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Kultur

Cuntz-Orgel wird in Bautzen generalsaniert

Das Instrument war nur noch eingeschränkt funktionsfähig. Im Jahr 2015 soll es wieder in die Regensburger Minoritenkirche zurückkehren.
Von Hans Scherrer, MZ

Sie ist vermutlich die älteste Orgel in der Oberpfalz: die 1627 erbaute Cuntz-Orgel. Professor Norbert Düchtel testet das schwer beschädigte Instrument. Foto: Scherrer

Regensburg.„Sie ist vermutlich die älteste Orgel der Oberpfalz“, sagt Prof. Norbert Düchtel und meint das von Stephan Cuntz im Jahr 1627 erbaute Positiv, das zuletzt in der Minoritenkirche stand. Jetzt wurde dieses Kleinod abgetragen, verpackt und nach Bautzen (Sachsen) transportiert. Dort soll das Instrument gründlich restauriert werden, im Orgelbauunternehmen Hermann Eule, „einem der renommiertesten Orgelbauunternehmen Europas“, wie Düchtel betont.

Um die Restaurierung überhaupt finanzieren zu können, gab es vier Sommer lang die berühmten sonntäglichen Matineen in der Minoritenkirche, je zehn Konzerte pro Saison, unterstützt von zahlreichen Künstlern. Und an der Schwalbennestorgel saß jeweils Prof. Düchtel. Diese Matineen fanden innerhalb der Bevölkerung einen derart großen Anklang, dass häufig sogar noch zusätzliche Stühle herbeigeschafft werden mussten. Und so konnte mittlerweile mehr als die Hälfte der auf knapp 100 000 Euro geschätzten Restaurierungskosten eingespielt werden.

Den Zustand von 1627 herstellen

„Die Orgel wurde durch Konrad Dänhardt, Restaurator im Orgelbau, untersucht“, schreibt Dirk Eule, der Geschäftsführer des sächsischen Unternehmens. Dabei habe sich gezeigt, dass das Positiv nur eingeschränkt funktionsfähig war. „Einzeltöne funktionierten aufgrund schlecht verlegter Pappkondukten nicht; die Klaviatur klemmte teilweise.“ Das Positiv sei offensichtlich für eine wohl betuchte Person im 17. Jahrhundert gefertigt worden und sollte äußerlich auch nicht im Detail auf eine Orgel hindeuten lassen, heißt es weiter. Zwar sei dieses Instrument bis in kleinste Bauteile sehr sorgfältig konstruiert worden. „Leider entstellten viele kleine und größere Umbauten, teils sorgfältig ausgeführt, teils ohne Sachverstand und Respekt, die Orgel so sehr, dass heute kaum noch die Genialität des damaligen Meisters erkennbar wird.“

Das Regensburger Orgelpositiv zähle aufgrund seines Alters, der wenigen überlieferten Beispiele von Orgeln aus dem frühen 17. Jahrhundert, der wenigen erhaltenen Orgeln von Cuntz und der hervorragenden tischlerischen und konstruktiven Bauform zu einem der bedeutendsten Orgelinstrumente, bestätigen die Orgelbaumeister Dirk Eule und Konrad Dänhardt. Sämtliche Arbeiten an diesem Werk müssten daher unter strengen Vorgaben der Erhaltung der historischen Substanz ausgeführt werden. Ziel der Restaurierung sei die möglichst vollständige Wiederherstellung in den Zustand von 1627.

„Mit der Restaurierung wird erst im kommenden Frühjahr begonnen“, erklärt Orgelvirtuose Düchtel; „bis dahin befindet ich das kostbare Instrument in einem eigens klimatisierten Raum bei konstanter Luftfeuchtigkeit.“ Circa ein Jahr lang werden die Restaurierungsarbeiten dauern. Noch vor Ort soll die Orgel intoniert werden und – wenn alles glatt verläuft – vermutlich im Frühjahr 2015 wieder an ihren alten Platz in der Minoritenkirche zurückkehren. „Und im Sommer 2015 wird dann dieser Edelstein an Orgel in Dienst gestellt“, schwärmt Düchtel. Dafür ist jetzt schon eine Festwoche angedacht.

Doch bis dahin ist noch eine Menge zu tun. So wurden zum Beispiel wesentliche Teile der Orgel im Laufe der Jahrhunderte stark verändert. Das betrifft den Unterbau – hier besteht zum Beispiel die Rückwand aus aufgeschraubtem Sperrholz – wie auch das Obergehäuse, das vermutlich mehrfach umgearbeitet wurde. Eine knapp 20 Seiten umfassende Beschreibung nennt eine Vielzahl von Nach- oder Umbauten sowie Beschädigungen.

Wesentliche Teile stark verändert

Die vorgefundenen Holz-, Metall- und Zungenpfeifen der einzelnen Register klingen mit nahezu gleichem Charakter, lassen aber weniger auf eine Renaissanceorgel als mehr auf eine Orgel des 20. Jahrhunderts schließen, schreiben die Gutachter. Der Klang sei daher verhältnismäßig farblos und gleichtönig. Auch dies wollen die Restauratoren gemeinsam in Absprache mit dem Auftraggeber und dessen Sachverständigen lösen.

Auf das Ergebnis freut sich Prof. Düchtel schon heute. Dass er die sonntäglichen Matineen bestritten hat, begründet er so: „Ich habe es als Aufgabe gesehen, der Stadt, der ich so viel verdanke, etwas zurückgeben zu können.“

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