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Prävention

Damit Kinder lernen, „Nein“ zu sagen

Der Verein Aktionkinderschutz will Kinder vor sexuellem Missbrauch bewahren und sucht in Regensburg nach Partnern.
Von Susanne Wiedamann, MZ

Mit seinen Büchern und Lernmaterialien bringt der Verein „aktionkinderschutz.de“ Kindern nahe, wie sie sich vor Übergriffen von Erwachsenen schützen.
Mit seinen Büchern und Lernmaterialien bringt der Verein „aktionkinderschutz.de“ Kindern nahe, wie sie sich vor Übergriffen von Erwachsenen schützen. Foto: dpa

Regensburg.Barbara Schneider ist durch Zufall auf den Verein „aktionkinderschutz.de – gemeinsam stark“ gestoßen. Auf der Suche nach Sponsoren schrieb der Karlsruher Verein die Leiterin der Berlitz Sprachschule Regensburg an. Das Angebot von Aktionkinderschutz stieß bei der Mutter von zwei Töchtern nicht nur auf großes Interesse – Barbara Schneider fand Zielsetzung und Methode des Vereins so überzeugend, dass sie beschloss, für das Projekt Werbung in Regensburg zu machen.

„Der Verein wurde 2005 gegründet mit dem Ziel, Kinder vor Missbrauch zu schützen“, erklärt Barbara Schneider. Aktionkinderschutz sei schnell darauf gekommen, das es an den Grundschulen hierzu keine Lehrmaterialien gibt. Also wurde ein Projekt zur Prävention gegen sexuellen Missbrauch ins Leben gerufen, das sich vor allem an Kinder in der Altersgruppe 4 bis 8 Jahren richtet. Barbara Schneider findet es sehr wichtig, dass bereits im Kindergarten- und Grundschulalter auf die Kinder zugegangen wird.

Etwas tun, bevor etwas geschieht

Jedes vierte bis fünfte Mädchen und jeder zehnte bis zwölfte Junge macht laut Aktionkinderschutz sexuelle Missbrauchserfahrungen. In den meisten Fällen beginnen die Übergriffe der Täter zwischen dem fünften und zenten Lebensjahr. „Man muss früher etwas tun und nicht erst dann, wenn schon etwas passiert ist. Wir müssen mehr Prävention machen“, steht für Barbara Schneider fest.

Barbara Schneider, Chefin der Berlitz School in Regensburg, setzt sich für den Verein „aktionkinderschutz.de“ ein.
Barbara Schneider, Chefin der Berlitz School in Regensburg, setzt sich für den Verein „aktionkinderschutz.de“ ein. Foto: Wiedamann

„Meine erste Frage war natürlich: Wer schult die Lehrer?“, sagt Schneider. Hierfür hat der Verein eine 60-seitige Handreichung für Lehrkräfte mit viel Hintergrundinformation, einen didaktisch-methodischen Teil über die Arbeit mit den Kinderbüchern und vielen Tipps für Spiele und Aktivitäten ausgearbeitet. Zusammen mit einer Arbeitsmappe zu den Kinderbüchern, die jedes Kind zum Ausfüllen und Ausmalen erhält, bilden die Handreichungen und das Bilderbuch ein Paket. Die Grundschulen werden mit solchen Paketen versorgt, sofern sich ausreichend Sponsoren finden.

Das Projekt

  • Prävention

    Der Verein Aktionkinderschutz bietet spezielle Kinderbücher, pädagogische Handreichungen und Arbeitsmappen zur Prävention gegen sexuellen Missbrauch an Kindern an, die kostenlos verteilt werden. Finanziert wird das Projekt durch Sponsoren.

  • Unterstützung

    Schulen und Sponsoren, die mithelfen wollen, das Präventions-Projekt auch in Regensburg zu etablieren, können sich an den Aktionkinderschutz e.V., Karlstraße 21a, 76133 Karlsruhe, Telefon (07 21) 790 79 21 wenden. Infos im Internet unter: www.aktionkinderschutz.de

Der Verein will Kinder stark machen, indem er ihr Selbstbewusstsein stärkt. „Aktionkinderschutz hat vom Ministerium eine Pädagogin vermittelt bekommen, Dr. Angela May, die für den Verein zwei Präventionsbücher geschrieben hat: ,Lisa entdeckt die Welt‘ und ,Paul entdeckt die Welt‘.“ Diese Kinderbücher stellt der Verein Grundschulen für die Arbeit in den Klassen zur Verfügung, bzw. die Kinder dürfen die Bücher behalten. „Ich fand die Idee gut, dass man etwas in der Hand hat, das Eltern mit ihren Kindern anschauen und zu Hause darüber sprechen können.“

Da geht es für die Kinder unter anderem darum, vorsichtig zu sein, wenn Erwachsene ihnen ein Geschenk versprechen und dann etwas fordern, was die Kinder nicht wollen. Es geht auch darum, sich jemandem anzuvertrauen, wenn etwas Beängstigendes passiert ist, selbst wenn ein Erwachsener die Kinder zur Geheimhaltung verpflichtet hat. „Es ist wichtig, dass die Kinder, statt sich zu schämen, zu den Eltern gehen und erzählen“, sagt Schneider.

Das Recht auf Unversehrtheit

Das Projekt will Kindern Mut machen, sich zu wehren. „Den Kindern soll vermittelt werden, dass ihr Körper ihnen gehört und sie ein Recht auf dessen Integrität haben“, fordert der Verein. Sie sollen bestärkt werden, „Nein“ zu sagen, wenn ihnen etwas komisch vorkommt, oder wenn sie sich in einer Situation unwohl fühlen, weil ihnen ein Erwachsener zu nahe tritt. Durch die Gespräche im Unterricht oder im Kindergarten sollen die Kinder lernen, zwischen guten und schlechten Geheimnissen zu unterscheiden – und sich Hilfe zu holen.

Das Interesse an dem Präventions-Programmin Regensburg wächst: „Bisher gibt es sieben Grundschulen mit ca. 700 Schülern, die eine Bestellung machen möchten. Es gibt bereits vereinzelt Zusagen für sponsoring, aber es fehlt noch das Meiste. Verschickt ist deswegen noch nichts“, erklärt Barbara Schneider. Aber dies wird sich ja womöglich bald ändern.

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