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Stadion

„Das wird keine Arena für Liga vier“

Regensburgs OB räumt nicht nur ein, dass er im Fall des Jahn-Abstiegs keinen Plan B hat. Er sagt auch, er brauche keinen. Manche Fans sind etwas skeptischer.
Von Norbert Lösch, MZ

  • Auf der Baustelle in Oberisling sieht es jeden Tag etwas mehr nach Stadion aus. Drei Tribünen stehen schon komplett, derzeit werden die Tragkonstruktionen für die Überdachungen montiert. Foto: Webcam Stadt Regensburg
  • Die Dachkonstruktion über der Nordtribüne ist nahezu fertig, nur das rote Blechkleid fehlt noch. Foto: Lösch

Regensburg.Es ist kalt, windig und regnerisch. Dennoch hat sich am Montagabend ein knappes Dutzend Interessierter der Führung durch die Baustelle des neuen Regensburger Fußballtempels angeschlossen. Tobias Braun führt die Gruppe, meist eingefleischte Jahn-Fans, durch die Arena, deren Bau jetzt schon beeindruckend weit fortgeschritten ist. Der Student in ehrenamtlichen Diensten des Jahn schwärmt von der möglicherweise bald größten Stehplatztribüne in der 3. Liga und klärt auf, dass das Stadion sogar die Bedingungen der DFL für Erstliga-Spiele erfüllt.

„Theoretisch vielleicht, aber derzeit sieht es eher nach Regionalliga als nach Bundesliga aus“, murmelt einer der Fans vor sich hin. Der Frust geht um: Der Jahn steht ein Dreivierteljahr vor der Eröffnung der Continental-Arena auf einem Abstiegsplatz. Baut die Stadt möglicherweise für rund 53 Millionen Euro ein Stadion, in dem in der ersten Saison Gegner wie der FV Illertissen, der TSV Buchbach oder der VfR Garching auflaufen werden? In der Regionalliga Bayern, deren Spiele aktuell durchschnittlich nicht einmal 1000 Zuschauer verfolgen?

„Wir werden nicht nervös“

An dieses Szenario will Oberbürgermeister Joachim Wolbergs gar nicht erst denken. „Der Jahn bleibt in der 3. Liga und steigt in zwei Jahren in die 2. Liga auf“, beharrt er auf seiner bekannten Prognose. Er bleibt trotz des misslichen sportlichen Lage bei seiner Einschätzung, der Jahn sei vom Management, von der Mannschaft und der Vereinsphilosophie her „richtig gut aufgestellt“. Das Team, finanziert mit einem Mini-Etat, müsse sich heuer erst noch finden. Die Mannschaft habe aber bereits gezeigt, dass sie mithalten kann, und stehe nur aufgrund von verhängnisvollen Fehlern am Tabellenende. „Wir werden nicht nervös und bleiben zuversichtlich“, sagt der OB, auch in seiner Eigenschaft als Aufsichtsratsvorsitzender beim Jahn. Das sei keine Durchhalteparole, sondern seine feste Überzeugung.

Und wenn die Mission Klassenerhalt doch schiefgeht? „Ich habe keinen Plan B für den Fall, dass der Jahn in die 4. Liga absteigt“, räumt Wolbergs ein, „und ich brauche auch keinen“. Das gelte auch für ein von Skeptikern bereits an die Wand gemaltes finanzielles Desaster beim künftigen Hauptmieter des Stadions.

„Die längst beantwortete Frage, ob die Stadt ein neues Stadion für den Jahn bauen soll, kann nicht von einer Momentaufnahme der laufenden Saison abhängen“, sagt auch Norbert Hartl, SPD-Fraktionschef und vielleicht der glühendste Jahn-Anhänger im gesamten Stadtrat. Die Entscheidung sei unabhängig von der jetzigen sportlichen Situation ohnehin alternativlos gewesen, außer man hätte dem Profifußball in der Oberpfalz-Hauptstadt den Garaus machen wollen.

„Das Team braucht Unterstützung“

Der Jahn habe über Jahrzehnte fast ausnahmslos gezeigt, dass er mindestens in der 3. Liga mitmischen kann, und spiele auch jetzt nicht schlechter als die Konkurrenz. „Gegner mit doppeltem oder dreifachem Etat sind auch nicht besser, sondern in den entscheidenden Szenen oft nur cleverer“, befindet der Stammgast auf der Stadion-Tribüne. Heuer sei besonders fatal, dass die Mannschaft Spiele beinahe regelmäßig durch oft späte Fehler aus der Hand gibt und durch die Misserfolge mittlerweile auch stark verunsichert sei. „Gerade jetzt braucht sie Unterstützung statt Häme“, wirbt Hartl für eine möglichst große Zuschauerkulisse beim heutigen Heimspiel.

„Den Abstieg müssen wir unbedingt vermeiden, das ist unvorstellbar“, sagt Tobias Bomertl. Der junge Tegernheimer ist Mitglied im Fanclub Ratisbona Fanatica und heute zur Stadion-Führung gekommen. „Super“ werde die Arena, „ein Traum gegenüber dem alten Stadion“. Jetzt gelte es, jede Chance zu nutzen, um aus dem Tabellenkeller wieder herauszukommen. Sein Tipp gegen Holstein Kiel: „Drei zu eins für den Jahn. Und dann sollten wir endlich auch mal auswärts für eine Überraschung sorgen“, hofft Bomertl auf eine Trendwende.

Andere Anhänger sind skeptischer. Im Internetforum jahnfans.de rechnet ein User unwidersprochen allenfalls mit einem Remis gegen Kiel. „Mehr wird nicht möglich sein, der Karren steckt zu tief im Dreck“, meint der Fan und fordert: „Entweder reagieren und korrigieren, oder ab in die Regionalliga. Wer jetzt noch nicht kapiert hat, dass beim Jahn rein gar nichts stimmt, hat keine Ahnung vom Profifußball.“

Und was sagt der Jahn-Boss? Vorstandsvorsitzender Hans Rothammer steht nach wie vor zur Mannschaft, zum Trainer und zur Führungscrew. Selbst bei einer weiteren Niederlage werde es keine Konsequenzen geben. „Wir haben doch gar keine wirklichen Alternativen. Reflexhafte oder von Panik geprägte Reaktionen helfen dem Jahn nicht weiter. Wir setzen auf eine langfristig angelegte Strategie – und ich glaube auch an eine baldige Wende.“

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