in Regensburg gesichtet. Weiß da wer mehr?“ schreibt dort etwa ein Nutzer am Samstagabend. Tatsächlich hatten am Samstag zwischen 21 und 23 Uhr zwei junge Männer mehrere Passanten in der Erzbischof-Buchberger-Allee belästigt.

Die beiden fünfzehn- und sechzehnjährigen Schüler streiften sich offensichtlich iim Bereich Georg-Hegenauer-Park/ Karl-Anselm-Park Horrormasken über und zeigten sich mehreren Fußgängern. Polizeibeamte stellten das Duo schließlich in der Ludwig-Thoma-Straße und beendeten den Spuk. Bei den beiden wurden ein Baseballschläger und ein Messer sichergestellt. Nach – laut Polizeibericht – „eindringlicher Belehrung“ wurden sie den Eltern übergeben. Eine strafrechtliche Relevanz habe der Auftritt nach einer ersten Einschätzung der Polizei nicht. Ein eher harmloses Beispiel einer Clown-Sichtung aus Regensburg findet sich auf Instagram. In einem Kurzvideo nähert sich eine junge Frau offensichtlich einem Freund in einem Geschäft. Sie trägt dabei eine der Horror-Masken.

Pegadinha no @simonguenthner kkkkkkkkkk ??

Ein von Isabela Günthner (@isabelaguenthner) gepostetes Video am

Die Regensburger Polizei erhält im Moment immer wieder Anrufe wegen der Grusel-Clowns. „Wir haben aber bislang keinerlei Feststellung von Grusel-Clowns in der Region in Zusammenhang mit Straftaten“, sagt Polizeisprecher Stefan Hartl auf Nachfrage unserer Zeitung. „Es gibt Fälle, aber bei diesen Clown-Sichtungen handelt es sich um absolute Einzelfälle“, sagt sein Kollege Albert Brück. Wenn es tatsächliche Hinweise gebe, werde die Polizei dem natürlich nachgehen. In erster Linie seien die Clowns aber wohl ein Medienthema – etwas, das nur über das Internet verbreitet werde, sagt Brück. „Da muss man sehr vorsichtig sein. Wir sehen das mit Sorge. Hier werden Dinge hochstilisiert, bei denen man sich fragen muss, ob sie den ganzen Hype überhaupt wert sind.“

Es gebe Leute, die alles, was auf der anderen Seite des Atlantiks interessant ist, auch hier nachahmen. In den USA gebe es derzeit wohl auch Personen, die auf eigene Faust die Clowns jagen. „Wahrscheinlich werden auch hier Menschen versuchen, das zum Thema zu machen“, sagt Brück. „Das aber wäre Selbstjustiz. Dessen muss man sich bewusst sein.“ Tatsächlich hat sich bereits eine Art Bürgerwehr-Seite für die Region gebildet. In einem Post fragt der Administrator der Seite: „Wer von euch kommt an Halloween mit Clowns jagen?“

Profis wütend über Grusel-Attacken

Tonito Alexis tritt als sogenannter Weißclown im Circus Krone auf. Er ist entsetzt über die Zwischenfälle mit Horror-Clown-Masken.
Tonito Alexis tritt als sogenannter Weißclown im Circus Krone auf. Er ist entsetzt über die Zwischenfälle mit Horror-Clown-Masken. Foto: Circus Krone

Von 27. Oktober bis 6. November gastiert der Circus Krone in Regensburg. Der preisgekrönte Clown Tonito tritt im Circus Krone auf. Er findet die Horror-Clowns überhaupt nicht lustig. „Mein Urururgroßvater würde sich im Grabe herumdrehen“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. „Clowns sind doch ein Geschenk an die Menschheit, die liebsten Menschen der Welt. Sie möchten Freude spenden.“ Im Übrigen seien die „richtigen“ Clownfarben Rot, Weiß und Schwarz. „Alles andere ist Halloween – oder eben Horror“, sagt Tonito. „Wir sind keine Horror-Clowns und protestieren ganz energisch gegen die Verunglimpfung des schönsten Berufs der Welt“, schreibt der Circus in einer offiziellen Mitteilung. „Wir wollen doch nur die Freude in die Herzen der Zuschauer träufeln und die Welt mit Lachen zu einem besseren Ort machen.“

Empfehlungen der Polizei

  • Für den Fall

    einer Begegnung mit Horror-Clowns gibt die Polizei München Empfehlungen ab: „Bleiben Sie ruhig und verständigen Sie sofort den Polizeinotruf 110! Sprechen Sie den ,Clown‘ nicht an und provozieren Sie nicht (im Normalfall will dieser ,nur‘ einen Streich spielen)“, so die Polizei.

  • Weitere Ratschläge:

    Die Polizei rät, die Örtlichkeiten sofort zu verlassen. Gegebenenfalls solle man Passanten um Hilfe bitten. Von der Verwendung von Pfefferspray oder Reizstoffsprühgeräten rät die Polizei ab. Zu groß sei die Gefahr, dass diese Geräte gegen den Besitzer selbst verwendet werden.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) kündigte ein hartes Vorgehen gegen die Grusel-Clowns an. Aus einem vermeintlichen Scherz könne für den Täter bitterer Ernst werden. Die Betroffenen dürften mit der Polizei oder dem Staatsanwalt rechnen, sagte Herrmann.

In Aschaffenburg hatte ein als gruseliger Clown verkleideter Mann am späten Freitagabend zwei 16-jährige Passantinnen in einer Parkanlage erschreckt. Bereits Mitte vergangener Woche hatte sich im niederbayerischen Geiselhöring ein ähnlicher Fall ereignet: Wie die Polizei bestätigte, erschreckten Unbekannte in Clownskostümen dort mehrere Kinder.

Auch in München hatte es am Freitag einen Vorfall gegeben: Mit einer Axt war ein Unbekannter mit Clownsmaske dort auf einen zehnjährigen Buben losgegangen. Wie die Polizei am Montag mitteilte, war der Schüler mit seinem Fahrrad vom Fußballtraining nach Hause gefahren. Der Unbekannte sprang am Freitagabend aus einem Gebüsch hervor, schwang eine Axt und lief schreiend auf das Kind zu. Nach den Worten des Jungen hielt der Täter seinen schlechten Scherz per Handyvideo fest.

In den USA und zahlreichen anderen Ländern machen Grusel-Clowns bereits seit einiger Zeit die Straßen unsicher. Als Videos tauchen die makabren Streiche oft im Internet auf.

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