MyMz
Anzeige

Politik

Das Rennen um die Direktmandate beginnt

Der CSU-Stadtchef positioniert sich klar für die Regensburgerin Dr. Astrid Freudenstein. Die SPD stellt ihren Kandidaten vor.
Von Julia Ried, MZ

Die Bundestagsabgeordneten Dr. Astrid Freudenstein und Philipp Graf von und zu Lerchenfeld. Freudenstein, die über die Liste in das Parlament kam, will 2017 unbedingt als Direktkandidatin antreten.
Die Bundestagsabgeordneten Dr. Astrid Freudenstein und Philipp Graf von und zu Lerchenfeld. Freudenstein, die über die Liste in das Parlament kam, will 2017 unbedingt als Direktkandidatin antreten. Foto: Büro Lerchenfeld

Regensburg.Anfang 2013 hatte sich Dr. Astrid Freudenstein noch zurückgenommen. Im Wettbewerb um die CSU-Direktkandidatur im Bundeswahlkreis 233 war sie nicht gegen Philipp Graf von und zu Lerchenfeld angetreten, dem Bewerber aus dem Landkreis, sondern hatte es über die Liste gerade noch ins Parlament geschafft. Jetzt will die 42-Jährige dem Älteren das Direktmandat nicht kampflos überlassen – und bekommt Unterstützung von Dr. Franz Rieger, Vorsitzender des CSU-Kreisverbandes Regensburg-Stadt. „Sie hat die größere Zukunftsperspektive“, erklärte er am Montag im Gespräch deutlich. Wenn bei der Bundestagswahl im September 2017 ein Kandidat der SPD im Bundeswahlkreis Regensburg das Direktmandat holt, wäre das eine politische Sensation. Doch genau das erklärten die Vertreter des SPD-Unterbezirks am Montag als ihr großes Ziel: Im Lokal „Leerer Beutel“ stellten sie den Regensburger Stadtrat Dr. Tobias Hammerl als ihren Direktkandidaten für den Bundestag vor.

CSU-Chef Rieger wollte nun offensichtlich nicht mehr warten, bis sich CSU-Landkreischef Peter Aumer, der dritte potenzielle Direktkandidat, erklärt. Rieger hält die Bundestagswahl 2017 für besonders wichtig für das Schicksal der CSU in der Region. Mit dem Satz „die hat als Auftaktwahl natürlich eine Signalwirkung“, wies der Kreisvorsitzende auf die darauffolgenden Urnengänge im Land, in Europa und in den Gemeinden hin. „Da sollen wir wieder zeigen, dass wir eine politische Macht sind. Deshalb ist es mir wichtig, dass man mit dem besten und dem aussichtsreichsten Kandidaten da reingeht.“

Rieger: „eine ganz moderne Kandidatin“

So eine „Idealbesetzung“ ist für ihn Freudenstein. Sie sei „unverbraucht“, aber kein Neuling mehr – und eine „ganz moderne Kandidatin“, sagte der Landtagsabgeordnete über die gelernte Journalistin und Mutter eines Sohnes, die vor ihrer Zeit im Bundestag auch als Uni-Dozentin arbeitete. Rieger will mit seinem Vorstoß offenbar dazu beitragen, dass eine CSU-Politikerin, der noch viele Karrierewege offenstehen, die Region in Berlin vertritt.

Über Graf Lerchenfeld sagte er: „Er ist ein kompetenter Bundestagsabgeordneter, der sich unter anderem im Steuerrecht einen Namen gemacht hat. Aber ich glaube, es ist legitim, wenn man sich neu aufstellt, sofern das demokratisch legitimiert wird.“ Graf Lerchenfeld wäre bei seiner Wahl 65. Der Landwirt, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und ehemalige Landtagsabgeordnete hat bereits erklärt, wieder als Direktkandidat antreten zu wollen.

Er geht mit einer Hausmacht in die Nominierungsversammlung, in der die Landkreis-CSU eine Zwei-Drittel-Mehrheit hat. Deren Vertreter will Rieger von Freudenstein überzeugen – er setzt darauf, dass sie nicht nach Verwaltungsgrenzen entscheiden.

„Ich glaube, dass die Delegierten sehen, dass man den Großraum Regensburg nicht mehr trennen kann in Stadt und Land.“ An die Vertreter des Umlandes appelliert Rieger, „dass wir gemeinsam marschieren und dass wir einen Weg wählen, der fair und demokratisch ist.“ Eine Kampfabstimmung werde sich aber wohl nicht vermeiden lassen. Davon geht auch Freudenstein aus, wie sie am Montag unserer Zeitung sagte. Aumer reagierte nicht auf eine Anfrage. Vor drei Wochen hatte er ausdrücklich offengelassen, ob er sich als Direktkandidat bewirbt.

Wolbergs: „Wir kämpfen um den Sieg“

Mit seinem SPD-Fahrrad will Tobias Hammerl in den Wahlkampf fahren. Margit Wild, Sebastian Koch und Joachim Wolbergs (von links) unterstützen ihn.
Mit seinem SPD-Fahrrad will Tobias Hammerl in den Wahlkampf fahren. Margit Wild, Sebastian Koch und Joachim Wolbergs (von links) unterstützen ihn.Foto: Ried

Für die Sozialdemokraten erklärte Oberbürgermeister Joachim Wolbergs als Unterbezirksvorsitzender: „Der SPD-Unterbezirk hat sich in seiner jüngsten Sitzung einstimmig dafür entschieden, den Dr. Tobias Hammerl im September der Delegiertenkonferenz vorzuschlagen.“ Sowohl Wolbergs als auch Margit Wild, Vorsitzende des Stadtverbands, und der Wenzenbacher Bürgermeister Sebastian Koch als Vertreter des Landkreises, betonten, Hammerl sei kein „Aufbaukandidat“, der den Bundestagswahlkampf nur nutzen wolle, um sich bekannter zu machen, das Mandat aber nicht ernsthaft anstrebe. Insofern spiele auch der Listenplatz, über den im Dezember die Landesvertreterversammlung der Bayern-SPD entscheidet, eine nachrangige Rolle. „Wir kämpfen nicht um irgendeinen Platz. Wir kämpfen um den Sieg“, sagte Wolbergs. Es sei „keine Selbstverständlichkeit, dass die SPD kein Direktmandat erringt“. Die Voraussetzungen dafür seien hier nach der gewonnenen Kommunalwahl gut. Hammerl sei der Richtige, weil „er eine grundsätzliche Vorstellung hat, wie Leben sein soll“.

Zur Bundestagswahl 2013, bei der die Bayern-SPD kein einziges Direktmandat gewann, hatte die Regensburger SPD den Brunner Bürgermeister Karl Söllner ins Rennen geschickt. Er hatte sich damals im Vorfeld gegen Stadtrat Dr. Thomas Burger durchgesetzt. Nun wollten beide nicht mehr antreten, wie Wolbergs sagte.

Mit dem 38-jährigen Hammerl hat sich die SPD für einen relativ unbekannten Kandidaten entschieden. Das räumte der Historiker, der das Abensberger Stadtmuseum leitet, selbst ein. Insofern sei er froh über die frühe Nominierung. „Ich möchte diese Region auch in Berlin vertreten“, erklärte er. Als großes politisches Ziel nannte er: „Wir müssen daran denken, wie wir die armen Menschen dorthin bringen, dass sie am Leben teilhaben können.“

Direkt- und Listenmandate

  • Direktmandate:

    299 Abgeordnete des Bundestags werden direkt in ihrem Wahlkreis gewählt. Der Kandidat, der das Direktmandat gewonnen hat, zieht automatisch in den Bundestag ein.

  • Listenmandate:

    Mindestens 299 Abgeordnete des Bundestags werden über die Wahlliste ihrer Partei gewählt. Die Zweitstimme kann unabhängig von der Erststimme vergeben werden.

  • Überhangmandate:

    Hat eine Partei mehr Direktmandate, als ihr nach Zweitstimmen zustehen, kommt es zu Überhangmandaten. 2013 gab es vier Überhangmandate für die CDU.

Mehr Nachrichten aus der Regensburger Politik lesen Sie hier.

Aktuelle Nachrichten von mittelbayerische.de auch über WhatsApp. Hier anmelden: https://www.mittelbayerische.de/whatsapp

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht