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Regensburg
Montag, 16. Juli 2018 29° 8

Kabarett

Das Traumschiff auf dem Ziegetsberg

Zur Politischen Maiandacht schenkte Peter Kittel, der Regisseur und Erfinder des Kabarett-Spektakels, der Regensburger Politprominenz ordentlich ein.
Von Heike Haala, MZ

Regensburg.Die Politische Maiandacht braucht den Vergleich mit dem Politiker-Derblecken auf dem Münchner Nockherberg nicht scheuen. Das war schon vor der 18. Auflage der Veranstaltung am Montagabend in der Hubertushöhe allen klar. Doch heuer waren die Gäste besonders gespannt. Wie würde Erfinder und Initiator Peter Kittel, dessen Herz bekannterweise eher CSU-nah schlägt, die politischen Verwerfungen bei der Kommunalwahl in Szene setzen? Wie würde er es schaffen, dem Auf und Ab des harten Wahlkampfs gerecht werden? Nach mehr als drei Stunden Regensburger Politik-Kabarett-Spektakel applaudierten die Gäste im rappelvollen Festsaal minutenlang. Die Zuschauer schwärmten, dass Peter Kittel sich in diesem Jahr wieder einmal selbst übertroffen habe. Und zwar sowohl bei der Rede für die Levitenlesung, die er für das Stoiber-Double Wolfgang Krebs geschrieben hatte, als auch beim Singspiel zum Thema „Das Boot“, das er als Regisseur ersann und inszenierte.

Krebs kam in seiner Paraderolle als Edmund Stoiber nicht umhin, bei seinem Besuch auf der Hubertushöhe zuallererst die Männer aus den eigenen Reihen ins Gebet zu nehmen. Pastoral begrüßte er die „Trauergemeinde der CSU“. Voller Sorge würden ihn die Ereignisse der vergangenen Wochen erfüllen. Als Schuldige hatte er den Regensburger CSU-Kreisvorsitzenden Dr. Franz Rieger und den ehemaligen OB-Kandidaten Christian Schlegl schnell ausgemacht.

Die SPD glänzte durch Abwesenheit

Von der SPD entdeckte Stoiber einzig Stadtrat Hans Holler im Publikum, den er als „verdeckten Maiandachtsermittler im Dienste seiner Partei“ bezeichnete. Die neue Landrätin Tanja Schweiger war mit ihrem Lebensgefährten, dem FW-Chef Hubert Aiwanger, auf die Hubertushöhe gekommen – ein Umstand, den der Landesvater natürlich nicht unkommentiert stehen lassen konnte: Aiwanger imitierend, rief er in dessen Dialekt einen Trinkspruch aus: „Ist’s im Februor noch kolt, kommt der Opfeisoft recht bold. Doch ist’s im Jonuor recht lau, dann wird der Londrot eine Frau!“ Schweiger hingegen billigte Stoiber einen Killerinstinkt zu, dem ihr Herausforderer Peter Aumer (CSU) mit seinem Wattebällchengewerfe nichts entgegenzusetzen gehabt hätte. Auch die Koalitionspartner des neuen Regensburger OBs Joachim Wolbergs bekamen ihr Fett weg: Horst Meierhofer (FDP), Jürgen Huber (Grüne) und Ludwig Artinger (FW) attestierte Stoiber Rückgratlosigkeit bei den Koalitionsverhandlungen. MdB Astrid Freudenstein dagegen sah er bereits als neue OB-Kandidatin mit einem klitzekleinen Schuss „Machtgeilheit“.

Das folgende Singspiel hatte den Titel „Das Boot“. Kittel startete mit zwei Szenen aus dem Wahlkampffinale auf hoher See, die die Ausgangslage des Wahlkampfs beschrieben: eine zunächst siegessichere CSU und eine im Rückstand liegende SPD: Während die CSUler Christian Schlegl (Christian Piwonka), Hermann Vanino (Alexander Ritschel), Michael Lehner (Oliver Urbas), Dr. Franz Rieger (Robert Paul) und Astrid Freudenstein (Silke Engelmann) in Militäruniformen auftraten und über ein modernes U-Boot verfügten, dümpelten die SPDler, Leichtmatrose Joachim Wolbergs (Markus Dillig) und Seebär Norbert Hartl (Marcus Klare), in einem knallroten Gummiboot durch den Wahlkampf auf das herrenlose Traumschiff MS Ratisbona zu. Als Schlegl Vanino seine vier Kampftorpedos „Der kann’s“, „Bustunnel“, „10 000 neue Wohnungen“ und „Aufkündigung der großen Koalition“ auf das Gummiboot abfeuern ließ, kam der Torpedofächer zurück und traf das eigene U-Boot. Eine Ramm-Aktion von Panzerkreuzer Hans (Schaidinger), der das eigene Parteischiff ins Visier nahm, gab ihnen den Rest.

Wolli kniete sich rein ins Boot

Wolli, der sich während des Gefechts in das Boot „reinkniete“ und die Hände aus Angst über dem Kopf zusammenschlug, ließ sich nach dem unerwarteten Sieg fortan als „größter Seeheld aller Zeiten“ und „Kapitän“ anreden. Er, Hartl und die neuen Koalitionspartner erstürmten das Traumschiff MS Ratisbona. Der Friede wurde allerdings gestört, weil die 2. Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (Sabine Beintinger) die schiffsbrüchige CSU an Bord ließ. Wolbergs war in dem Stück der klassische „schwache König“, der sich machtgierig und unfähig an die neue Rolle klammerte. Ständig verwechselte er nautische Fachbegriffe, ließ sich aber in seinem Kurs nicht mehr beirren. Am Ende wurde er übermütig. Lauthals verkündete er, dass er inzwischen von seiner Panik vor Schnee und Eis therapiert sei und gab die Parole „Eisberg – zieh dich warm an! Wir kommen! Rammkurs!“ aus.

Sonderapplaus gab es für eine Szene mit Freudenstein und Rieger in Anlehnung an das Drama „Titanic“. Freudenstein rang Rieger mit einer Interpretation des Soundtracks „My Heart will go on“ das Versprechen ab, nächste OB-Kandidatin zu werden. Und er war – „unter uns g’sagt“ – nicht abgeneigt. Applaus gab es auch für die Analysen des 3. Bürgermeisters Jürgen Huber (Martin Simon), die wie kunsthistorische Beschreibungen klangen. Der Kulturreferent Klemens Unger (Christoph Hofmann) war in dem Stück dafür zuständig, einen Empfang für den Bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer zu organisieren. Seine Idee: Das Fest soll in einer Hafenkaschemme aus der Zeit von Hans Albers und Marlene Dietrich spielen. Sogar die Hans-Albers-Statue wollte er aus Hamburg nach Regensburg versetzen lassen. Ein Vorhaben, das aber schließlich scheiterte.

Die Mai-Andacht wird heute um 19 Uhr und am Sonntag um 21 Uhr auf TVA ausgestrahlt.

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