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Menschlichkeit

Corona: Betroffene werden zu Helfern

Die Regensburger Tafel ist vom Zuspruch überwältigt. Die Rewag ist nachsichtig mit Kunden, das Jugendamt geht neue Wege.
Von Maximiliane Fröhlich und Dr. Christian Eckl

Die Regensburger Tafel erlebt seit Tagen eine unglaubliche Solidarität. Foto: Tafel e.V.
Die Regensburger Tafel erlebt seit Tagen eine unglaubliche Solidarität. Foto: Tafel e.V.

Regensburg.In der Corona-Krise rücken die Regensburger immer noch ein Stückchen näher zusammen. Solidarität wird in allen Bereichen groß geschrieben, jeder zeigt Menschlichkeit und versucht, so gut es geht zu helfen. Die Regensburger Tafel ist von der ihr entgegengebrachten Unterstützung überwältigt. Jetzt zieht die Rewag nach und auch das Jugendamt versucht, Familien trotz Kontaktverbot nicht hängen zu lassen.

„Das ist aktuelle eine Ausnahmesituation. Wir betrachten jeden Einzelfall genau und entscheiden dann, wie wir vorgehen“, erklärt Dr. Volker Sgolik, Leiter des Regensburger Jugendamts. Es gebe beispielsweise Familien, die vier Wochen auch ohne das Jugendamt schaffen können. Es gibt aber auch welche, die dringend und regelmäßig Unterstützung brauchen. In diesen Fällen hilft den Mitarbeitern die moderne Technik. Dank Skype können sie mit den Familien über Videotelefonie in Kontakt treten. Auf diesem Weg tauscht sich die Behörde auch mit privaten Praxen und Trägern aus, mit denen sie zusammenarbeitet. Von Angesicht zu Angesicht und trotzdem mit dem nötigen Abstand.

Rewag verzichtet auf Strom- und Gassperren

Die Rewag teilt auf Nachfrage der Mittelbayerischen mit, dass sie sich mit Blick auf die aktuelle Situation bewusst dafür entschieden habe, derzeit auf etwaige Sperrmaßnahmen zu verzichten. „Unsere Kunden müssen sich in einer Zeit vieler Unsicherheiten keine Gedanken über ihre Versorgung mit Energie und Trinkwasser machen“, sagt Pressesprecher Martin Gottschalk. Außerdem betont Gottschalk, dass die Rewag, auch wenn das Kunden-Center momentan geschlossen ist, für seine Kunden erreichbar ist – telefonisch und per Mail.

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Der Energie- und Wasserversorger hat aber nicht nur für Privatkunden ein offenes Ohr. Auch Unternehmen wie Gastro-Betriebe bietet die Rewag Gespräche an, um beispielsweise die Abschlagzahlungen anzupassen, wenn jetzt geschlossen ist. Auch eine Stundung sei laut Gottschalk denkbar.

Betroffene werden zu Helfern

Die Regensburger Unternehmen erhalten Unterstützung von der Rewag und helfen selbst der Tafel, wie Christine Gansbühler, Vorsitzende der Regensburger Tafel, sagt: „Die Gastronomen haben uns in einem wahnsinnigen Ausmaß unterstützt. Es sind eigentlich alle dabei.“ Besonders berührt habe Gansbühler, dass die Gastronomen ankündigten, sich auch nach der Krise mit der Tafel zusammenzuschließen. Außerdem hätten viele Privatpersonen für die Tafel eingekauft und die Ware vorbeigebracht.

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Das wollte die soziale Einrichtung eigentlich nicht. Warum, das erklärt die Vorsitzende so: „Wir wollten, dass die Menschen Ware von Zuhause bringen, damit wir den Markt nicht befeuern. Es muss Normalität einkehren.“ Dankbar ist die Tafel für die zahlreichen Spenden und Unterstützer natürlich dennoch.

„Unglaublich, wie solidarisch Menschen sein können.“

Christine Gansbühler

Aktuell können Bedürftige Lebensmittel in der Liebigstraße abholen. Dort hat die Tafel ein Zelt aufgebaut. Es müssen klare Regeln eingehalten werden. Die Kunden müssen beispielsweise zwei Meter Abstand halten. In den Aufenthaltsraum dürfen maximal sechs Personen. „Wir achten sehr darauf, dass es keine Komplikationen gibt, sonst müsste das Ordnungsamt die Tafel zusperren“, sagt Gansbühler.

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Trotz der außergewöhnlichen Situation und der Tatsache, dass sich viele Menschen Gedanken über ihre Zukunft machen, halten sich bislang alle an die Regeln. Wahrscheinlich, weil jeder weiß, dass es nur miteinander geht. „Unglaublich, wie solidarisch Menschen sein können. Dass jeder nur für sich lebt, den Eindruck habe ich nicht mehr“, sagt Gansbühler und freut sich, dass sie, die Tafel und alle anderen in der aktuell schlimmen Situation auch etwas Positives sehen können.

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