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Nostalgie

Das Jahnstadion kommt in Miniatur zurück

Vor einem Jahr wurde die alte Regensburger Spielstätte des SSV abgerissen. Bald entsteht sie neu: als Kunst zum Sitzen.
Von Gustav Wabra

Ein Münchner Künstler hat die alte Spielstätte als Sitzgelegenheit entworfen. Sie wird auf dem ehemaligen Gelände gebaut. Foto: Effenhauser
Ein Münchner Künstler hat die alte Spielstätte als Sitzgelegenheit entworfen. Sie wird auf dem ehemaligen Gelände gebaut. Foto: Effenhauser

Regensburg.Mal wieder im alten Jahnstadion stehen, der Traum vieler Fans. Die Mannschaft siegen sehen, im Wind die Steaksemmel riechen, „SSV“ skandieren. Was wie romantisch-nostalgische Fangedanken klingt, wird bald fast wieder wahr. Das alte Jahnstadion kommt als Kunstwerk mit Sitzgelegenheit an die Prüfeningerstraße zurück. Dort soll es im Zuge des Neubaus der Kreuzschule entstehen. So hat es der Kulturausschuss der Stadt Regensburg beschlossen. Gewonnen hat der Entwurf des Münchner Künstlers Florian Froese-Peeck.

Sitz- und Stehplätze wird es geben, auf dem Rasen werden Bäume stehen, so sieht es der Entwurf vor. Der Clou dabei: Nicht alles wird in Miniatur sein, manche Elemente sind genau so groß wie früher, manche kleiner. Zum Beispiel wird der Rasen logischerweise nicht die Ausmaße eines echten Spielfeldes haben, die Stufen zum Sitzen sollen aber genau so groß sein wie die alten.

„Ich empfinde es als eine Ehre für alle, die regelmäßig ins Jahnstadion gegangen sind. Egal ob Spieler oder Fan, so eine Zeit darf man nicht vergessen.“

Horst Eberl, Jahnlegende

„Die Gestaltung aus Betonelementen gleicht der Form des ehemaligen Stadions, changiert aber zwischen verkleinertem Maßstab und Stadionelementen in Originalgröße“, heißt es in der Entscheidung der Stadt. Doch wie finden das eigentlich die Fans?

Anhänger sind gespalten

Die Jahnlegenden Horst Eberl und Hans Meichel sind von den Planungen begeistert. Sie kickten jahrelang im alten Stadion. „Jedes Mal wenn ich die Prüfeningerstraße entlangfahre, denke ich, es steht noch“, sagt Hans Meichel. Für ihn wäre das Miniaturstadion ein schönes Zeichen, um darauf hinzuweisen, dass dort einmal das Stadion stand.

Reste des alten Stadions sind noch am Rande der Baustelle zu sehen. Foto: Wabra
Reste des alten Stadions sind noch am Rande der Baustelle zu sehen. Foto: Wabra

Die Geschichte des Ortes nicht vergessen, das ist ihm wichtig. Niemand könne das Stadion zurückbringen, aber er freue sich, dass die Erinnerung daran erhalten bleiben soll.

Sehen Sie hier ein Video von der aktuellen Baustelle

Jahnstadion kommt als Kunstwerk zurück

Horst Eberl, der ehemalige Verteidiger, freut sich über den kreativen Ansatz. „Wenn man dort ein bisschen wie im alten Stadion sitzen kann, freut mich das sehr.“ Er kann sich vorstellen, sich dort mit alten Spielern zu treffen und die Erinnerung an die alten Zeiten aufleben zu lassen. „Ich empfinde es als eine Ehre für alle, die regelmäßig ins Jahnstadion gegangen sind. Egal ob Spieler oder Fan, so eine Zeit darf man nicht vergessen.“

„Ich bin kein Fußballfan, das muss ich von Anfang an sagen, deswegen kann ich unbefangen an die ganze Sache herangehen.“

Florian Froese-Peeck, Künstler

Franz Preuss vom Fanclub „Power of the Tower“ freut sich allerdings nicht über das Kunstwerk. Für ihn wird es keine Gedenkstätte an das alte Stadion sein, sondern durch die Nähe zu einer Schule eher ein Spielplatz für Kinder. „Ich halte gar nichts von der Idee“, sagt der langjährige Jahnfan. Vor allem sieht er den Turm, eines der Wahrzeichen des alten Jahnstadions, als wichtigen Teil der Tradition des Vereins an. Ein neues Ministadion bräuchte es nicht, laut Preuss, wenn man den Turm restaurieren und zum neuen Stadion, der Continental Arena, bringen würde.

Bauarbeiten

Neue Schule – doch der Jahnturm bleibt

Ab 2020 wacht in Regensburg ein Jahn-Unikat über die neue Kreuzschule. Das lässt sich die Stadt einiges kosten.

Das alte Jahnstadion musste 2017 abgerissen werden, weil es nicht mehr den Standards entsprochen hatte. Die Schulbank wird indes 2019 endgültig die Auswechselbank an der Prüfeningerstraße abgelöst haben. Dort, wo 1926 das Jahnstadion gebaut und 2015 abgerissen wurde, entsteht gerade bis Ende des kommenden Jahres die neue Kreuzschule mit Kinderhort. Wenig erinnert noch dort an die Zeiten des Stadions an der Prüfeningerstraße außer dessen Markenzeichen, der Jahn-Turm, versteckt am Rand der Baustelle. Teile der Tribüne stehen noch, ein paar verblichene Fansticker deuten auf die reiche Vergangenheit hin.

„Ich halte gar nichts von der Idee.“

Franz Preuss, Jahnfan

Jetzt soll dem Stadion ein Denkmal gesetzt werden. Der Beitrag „Stadion“ des Künstlers Florian Froese-Peeck überzeugte die Mitglieder des Preisgerichts, unter anderem auch die Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer. Der Entwurf für das Miniaturstadion setzte sich gegen neun weitere Vorschläge, darunter von zwei Regensburger Künstlern, durch. Über die Kosten des Kunstwerks gab die Stadt noch keine Auskunft. Geplant sei eine Fertigstellung mit dem Bauabschluss der Kreuzschule im Sommer 2019 und somit zum Beginn des neuen Schuljahres, heißt es von der Stadt.

Jahn-Turm wird Sitzhocker

„Ich bin kein Fußballfan, das muss ich von Anfang an sagen, deswegen kann ich unbefangen an die ganze Sache herangehen.“ Im Gespräch mit der Mittelbayerischen erklärt der Künstler, dass er vorhabe, Elemente des alten Stadions mit in die Planungen aufzunehmen. Zum Beispiel ist der Jahn-Turm in kleiner Version als Sitzhocker auf der „Gegengeraden“ angedacht. Auch die alte Tribüne soll in kleiner Form wieder aufgebaut werden.

„Da es Kunst ist, darf es auch nicht gar so rustikal sein, wie das alte Stadion.“

Horst Eberl, Jahnlegende

Florian Froese-Peeck möchte die „Energie“ des Ortes in sein Kunstwerk aufnehmen und die Besonderheit eines Stadions innerhalb einer Stadt aufzeigen. Dabei sollen auch Originalteile des alten Stadions verwendet werden. Wie groß das Mini-Jahnstadion am Ende sein wird, steht noch nicht fest. „Das orientiere sich an den Bäumen in der Mitte.“ Er freue sich, dass sich die Stadt für seinen Entwurf entschieden habe. Jetzt beginnen die konkreten Planungen, sagt Florian Froese-Peeck.

Der Künstler hat mit seinen Überlegungen zumindest den Geschmack der Jahnlegenden Horst Eberl und Hans Meichel getroffen. „Da es Kunst ist, darf es auch nicht gar so rustikal sein, wie das alte Stadion“, sagt Horst Eberl mit einem Augenzwinkern.

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