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Politik

Das Vermächtnis des scheidenden OB

Hans Schaidinger weiht seinen Nachfolger Wolbergs in die Geheimnisse des Regierens ein. Und der ist von seiner Rolle als „Zauberlehrling“ begeistert.
Von Claudia Böken, MZ

Eindringlich macht OB Hans Schaidinger (rechts) seinen Nachfolger Joachim Wolbergs auf Tücken des Regierungsgeschäfts aufmerksam. Foto: Tino Lex

Regensburg.Viele Attribute sind Oberbürgermeister Hans Schaidinger im Laufe seiner 18-jährigen Amtszeit schon nachgesagt worden: Arroganz und Überheblichkeit, Machtbewusstsein und ein Mangel an Geduld. Sein designierter Nachfolger Joachim Wolbergs lernt den scheidenden Amtsinhaber momentan von einer ganz anderen Seite kennen: väterlich besorgt, dass der künftige Oberbürgermeister das Erbe, das er ihm hinterlässt, bewahren und mehren möge.

Wolbergs kennt Schaidinger seit langem, hat als dritter Bürgermeister in der Großen Koalition mehr oder weniger eng mit ihm zusammengearbeitet. Er hat auch den einen oder anderen Rüffel von ihm einstecken müssen, wenn er seine Befugnisse überschritten hat. Alles vergeben und vergessen, denn in seinen letzten Amtswochen zeigt sich der Oberbürgermeister Wolbergs gegenüber als perfekter Lehrmeister. „Ich bin ihm sehr dankbar, wie er die Amtsübergabe organisiert“, lobt Wolbergs.

Es war die Idee von Schaidinger

Es sei Schaidingers Idee gewesen, sich jeden Tag eine halbe Stunde oder länger zusammenzusetzen, um ihn auf seine künftigen Pflichten vorzubereiten, erzählt der OB-Lehrling, der ab 1. Mai in Amt und Würden treten wird. Mal bringe Schaidinger die Punkte mit, die ihm wichtig erscheinen, mal hat Wolbergs Fragen parat. Dabei hat der „Neue“ noch eine vergleichsweise leichte Amtsübernahme vor sich. Schließlich sitzt er schon seit sechs Jahren im Alten Rathaus und kennt die Leute, mit denen er künftig zu tun hat.

Aber das ist es auch nicht, was Schaidinger seinem Nachfolger mit auf den Weg gibt. Ihm geht es darum, ihn in den Themen firm zu machen, mit denen er bisher nichts zu tun hatte. Er vermittelt ihm Einblicke in die Arbeit des Städtetags, wo er jahrelang Vorsitzender war, oder in die Tochtergesellschaften, deren Aufsichtsratsvorsitzender Wolbergs künftig sein wird.

„Er gibt superintensiv Auskunft“

Wichtige Punkte: Wo steht die Verwaltung bei bestimmten Themen? Wie ist der momentane Sachstand beispielsweise bei der Leichtathletikhalle oder bei den früheren Kasernen an der Landshuter Straße? „Er gibt superintensiv Auskunft“, freut sich der Nachfolger.

„Das ist kennzeichnend für die sehr professionelle Haltung Schaidingers zum Wohl der Stadt.“ Ob der Amtsinhaber ihn auch davor warnt, Einflüsterungen von Außenstehenden anzunehmen oder everybodys Darling sein zu wollen, was Schaidinger nie war, bleibt ein Geheimnis der beiden. Weil Schaidinger bekanntermaßen gern früh in seinem Büro sitzt und beide ausgefüllte Arbeitstage haben, finden die meisten Treffen bereits um 7 oder 7.30 Uhr statt, manchmal auch abends.

Er habe dem OB mitgeteilt, dass er dessen Büro so übernehmen werde, wie es sei, weil es super funktioniere, erzählt Wolbergs. Die persönliche Referentin Schaidingers bekommt allerdings eine andere Aufgabe, weil Wolbergs seine eigene persönliche Referentin mitbringt, mit der er schon seit einigen Jahren zusammenarbeitet.

Dass sich Schaidinger nach dem Ende seiner Amtszeit weder in die Regensburger Politik noch in die Verwaltung einmischen wird, sagt er nicht erst, seit das Ende in Sicht ist. Eine Ausnahme allerdings könnte es geben: Wenn sein Nachfolger ihn um Rat bitten würde, stünde er ihm selbstverständlich zur Verfügung. Dieses Angebot freut Joachim Wolbergs aufrichtig.

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