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Corona-Verdacht: Die Tafel schließt

In den Regensburger Asylbewerberheimen grassiert das Virus. Flüchtlinge von dort hatten Kontakt zu der sozialen Einrichtung.
Von Marion Koller

Ehrenamtliche helfen bei der Tafel Regensburg in der Liebigstraße. Jetzt musste die Einrichtung dichtmachen. Foto: altrofoto.de
Ehrenamtliche helfen bei der Tafel Regensburg in der Liebigstraße. Jetzt musste die Einrichtung dichtmachen. Foto: altrofoto.de

Regensburg.Die Regensburger Tafel im Stadtosten, bei der jede Woche Hunderte Bedürftige ihre Lebensmittel abholen, schließt ab sofort für 14 Tage. „Wir hatten Kontakt zu Menschen, die Verdachtsfälle sind“, sagt Vorsitzende Christine Gansbühler am Sonntag. Es handelt sich um Bewohner der Flüchtlingsunterkünfte in der Dieselstraße und der Alten Straubinger Straße. Dort grassiert das Virus, wie Ende letzter Woche bekannt wurde. Das Ansteckungsrisiko sei zu hoch, sagt Gansbühler.

Risiko für Helfer laut Corona-Hotline gering

58 Infektionen in Regensburg innerhalb von sieben Tagen meldete das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit am Freitag. In der Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in der Dieselstraße wurden 42 Bewohner laut Markus Roth, Sprecher der Regierung der Oberpfalz, positiv getestet. In zwei weiteren Einrichtungen für Flüchtlinge hat es bis Freitag insgesamt drei weitere Corona-Fälle gegeben, zwei im Ankerzentrum für neu angekommene Asylbewerber in der Pionierkaserne und einen in einer Unterkunft in der Alten Straubinger Straße.

Virus

58 neue Corona-Fälle in einer Woche

Regensburg überschreitet den Signalwert für die Ausbreitung der Pandemie. Das liegt an Fällen in Asylbewerberheimen.

Gansbühler hat ihre Kollegen und die Studierenden informiert, die bei der Lebensmittelausgabe der Tafel mithelfen. Ob sich jemand auf das Coronavirus testen lassen muss, steht noch nicht fest. Bahar Hübner von der Coronavirus-Hotline der Staatsregierung sagt am Sonntag auf MZ-Anfrage, die Ansteckungswahrscheinlichkeit im Freien sei ziemlich gering. „Wenn die Helfer draußen waren, den Abstand von eineinhalb Metern eingehalten und Mund-Nasen-Schutz getragen haben, konnte normalerweise nichts passieren.“ Im Freien sei die Viruslast geringer. Ihre Kollegin Susanne Kröninger ergänzt, erst wenn Symptome auftauchen sollten, – was unwahrscheinlich ist – würden eine Testung und die 14-tägige Quarantäne nötig.

Die Vorsitzende sagt, sie sei mit den Nerven am Ende. Beim Gespräch weint sie beinahe. Ob auch die Tafel Neutraubling schließen wird, entscheidet sich am Montag. Die Regensburger Einrichtung in der Liebigstraße war während der gesamten Corona-Welle geöffnet. Weil sich ältere Ehrenamtliche, die normalerweise mithelfen, wegen Corona zurückgezogen hatten, sind rund 50 Studierende eingesprungen, die abwechselnd Waren ausgeben. Die Lebensmittel wurden im Freien überreicht. „Die Kunden haben die Sachen eingepackt und sind wieder gegangen“, sagt Christine Gansbühler. „Das hat ganz gut geklappt.“

Höhere Nachfrage wegen Kurzarbeit

Zunächst war der Zuspruch wegen Covid-19 gesunken. Doch in den letzten Tagen habe sie wegen Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit durch Corona viele Neuanmeldungen registriert, sagt die Tafel-Vorsitzende. Die Stammkunden kämen auch wieder. In der letzten Woche holten am Montag und Mittwoch jeweils etwa 140 Leute Lebensmittel in der Liebigstraße, am Freitag waren es rund 100.

Gansbühler hat sich beim Krisenstab der Staatsregierung erkundigt, wie es nach den zwei Schließungswochen weitergehen könne. „Die haben mir einen guten Ausweg genannt“, sagt sie. „Einfach nur die Fenster öffnen und die Tüten rausreichen.“

Einkaufsgutscheine von der Caritas

  • Ausgabe:

    Die Tafeln leisten überall in Deutschland einen wertvollen Dienst für Arme und Bedürftige. „Es darf keine Lücke entstehen, wenn die Regensburger Tafel jetzt schließen muss“, sagt Caritasdirektor Michael Weißmann. „Die Caritas steht bereit! Wir werden in größerem Umfang Einkaufsgutscheine besorgen und diese unbürokratisch an die Betroffenen ausgeben.“

  • Termin:

    Ab Dienstag, 26. Mai, können Bedürftige Einkaufsgutscheine für Lebensmittel bei der Caritas abholen. Die Einkaufsgutscheine werden unter der Woche täglich zwischen 9 und 12 Uhr in der Caritaszentrale Regensburg, Von-der-Tann-Str. 7, ausgegeben. Einzelpersonen erhalten Gutscheine in Höhe von 50 Euro, Familien entsprechend mehr. Als Bedürftigkeitsnachweis genügt ein Berechtigungsschein für die Tafel.

  • Spendenkonto:

    Zur Überbrückung von Notlagen wie dieser hat die Caritas Regensburg einen Corona-Soforthilfefonds eingerichtet, der sich aus Spenden speist. Das Konto: Caritasverband für die Diözese Regensburg, IBAN: DE67 7509 0300 7601 1000 17, Liga Bank, Kennwort: „Caritas hilft“

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