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Szene

Das Chaplin macht trotz Insolvenz weiter

Das Regensburger Kultlokal ist in finanzielle Schieflage geraten. Brauerei Paulaner hält als Verpächterin an der Kneipe fest.
Von Christof Seidl

Für die Kultkneipe Chaplin sucht die Brauerei Paulaner für die Zeit nach dem Insolvenzverfahren einen neuen Pächter. Foto: Seidl
Für die Kultkneipe Chaplin sucht die Brauerei Paulaner für die Zeit nach dem Insolvenzverfahren einen neuen Pächter. Foto: Seidl

Regensburg.Im Chaplin-Garten ist die Hitze an diesem Donnerstagmittag dank des Schattens riesiger Bäume gut zu ertragen. Rund die Hälfte der Tische ist besetzt, Bedienungen bringen Getränke und Essen – in dem Kultlokal läuft der Betrieb so entspannt wie in den vergangenen 35 Jahren.

Da klingt es überraschend, dass die Chaplin Gastro GmbH, die das Lokal betreibt, seit 2. Juli Gegenstand eines Insolvenzverfahrens ist. Der Regensburger Rechtsanwalt Dr. Hans-Peter Lehner führt das Unternehmen als vorläufiger Insolvenzverwalter und sorgt dafür, dass der Betrieb weiterläuft.

Eine dauerhafte Lösung für das Chaplin

Nach Angaben seiner Kanzlei stehen die Chancen gut, eine dauerhafte Lösung für das Chaplin zu finden. Es gebe eine Vorfinanzierung in Sachen Insolvenzgeld, dadurch seien die Gehälter der Angestellten bis Ende September gesichert. Dazu komme die gute Zusammenarbeit mit der Münchner Brauerei Paulaner als Verpächterin. „Wir sind sehr positiv gestimmt.“

Sehen Sie hier ein Video vom Chaplin:

Kultlokal Chaplin in finanziellen Schwierigkeiten

Auslöser für das Insolvenzverfahren war die Krankenkasse DAK Gesundheit in Hamburg. Sie beantragte als Gläubigerin die Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das Vermögen der Chaplin Gastro GmbH. Der Grund dürften nicht gezahlte Krankenkassenbeiträge sein. Nach Informationen der Mittelbayerischen Zeitung hat die Betreibergesellschaft Schulden in erheblichem Umfang angehäuft.

Kultlokal wurde 2016 wiedereröffnet

Das Kultlokal ist erst vor gut zwei Jahren wiedereröffnet worden. Knapp ein Jahr zuvor hatte die langjährige Betreiberin des Chaplin, Jolanda Staudigl, im Herbst 2015 nach dem Auslaufen des Pachtvertrags beschlossen, das Lokal aufzugeben. Die Zukunft des Chaplin stand auf der Kippe. Die Brauerei Paulaner holte damals Nermin Kurtalic ins Boot. Er wurde Geschäftsführer der neu gegründeten Chaplin Gastro GmbH.

Schattige Idylle: der Biergarten des Chaplin Foto: Seidl
Schattige Idylle: der Biergarten des Chaplin Foto: Seidl

Kurtalic übernahm das bisherige Service- und Küchenpersonal und renovierte das Lokal. Küche, Kühlzelle, Lüftungssystem, Elektroinstallation, sanitäre Anlagen: Die komplette Infrastruktur wurde erneuert. Die dunkle Wandtäfelung verschwand, das neue, helle Interieur war geprägt von Tischen aus massivem Eichenholz, die auf stählernen Füßen stehen, und von transparenten Plastikstühlen. Das Chaplin mit seinem schattigen Biergartenlief immer noch gut, so voll wie zu seinen besten Zeiten war es aber nicht mehr.

Mehr Bilder vom Umbau des Chaplin sehen Sie hier:

Der Umbau des Chaplin in Regensburg

Geschäftsführung des Chaplin wechselte im April 2018

Im April wechselte die Geschäftsführung. Kurtalic stieg aus der GmbH aus, neuer Geschäftsführer wurde Bruno Jelic. An dem Insolvenzverfahren konnte er offenbar auch nichts mehr ändern. Er selbst stand am Donnerstag nicht für Fragen der MZ zur Verfügung, da er sich nach Angaben seiner Familie in Kroatien aufhält.

Die Brauerei Paulaner erklärte auf Anfrage der Mittelbayerischen Zeitung, dass das Chaplin auf jeden Fall weiterbestehen soll. Für die Zeit nach der vorläufigen Insolvenz werde ein neuer Pächter gesucht. Pressesprecherin Birgit Zacher: „Die jetzigen Pächter sind gekündigt.“

Die Geschichte der Kultkneipe

  • Eröffnung:

    Im Dezember 1982, also vor über 33 Jahren, hat Jolanda Staudigl im das Lokal neben dem Ostentorkino zum ersten Mal Gäste begrüßt. In der langen Zeit ist unter ihrer Führung die Kneipe zu einer echten Institution in Regensburg geworden. Gegründet hat Jolanda Staudigl das Chaplin mit der Intention, eine legere Esskneipe für Studenten zu etablieren. Gutes Essen für wenig Geld sollte den Unterschied zu den vielen bürgerlichen Lokalen machen.

  • Entwicklung:

    Von der Studentenkneipe, wo vor allem viele Ostentorkinobesucher vor oder nach der Filmvorführung zum Essen hingingen, hat sich das Chaplin mit den Jahren zu einem Speiselokal für alle Schichten gemausert.

  • Rückschlag:

    Nach dem Auslaufen des Pachtvertrags hat sich Jolanda Staudigl zum Aufhören entschieden und die Kneipe am 28. November geschlossen. Die Zukunft des Chaplin stand auf der Kippe. Die Brauerei Paulaner holte Nermin Kurtalic ins Boot. Er ist der neue Chef im Chaplin und hat das bisherige Service- und Küchenpersonal übernommen.

  • Neueröffnung:

    Aktuell arbeiten dafür Handwerker. Die Inneneinrichtung wurde komplett herausgerissen. Auch die Küche wird erneuert. Die Arbeiten sollen Mitte März/Anfang April abgeschlossen sein. Die bisherigen Gerichte wird es auch in Zukunft geben. Laut Nermin Kurtalic soll das Chaplin keine Schickimicki-Bar werden. (km)

Seit der Eröffnung 1982 ist das Chaplin unter Jolanda Staudigl zu einer Institution in Regensburg geworden. Gegründet als legere Esskneipe für Studenten, wo vor allem viele Besucher des benachbarten Ostentorkinos vor oder nach der Filmvorführung zum Essen gingen, hat sich das Chaplin zu einem Speiselokal für alle Schichten gemausert. Der Biergarten steht in dem Ruf, einer der schönsten in der Stadt zu sein.

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