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CSU-Generalsekretär Scheuer im Shitstorm

Ein umstrittener Satz zur Abschiebung von „ministrierenden Senegalesen“ fällt auf den CSU-Politiker wie ein Bumerang zurück.
Von Christine Schröpf, MZ

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer – selbst nicht zimperlich – muss scharfe Kritik einstecken.
CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer – selbst nicht zimperlich – muss scharfe Kritik einstecken. Foto: dpa

München.CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer schweigt am Montag. „Es ist alles gesagt“, lässt er über seinen Pressesprecher ausrichten – mit Verweis auf ein Statement gegenüber der Mittelbayerischen Zeitung, das er am Sonntag auch auf seiner Facebook-Seite gepostet hatte. Scheuer relativiert darin Äußerungen zur Asylpolitik, die er vergangene Woche im Regensburger PresseClub gemacht hatte. „Das Schlimmste ist ein fußballspielender, ministrierender Senegalese. Der ist drei Jahre in Deutschland – als Wirtschaftsflüchtling – den wirst du nie wieder abschieben“, hatte er dort vor zahlreichen Journalisten gesagt.

(Anm. d. Red.: In einer ersten Version hatten wir den letzten Teil des Zitats inkorrekt wiedergegeben, dort hieß es: „den kriegen wir nie wieder los“. Wir haben dies korrigiert. Lesen Sie dazu auch einen Kommentar von MZ-Politikchef Christian Kucznierz.).

Als „bewusste Zuspitzung“ wollte er das im nachhinein verstanden wissen, um auf öffentliche Widerstände gegen Abschiebungen von abgelehnten Asylbewerbern hinzuweisen. Doch es half nichts: Scheuer, der für scharfe Sprüche zur Flüchtlingspolitik bekannt ist, steht unvermindert im Shitstorm.

Auch CSU-Basis verärgert

Unter Scheuers Facebook-Post, mit dem er die Lage eigentlich befrieden wollte, häufen sich die Vorwürfe. 241 Kommentare hatten sich bis Montagnachmittag angesammelt, überwiegend kritischer Natur. Auch von der CSU-Basis gibt es heftigen Gegenwind. Die Regensburgerin Dagmar Rempter, Mitglied der Jungen Union, belehrt Scheuer darüber, was es mit der katholischen, apostolischen Weltkirche auf sich hat. Bei Ministranten, die am Altar Dienst tun, spiele die Nationalität keine Rolle. „Offenkundig haben Sie das noch nicht ganz verstanden, was schlecht ist, weil sie nunmal das C im Parteinamen haben“, schreibt sie.

Das aber ist der Stil der AfD: Vorpreschen, für Medienrummel sorgen – und am Ende will man es nicht gewesen sein, kommentiert unser Autor Christian Kucznierz:

Kommentar

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„Unerträglich“ und „peinlich“ lauten Reaktionen weiterer Facebooknutzer. Scheuer müsse sich entschuldigen, fordert ein Schreiber. Ein anderer wünscht sich einen Rücktritt des CSU-Generalsekretärs. Nur vereinzelt bekommt Scheuer auch Zustimmung. Es sei richtig, Wirtschaftsflüchtlinge ohne Aufenthaltsrecht auch wieder abzuschieben, meint einer.

Den Reigen der Kritiker hatte am Wochenende der Generalvikar des Bistums Regensburg, Michael Fuchs, eröffnet – ebenfalls mit einem Facebookpost: „Na dann, liebe Pfarreien und Sportvereine, lasst das mal mit eurer Integrationsarbeit. Herr Scheuer übernimmt. Künftig übt er mit ihnen Querpässe und Kniebeugen. Er fährt aufs Zeltlager und kauft ihnen die Trikots. Er feiert mit ihnen Geburtstag und hört sich nächtelang ihre Fluchtgeschichten an. Vielleicht betet er sogar mit ihnen“, schrieb er. Dafür erhielt Fuchs jede Menge Zuspruch– 866 Mal erhielt er einem Daumen hoch, 238 Mal wurde sein Beitrag bis Montagnachmittag geteilt.

„Welch beleidigendes Denken steckt hinter einer solchen Aussage! Wie wird hier Stimmung gegen junge Flüchtlinge gemacht!“

Der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann

Kritik aus der Kirche – sie wird in der CSU als besonders schmerzlich empfunden. „Das hilft uns nicht“, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Auch der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann hatte sich am Montag in der „Main-Post“ in die Causa Scheuer eingeschaltet. „Welch beleidigendes Denken steckt hinter einer solchen Aussage! Wie wird hier Stimmung gegen junge Flüchtlinge gemacht!“

Dem CSU-Generalsekretär sprang am Montag öffentlich sein Parteichef zur Seite: Scheuer habe weder Kirchen, noch Sportvereine, noch die Ehrenamtlichen in der Flüchtlingsarbeit angreifen wollen, sagte Ministerpräsident Horst Seehofer am Rande der Klausur der CSU-Landtagsfraktion in Kloster Banz. Er sprach von einem Missverständnis.

Der Integrationsbeauftragte der bayerischen Staatsregierung und neu gewählte Kelheimer Landrat, Martin Neumeyer, gab Scheuer ebenfalls Rückhalt. „Manchmal sagt man einen flotten Spruch, der nicht ganz so gemeint ist. Da muss ich ihn jetzt in Schutz nehmen.“ Im Kern habe Scheuer recht: Der Senegal sei ein sicheres Herkunftsland. Somit gebe es kein Bleiberecht. Neumeyer kann sich aber auch gut in die Seite der Flüchtlingshelfer hineinversetzen. Die Asylverfahren dauerten aber viel zu lange, es entstünden tiefe soziale Bindungen. „Ich verstehe das.“ Auch die Wirtschaft habe sich ihm gegenüber beklagt. Viele Senegalesen waren dort als Bauarbeiter gern gesehen – bis sie nicht mehr arbeiten durften. Von staatlicher Seite werde inzwischen strikter darauf geachtet, dass dies für Menschen aus sicheren Herkunftsstaaten verboten sei, sagt Neumeyer.

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