MyMz
Anzeige

Neuerscheinung

Das Geheimnis der Walhalla aufgeblättert

Dichter und Denker widmeten der Gedenkstätte bedeutender Persönlichkeiten „teutscher Zunge“ viele Zeilen. Nachzulesen sind sie in einem neuen Buch.
Von Davina Lang, MZ

  • Der Walhalla und auch ihrem Auftraggeber König Ludwig I. hat Eginhard König sein interessantes Leseheft gewidmet. Foto: dpa
  • Der Leiter des Staatlichen Bauamtes Regensburg, Hans Weber, Autor Eginhard König, Verleger Dr. Peter Morsbach und der Leiter der Regensburger Bänkelmusik, Artur Pfoser mit dem Buch und einer Tafel des Künstlers Klaus Caspers, auf der König Ludwig I. abgebildet ist. Foto: Davina Lang
  • Eginhard König vom Arbeitskreis Kultur Regensburger Bürger liest Walhalla-Texte. Foto: Davina Lang

Regensburg.Schwindelerregend schön ist es auf dem Bräuberg über der Donau, wo der bayerische König Ludwig I. im Jahr 1842 für vier Millionen Gulden einen griechischen Tempel zur Ehrung „rühmlich ausgezeichneter Teutschen“ erbauen ließ. „Bei Regensburg lässt er erbaun eine marmorne Schädelstätte, und er hat höchstselbst für jeden Kopf verfertigt die Etikette“, spottete Heinrich Heine damals in einem Gedicht über König Ludwig I. von Bayern. Diese berühmten Zeilen dienten auch als Titel der neuen Lektüre zur Walhalla: Eine Sammlung von Texten über das Bauwerk und ihren Schöpfer König Ludwig I., zusammengefasst und erläutert von Eginhard König vom Arbeitskreis Kultur Regensburger Bürger.

Das Hauptthema des Leseheftes ist die Walhalla – heute für viele in erster Linie ein wunderschönes Bauwerk des Klassizismus mit bester Aussicht auf die Donauebene, damals erbaut als Gedenkstätte bedeutender Persönlichkeiten „teutscher Zunge“. Über das engere Thema hinaus, ist auch der Auftraggeber Ludwig I. Gegenstand des Leseheftes. Dabei wird selbstverständlich auch des Öfteren Lola Montez erwähnt.

Der König schreibt

Die neue Publikation zum berühmten Säulentempel mit Ausblick auf das Donautal vereint lyrische Eigenproduktionen von Bayern-König Ludwig I., schwülstige Huldigungsreime und böse Spottgedichte, sachliche Beschreibungen und subjektive Urteile von Zeitgenossen und Nachfahren. „Ein Buch bei dem man auch laut lachen muss“, so Verleger Dr. Peter Morsbach. Autoren der Texte sind der König selbst, Politiker, Gelehrte, Journalisten, Schriftsteller, Dichter und Bildungsreisende. Hinzu kommen Auszüge aus der früheren und späteren Reiseführerliteratur. Eingerahmt werden die Texte von kurzen historischen Kommentaren des Autors, die wie ein roter Faden durch die Zeitgeschichte führen.

Mindestens ebenso vielfältig wie das Leseheft selbst, fiel die Präsentation des „Biachls“ aus, wie es Verleger Morsbach am Freitagabend bei der Buchvorstellung im ehemaligen Regensburger Ballsaal des Aktionshauses Keup am Haidplatz liebevoll nannte. Den bunten Abend veranstaltete der Dr. Peter-Morsbach-Verlag gemeinsam mit der Akademie für Erwachsenenbildung, dem Arbeitskreis Kultur Regensburger Bürger e.V. sowie der Staatlichen Bibliothek Regensburg. Anlass zur Textsammlung sei die Vorbereitung einer Walhalla-Lesung gewesen, erzählte Morsbach am Präsentationsabend. Die große Anzahl lehrreicher, unterhaltsamer, pathetischer oder gar skurriler Texte führte zur Idee der Publikation.

Schlag gegen Moralapostel

Am Abend der Buchvorstellung las Eginhard König Lyrik von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, Veit Valentin und klar: von Heinrich Heine. Dabei sorgten so einige Gedichte für Belustigung im gut gefüllten Saal. So auch der dreihebige, jambische Zweizeiler als Antwort an den Münchner Erzbischof, der sich über den Lebenswandel des Königs beschwerte: „Bleib du bei deiner Stola, ich bleib bei meiner Lola“, hieß es da.

Über die Beziehung von König Ludwig und seiner Lola präsentierte die Regensburger Bänkelmusik ein Kabarett. Bänkelmusik-Leiter Artur Pfoser untersuchte dabei „Das Geheimnis der Walhalla oder warum so wenig Frauen in der Walhalla sind“.

Nach der Lesart der Regensburger Bänkelmusik sollte Lola Montez der Grund für die geringe Anzahl der Frauen in der Walhalla sein, da diese eine Büste für sich verlangte und keine anderen Frauen neben sich duldete.

Tatsächlich verfügte der König in seinem Testament, dass erst 150 Jahre nach seinem Ableben eine Frauenbüste in die Walhalla aufgenommen werden dürfe.

„Möchte Walhalla förderlich sein der Erstarkung und Vermehrung deutschen Sinnes!“, feierte Ludwig seinen Denkmalbau. Doch schon sechs Jahre nach der Einweihung legte er wegen der Unruhen um seine Liebesaffäre zu Lola Montez die Krone nieder.

Eine großartige Hommage

Urteile, Beschreibungen sowie Spott und Huldigungen zur Walhalla und zu ihrem „Erbauer“ König Ludwig I. sind heute zwar nicht für ewig in Stein gemeißelt, aber auf 97 Seiten aus Papier zusammengefasst.

Das Büchlein, das im Dr. Peter-Morsbach-Verlag erschienen ist, bildet eine schöne Hommage an das klassizistische Bauwerk und seinen König Ludwig. Die bei der Buchvorstellung gegebenen Kostproben waren höchst unterhaltsam und vielversprechend.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht