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Politik

Das sind Regensburgs OB-Kandidaten

Wer wird Rathauschef? Wir stellen die nominierten und inoffiziellen OB-Kandidaten der Regensburger Parteien vor.
von Norbert Lösch

Wer macht das Rennen um des Chefsessel im Rathaus? Foto: altrofoto.de
Wer macht das Rennen um des Chefsessel im Rathaus? Foto: altrofoto.de

Gertrud Maltz-Schwarzfischer

Eine überzeugte Sozialdemokratin will es wissen: Sie ist für die SPD gesetzt

Zweieinhalb Jahre Kärrnerarbeit an der Spitze einer Stadt, der die Justiz die gewählte Führung entzogen hatte: Die überzeugte Sozialdemokratin will im März von der Nummer zwei in der Stadtverwaltung zur Nummer eins aufsteigen. Gertrud Maltz-Schwarzfischer ist die Spitzenkandidatin des SPD-Stadtverbands, der sie einstimmig dafür vorschlug. Auch wenn die Delegierten in wenigen Tagen das letzte Wort haben, gilt sie längst als gesetzt. Die SPD-Bewerberin rechnet mit einem „turbulenten Wahlkampf“ und steht programmatisch für eine offene, tolerante und soziale Stadtgesellschaft, die niemanden ausgrenzt.

Interview mit Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer Presseclub Regensburg Foto: altrofoto.de
Interview mit Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer Presseclub Regensburg Foto: altrofoto.de

Im MZ-Interview sagte sie unlängst, was ihr in der nächsten Legislaturperiode vorschwebt: Lösungen und Konzepte zu finden für die „großen Themen“ Digitalisierung, Verkehr, Umwelt und Klimawandel, Migration, Altersarmut und Wohnungsnot. Die gebürtige Oberfränkin und gelernte Archäologin, Jahrgang 1960, ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Joachim Wolbergs

Mit der „Brücke“ zurück ins politische Leben – dafür kämpft der suspendierte OB

„Ich will definitiv zurück. Ich bin gewählt“, sagte Joachim Wolbergs unzählige Male in den zweieinhalb Jahren, in denen ihm die Justiz den Prozess machte. Der hat unlängst ein angesichts der ursprünglichen Vorwürfe und einer mehrwöchigen Untersuchungshaft mildes Ende gefunden. In zwei Fällen von Vorteilsannahme verurteilt, straffrei aus dem Gerichtssaal entlassen, dennoch weiter vom Amt suspendiert – in dieser Situation steckt der im März 2014 von den Regensburgern mit überwältigender Mehrheit gewählte Oberbürgermeister.

Noch vor einem Jahr wollte er wieder SPD-Spitzenkandidat für die Kommunalwahl 2020 werden. Mit der SPD hat er inzwischen völlig gebrochen, seit Wochen gibt es heftige Auseinandersetzungen. Sein Wahlverein „Brücke“ dürfte dennoch programmatisch einige Schnittmengen mit seiner alten Partei haben. Das Credo lautet: „Regensburg soll auch in Zukunft eine weltoffene und tolerante Stadt sein, in der die Menschen aufeinander aufpassen und sich umeinander kümmern“.

Dr. Astrid Freudenstein

Zum zweiten Mal im Bundestag, zum ersten Mal Spitzenkandidatin der CSU in Regensburg

Mit dem Rückzug ihrer parteiinternen Konkurrenten Dagmar Schmidl und Jürgen Eberwein steht jetzt fest, was erwartbar war: Die Bundestagsabgeordnete Dr. Astrid Freudenstein wird sich für die CSU um das Amt des Oberbürgermeisters bewerben. Die 45-jährige gelernte Journalistin und Medienwissenschaftlerin zog zweimal überraschend in den Bundestag ein – 2013 auf einem eher aussichtslosen Listenplatz und vor wenigen Tagen als Nachrückerin.

Freudenstein tritt für ihre Überzeugungen ein – zum Beispiel als sie 2017 für die gleichgeschlechtliche Ehe stimmte. Auf lokaler Ebene sorgte ihre Forderung nach einer inhaltlichen und personellen Erneuerung der CSU für einige Unruhe. 62 Prozent Zustimmung bei der Mitglieder-Befragung wertet sie als „Rückenwind“ für ihre Nominierung am 27. Juli, die nur noch eine Formsache sein dürfte.

Analyse

Das Vakuum im Rathaus bleibt

Auch nach dem Wolbergs-Urteil bleibt der OB-Sessel unbesetzt. Es hat schon jetzt Einfluss auf die Kommunalwahl im März.


Stefan Christoph

Spült ihn die Sympathiewelle für die Grünen bis ins Herz des Regensburger Rathauses?

Verglichen mit „grünem Urgestein“ wie Margit Kunc oder Jürgen Mistol ist der erst 2015 ins Amt des Stadtverbandsvorsitzenden gewählte Politikwissenschaftler Stefan Christoph ein eher unbeschriebenes Blatt im großen Buch der Regensburger Politikgeschichte. Grün hinter den Ohren ist er freilich nicht, war er doch zwei Jahre lang Landesvorsitzender der Grünen Jugend Bayern. Aktuell arbeitet er als Büroleiter und Wissenschaftlicher Mitarbeiter für die Grünen-Landtagsabgeordnete Verena Osgyan.

Bei den Landtags- und Bezirkstagswahlen 2018 gelang ihm der Sprung in den Bezirkstag. Seit Freitag ist er Spitzenkandidat der Regensburger Grünen für die Kommunalwahl. Der 31-Jährige gilt eher als „linker“ Grüner. „Politik vom Ziel her denken“, ist einer seiner Appelle. „Das heißt beispielsweise, Mobilitätspolitik für alle anstatt Autopolitik zu machen.“ Die Verkehrswende als oberste Priorität ist für ihn auch Voraussetzung , „um unsere ambitionierten Ziele im Klima- und Umweltschutz erreichen zu können“.

Die Unentschlossenen

  • Die Linke:

    Bei den Linksaußen in der Regensburger Politiklandschaft tut sich offenbar ein Personalproblem auf. 2014 war Stadtrat Richard Spieß in den Ring gestiegen, was sich im März nicht wiederholen wird. Spieß wird zwar auf dem Stadtratstableau noch als Mitglied der Linken-Fraktion geführt, hat der Partei aber Ende 2018 den Rücken gekehrt. Bliebe mit Irmgard Freihoffer die inzwischen einzige Vertreterin der Linken im Stadtrat – wenn denn ein Mandatsträger als OB-Kandidat antreten soll. Sie will die Sommerferien als Bedenkzeit nutzen – ob sie sich bewirbt oder ob die Linken überhaupt einen Kandidaten stellen, ist derzeit völlig offen.

  • ÖDP:

    „Wir haben im Vorfeld drei Aspiranten ausgemacht, am Ende gehe ich davon aus, dass sich nur einer zur Wahl stellen wird“, sagt Cornelius Herb, Kreisvorsitzender der ÖDP. Wer die drei oder der eine Kandidat sein werden, wollte der Diplomkaufmann im Gespräch mit der Mittelbayerischen nicht mitteilen. Fest steht, dass am heutigen Mittwochdie ÖDP ihren OB-Kandidaten küren wird. Benedikt Suttner gilt als der aussichtsreichste Kandidat bei der parteiinternen Auswahl. Schon beim letzten Wahlkampf trat Suttner als Spitzenkandidat für die ökologische Partei an. Auf Fragen, ob er sich eine erneute Kandidatur vorstellen kann, wich der erfahrene Politiker bisher aus.

  • FW:

    Auch bei den Freien Wählern gibt es noch keinen eindeutigen OB-Kandidaten. Erst am 14. Oktober treffen sich die Regensburger Freien Wähler zur Nominierungsversammlung. „Wir haben in den eigenen Reihen ein paar geeignete Persönlichkeiten“, sagt Stadtverbands-Vorsitzender Ludwig Artinger. Er selbst war schon OB-Kandidat für seine Partei, eine erneute Kandidatur möchte er weder bestätigen noch dementieren. „Wir befinden uns in einer internen Diskussion und dem Ergebnis möchte ich – auch aus Respekt vor allen Kandidaten – nicht vorgreifen“, sagt Artinger. Die Liste für den Stadtrat wird bei den Freien Wählern erst im November beschlossen.

Horst Meierhofer

Der Spitzenkandidat der FDP will das Spitzen-Niveau der Regensburger Wirtschaft halten


Ganz und gar kein unbeschriebenes Blatt in der Regensburger Kommunalpolitik ist Horst Meierhofer von den Freien Demokraten. Der FDP-Stadtverband nominierte den Stadtrat (seit 2002) erneut als OB-Kandidaten. Der 47-Jährige saß von 2005 bis 2013 im Bundestag und ist seit 2014 Geschäftsführer des Landesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft in Hessen und Rheinland-Pfalz. In Regensburg will er die Wirtschaft stärken und als OB „fortsetzen, was wir in der Koalition in den letzten Jahren gut gemacht haben“. Die zentrale Herausforderung werde sein, die Regensburger Wirtschaftskraft und Jobs zu erhalten.

„Das Geld wird in den kommenden Jahren nicht mehr ganz so locker sitzen.“ Diese Prognose bestätigte unlängst der städtische Finanzreferent Dieter Daminger, der die heuer erwarteten Gewerbesteuereinnahmen um 50 Millionen nach unten korrigierte. Beim Dauerthema Verkehr setzt Meierhofer nicht auf Verbote. „Fronten wollen wir nicht“, betont er. Sein Konzept: deutliche Verbesserungen beim ÖPNV und bei der Infrastruktur für Radler.

Christian Janele

Dem Einzelkämpfer der CSB im Stadtrat dauert das Warten auf die Stadtbahn zu lange

Christian Janele ist seit Mai 2014 Vorsitzender der Christlich-Sozialen Bürger (CSB) in Regensburg, im Juni 2015 rückte er für den verstorbenen Dr. Eberhard Dünninger in den Stadtrat nach. Gleichwohl war er schon im Kommunalwahlkampf 2014 Spitzenkandidat der CSB. Jetzt tritt der selbstständige Immobilienkaufmann wieder an – mit klaren Vorstellungen für ein Regensburg der Zukunft. Eine Parallele zur Pfaffensteiner Brücke, sichere Radwege und ein viel attraktiveres Park&Ride-System ohne Parkgebühren sind seine Lösungsansätze für die Verkehrspolitik.

Auf eine schienengebundene Stadtbahn müsse Regensburg viel zu lange warten; stattdessen plädiert er „entweder für Elektro-Gelenkbusse oder für eine E-Bahn auf Reifen, wie sie etwa Hamburg anschafft. Das würde auch die Oberleitungen überflüssig machen.“

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