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Corona: Großes Problem für Bedürftige

Den Beratungsdienst der Caritas gibt es in Regensburg nur noch per Telefon oder Mail. Streetworker Ben Peter schlägt Alarm.
Von Jürgen Scharf

Für Menschen in Not ist die Coronakrise nun ein zusätzliches großes Problem. Foto: dpa/Ingo Wagner
Für Menschen in Not ist die Coronakrise nun ein zusätzliches großes Problem. Foto: dpa/Ingo Wagner

Regensburg.Für viele ist es zunächst ein Schock. Immer wieder kommen am Donnerstag Menschen in die Von-der-Tann-Straße. Zum Gebäude, in dem der Caritas-Verband seine Räume hat. An der Eingangstür müssen sie dann stoppen. Auf Hinweisschildern erfahren sie, dass sie mit ihrem Berater wegen der Corona-Krise nicht mehr persönlich sprechen können.

Caritas-Direktor Michael Weißmann gab es am Mittwochabend bekannt. Um das Infektionsrisiko so niedrig wie möglich zu halten, wird für alle Beratungsangebote der Publikumsverkehr geschlossen. Die Angebote als solche bleiben aber erhalten. „Wer Hilfe braucht, soll Hilfe bekommen“, sagt Weißmann. Nun eben per Telefon oder Mail.

„Unsere Mitarbeiter tun alles“

Bis sich das eingespielt hat, wird es vermutlich etwas dauern. „Es gab natürlich Menschen, die davon irritiert waren“, erzählt der Regensburger Caritas-Sprecher Harry Landauer. Menschen, die es gewöhnt sind, dass sie in den Beratungsstellen von Angesicht zu Angesicht über ihre Probleme sprechen können. Wegen der Corona-Krise geht das aber nicht mehr. Nun müssen sie anrufen oder eine Mail schreiben. „Unsere Mitarbeiter tun alles, um für ihre Klienten nun auf anderen Wegen erreichbar zu bleiben“, erzählt Landauer.

Beratungsangebote der Caritas

  • Angebot:

    Die Caritas bietet allgemeine Sozialberatung, Schuldner- und Insolvenzberatung, Familien- und Seniorenhilfe, Obdachlosen- und Straffälligenhilfe, Migrations- und Integrationsberatung, Schwangerschaftsberatung, Suchthilfe in den verschiedenen Fachambulanzen, Fachberatung in der Offenen Behindertenarbeit sowie Sozialpsychiatrische Beratung inklusive suizidspezifischer Beratung Horizont an.

  • Kontakt:

    Alle Caritas-Dienste des Bistums Regensburg finden Hilfesuchende im Internet unter www.caritas-regensburg.de/beratenundhelfen/. Das umfangreiche Online-Beratungsangebot der Caritas findet sich unter www.caritas.de/onlineberatung.

Die Caritas ist derzeit sowieso an mehreren Fronten gefordert. Der „Strohhalm“ in der Keplerstraße musste wegen Corona schließen. Für die Menschen, die dort sonst regelmäßig eine Mahlzeit einnehmen, will die Caritas nun mit ihrem Angebot in der Fürstlichen Notstandsküche sorgen. Dafür muss lediglich nach telefonischer Voranmeldung ein Berechtigungsschein in der Von-der-Tann-Straße 7 abgeholt werden. Von dem Angebot werde bislang aber noch etwas zögerlich Gebrauch gemacht. „Wir hoffen, dass es sich in den kommenden Tagen rumspricht“ sagt Landauer.

Hilfsaktion

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Nach dem dramatischen Appell in der MZ: Gastronomen und Unternehmer bringen große Mengen Lebensmittel für die Armen vorbei.

Derzeit gibt es dem Caritas-Sprecher zufolge auch keine Mitteilung der Behörden, dass demnächst auch die Notstandsküche geschlossen werden muss. Für den Fall der Fälle existiere aber ein Plan B: „Dann würden wir wohl eine Ausgabe von Lunch-Paketen im Caritas-Zentrum anbieten.“

„Wenn das auf lange Sicht so bleibt, ist das natürlich katastrophal.“

Strohhalm-Chef Josef Troidl

Das Team des „Strohhalm“ will trotz der Schließung ebenfalls weiter für seine Gäste da sein. „Wir rufen sie an, halten so den Kontakt“, sagt „Strohhalm“-Chef Josef Troidl. Wirklich optimistisch blickt er aber nicht in die nahe Zukunft. Die körperliche Versorgung mit Essen oder Kleidung sei das eine, die könne ohnehin noch auf jeden Fall sichergestellt werden. Das Gemeinschaftsgefühl, die direkte Ansprache, wie es die Gäste im Strohhalm sonst erleben, sei aber genauso wichtig: und das alles falle nun weg. „Wenn das auf lange Sicht so bleibt, ist das natürlich katastrophal“, sagt Troidl.

Was tun, wenn jemand kein Handy hat?

Wie schwierig die Lage schon jetzt ist, weiß Ben Peter. Die Auswirkungen des Coronavirus seien für alle Menschen eine belastende Situation, sagt der Streetworker der Regensburger Caritas. Suchtkranke etwa bräuchten in derartigen Krisen eigentlich besonders viel Unterstützung, um Rückfälle zu verhindern. Viele Menschen, die tagsüber auf der Straße leben, haben dem Streetworker zufolge auch kein Handy oder ein entsprechendes Guthaben, um ihre Berater nun telefonisch zu erreichen, von einem Mail-Konto ganz zu schweigen.

Ben Peter versucht im Rahmen der geltenden Sicherheitsmaßnahmen im Gespräch mit Menschen in Not zu bleiben. Archivfoto: Joop
Ben Peter versucht im Rahmen der geltenden Sicherheitsmaßnahmen im Gespräch mit Menschen in Not zu bleiben. Archivfoto: Joop

Grundsätzlich sieht Peter nur ein Mittel: „Wir dürfen den Kontakt nicht abreißen lassen.“ Er probiere deswegen im Rahmen der gültigen Sicherheitsregeln noch irgendwie im Gespräch zu bleiben.

Eine wichtige Anlaufstelle für Menschen in Not ist derweil noch offen: die städtische Obdachlosenunterkunft in der Taunusstraße 3. Momentan übernachten dort im Schnitt etwa 40 bis 50 Personen pro Nacht. Die Befürchtung, dass sie demnächst geschlossen wird, gebe es derzeit nicht, teilt die Stadt Regensburg auf Anfrage mit. Um den Betrieb aufrecht erhalten zu können, werden der Stadt zufolge in der Einrichtung die für alle geltenden Verhaltensregeln, insbesondere die Einhaltung des Mindestabstandes, umgesetzt.

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