MyMz
Anzeige

Denkmalschutz

Das Bruckmandl ist „verletzt“

Experten schließen nicht aus, dass das Regensburger Wahrzeichen mutwillig beschädigt wurde. Der rechte Arm fehlt. Der Kopf und das Stadtwappen sind angeschlagen. Die Stadtverwaltung hat Anzeige erstattet. Gibt es Zeugen?
Von Thomas Rieke, MZ

Deutlich sind die Schäden am Regensburger Wahrzeichen zu sehen. In Euro lassen sie sich zur Stunde noch nicht beziffern. Foto: Stadt Regensburg

Regensburg.Als Hildegard Zweck am Donnerstag gegen 11.30 Uhr für eine Berliner Reisegruppe die Sage vom Erbauer der Steinernen Brücke und dem Dommeister zum Besten geben wollte, blieb ihr Blick am Bruckmandl hängen: War das möglich, durfte das sein? Die Skulptur war schwer beschädigt. Der rechte angewinkelte Arm fehlte ganz, und auch der Kopf schien in Mitleidenschaft gezogen zu sein.

Die routinierte Stadtführerin war regelrecht schockiert und tat sich nach eigenen Angaben schwer, einfach zur Tagesordnung überzugehen.

Wenig später erfuhr die Stadtverwaltung von der „Verletzung“ der Kultfigur. Umgehend wurde versucht, der Sache auf den Grund zu gehen. Die Tiefbauer riefen Denkmalpfleger Dr. Lutz-Michael Dallmeier zu Hilfe, und der hält es, nachdem er das Bruckmandl unter die Lupe genommen hat, durchaus für möglich, dass die Figur mutwillig beschädigt worden ist. Jemand könnte einen Stein oder einen ähnlich harten Gegenstand dagegen geschleudert haben. Auch vom Stadtwappen ist ein Stück abgeplatzt. Die „Wunden“ sind noch ganz frisch. Vorsichtshalber erstatte Dallmeier Anzeige. Weil die Steinerne Brücke auch nachts selten völlig menschenleer ist, besteht die Chance, dass jemand von der Attacke etwas mitbekommen hat – und sich jetzt meldet.

Die Figur, die den Brückenbaumeister darstellen soll, hat ihren Platz an der höchsten Stelle der Brücke; das Mandl thront auf einem Sockel, rund elf Meter über dem Donaustrudel. Die Skulptur ist ein Werk des Bildhauers Anton Blank und wurde am 23. April 1854 aufgestellt. Die abenteuerliche Geschichte, die sich darum rankt, bezieht sich jedoch auf Vorgänger:

Das Historische Museum verwahrt den Torso des alten, jedoch ebenfalls nicht ursprünglichen Männchens, eine Sandsteinfigur, der Arme und Beine fehlen. Auch davor gab es schon ein Bruckmandl, das allerdings 1579 zerstört wurde; von ihm fehlt jede Spur. Laut Bauamtschronik musste eine neue Figur angefertigt werden, jene also, die heute im Museum liegt.

Was mit der nun ebenfalls arg ramponierten Mandl geschieht, wusste am Donnerstag niemand zu sagen. Eine schnelle Lösung erscheint unwahrscheinlich, zumal ja auch der Brückenabschnitt, auf dem sich das Wahrzeichen befindet, in absehbarer Zeit komplett saniert wird. Die Vorgänger sollen sich ohnehin auf der gegenüberliegenden Seite der Brücke befunden haben. Es böte sich also an, das Mandl wieder an seinen ursprünglichen Platz zurückzuversetzen. Aber das alles wird, so Juliane von Roenne-Styra, Leiterin der städtischen Pressestelle, in diversen Gesprächen zu klären sein.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht