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Umwelt

„Coffee to go“ soll nicht im Müll landen

Studentin Julia Post hat eine „Coffee to go again“-Kampagne gestartet. In Regensburg machen die Filialen einer Bäckerei mit.
Von Gabi Hueber-Lutz, MZ

Julia Post mit ihrem „Coffee to go again“-Becher
Julia Post mit ihrem „Coffee to go again“-Becher Foto: Hueber-Lutz

Regensburg.Julia Post weiß, was sie will. Die 26-jährige Studentin der Politikwissenschaften aus München hat ein großes Herz für die Umwelt und ebenso große Pläne, dieser Umwelt Gutes zu tun. Sie hat in der Landeshauptstadt die Aktion „Coffee to go again“ ins Leben gerufen und am Freitag auch den Startschuss in Regensburg gegeben.

Wenn man bedenkt, dass laut einer Statistik der Deutschen Umwelthilfe hierzulande 320 000 Becher pro Stunde im Müll landen, liegt Julia Posts Kampagne fast in der Luft: Die junge Frau möchte sämtliche Möglichkeiten nutzen, um den trendigen Coffee to go auf Mehrweg umzustellen. In der Bäckerei Brunner hat sie einen Partner gefunden, der im nordostbayerischen Raum sehr verbreitet ist.

Burgweinting macht den Anfang

Seit Freitag prangt in der Filiale in Burgweinting der weiß-schwarz-grüne Aufkleber, der für wiederverwertbare Kaffeebecher wirbt. Die Regensburger SPD unterstützt die Kampagne. Die Initiatorin ist auf Einladung der Stadträte Dagmar Kick und Juba Akili in die Oberpfalzmetropole gekommen. Einladung ist in diesem Fall wörtlich zu nehmen. Julia Posts Engagement ist nämlich rein ehrenamtlich und sie ist froh, dass sie das Bayernticket für die Fahrt nach Regensburg spendiert bekam.

„Ich könnte mit dieser Aktion gut eine 40-Stunden-Woche füllen“

Julia Post

Das Interesse an ihrer Aktion ist groß. „Ich könnte damit gut eine 40-Stunden-Woche füllen“, sagt sie lachend. Dann erzählt sie von ihrem Vorhaben und im Lauf des Gesprächs kommt immer noch etwas dazu, wie man das noch weitertreiben könnte.

Julia Post (links) und Petra Zimmert bringen den ersten Aufkleber in Regensburg bei der Bäckerei Brunner in Burgweinting an.
Julia Post (links) und Petra Zimmert bringen den ersten Aufkleber in Regensburg bei der Bäckerei Brunner in Burgweinting an. Foto: Hueber-Lutz

Begonnen hat es mit der Beobachtung, dass sehr viele Kaffeebecher nach Gebrauch im Müll landen. Das tut manchen Menschen mehr in der Seele weh als anderen. Julia Post gehört zu denen, denen das mehr weh tut. Und sie gehört zu denen, die es nicht beim Bedauern belassen wollen, sondern aktiv werden. Rund 50 Betriebe bieten in München nun schon die Möglichkeit, sich dort Kaffee oder ein anderes Heißgetränk in den mitgebrachten Becher abfüllen zu lassen.

Petra Zimmert, die Verkaufsleiterin der Bäckerei Brunner, nickt. Ja, bei den Filialen in der Stadtmitte habe der Trend zum Mitnehmkaffee stark zugenommen. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Weiden wird in all seinen 87 Filialen Zug für Zug den „Coffee to go again“ ausschenken und mit dem Aufkleber an der Tür dafür werben. Petra Zimmert ordert deshalb gleich schon mal eine entsprechende Anzahl von Aufklebern bei Julia Post.

„Was da zusammenkommt“

Einen neuen Trend zum Mehrwegbecher zu kreieren, das sehen auch die Vertreter der Politik als sehr wesentlich an. „Wenn man sich erst einmal bewusstmacht, was da zusammenkommt bei den zwei oder drei Bechern täglich“, spricht Juba Akili aus Erfahrung. „Und wenn dann erst einmal die Stammkunden anfangen, sich umzustellen“, ergänzt Dagmar Kick. Beide haben selbstverständlich ihre eigenen Becher im Gepäck dabei.

Unterstützung erwünscht

  • Wunsch:

    Julia Post erhofft sich Unterstützung durch die Politik. Für die Gastronomen ist es nicht verboten, den Mehrwegbecher zu befüllen. Das erteilt sie als Auskunft bei Fragen interessierter Unternehmen. Zusätzlich sagen zu können, dass eine Stadtverwaltung das unterstützt, würde ein sehr positives Zeichen setzen.

  • Regensburg:

    Auf Antrag der SPD soll die Stadt eine Werbekampagne für den „Coffee to go again“ durchführen.

  • Appell:

    Soziale Netzwerke, persönliches Gespräch: Dass sich die Idee möglichst vielfältig verbreitet, wünscht sich initiatorin Julia Post. (lhl)

Apropos Gepäck: Ist das nicht furchtbar unpraktisch mit dem benutzten Kaffeebecher in der Hand, wenn man keinen Rucksack, keine Tasche dabei hat? Ja, klar, räumen alle ein. Und deshalb, fährt Julia Post fort, schwebt ihr ja auch als nächstes die Einführung von Rückgabestellen vor. Und als Übernächstes ist dann die App dran, die den Nutzern verrät, welche Gastronomen mitmachen, wo man die Becher zurückgeben kann und wie viel Müll man gespart hat.

„Große Ketten sperren sich noch gegen die Idee“, erzählt die Studentin. Und sie weiß auch, warum: Sie haben Angst vor einem Hygieneproblem und davor, vielleicht schlechte Schlagzeilen zu bekommen. Julia Post, die gelernte Hotelfachfrau, und Petra Zimmert sind sich einig, dass das eher ein theoretisches denn ein praktisches Problem ist. Die größere Herausforderung ist es wahrscheinlich, die Menschen zu animieren, dem bequemen Mehrwehbecher abzuschwören.

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