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Politik

Das wollten Regensburger Merkel sagen

Anhänger und Gegner hörten am Domplatz zu. Wir haben nachgefragt, welche Botschaften sie für die Bundeskanzlerin haben.
Von Micha Matthes, MZ

  • Etwa Zweitausend kamen, um Angela Merkel am Domplatz zu hören. Vieles blieb dabei ungesagt. Foto: mt
  • Ab durch die Menge: Merkel betrat den Domplatz von der Westseite aus. Foto: mt
  • Viele unterschiedliche Meinungen wurden am Montag am Domplatz vertreten. Foto: mt
  • Ein Großaufgebot der Polizei sorgte am Domplatz für Sicherheit. Foto: mt
  • Die erhöhten Steinstufen an der Südseite des Doms waren heiß begehrte Plätze bei den Zuhörern. Foto: mt

Regensburg.Nur einen kurzen Augenblick war sie da: Rund 30 Minuten sprach Bundeskanzlerin Angela Merkel am Domplatz. Etwa Zweitausend kamen, um sie zu hören. Schon gegen Mittag versammelten sich die ersten vor der Bühne – mit ganz unterschiedlichen Erwartungen und Hoffnungen. Natürlich war die Kommunikation bei der Wahlkampf-Kundgebung – abgesehen von den Zwischenrufen und Pfiffen vor allem aus dem Lager der rund 50 AfD-Anhänger – per se einseitig: Die Kanzlerin, der bayerische Innenminister Joachim Herrmann und regionale CSU-Politiker standen auf der Bühne und hielten ihre Reden: zwei Stunden, dann waren alle wieder weg. Zurück blieb bei manchen Zuschauern Bestätigung oder Begeisterung, bei anderen Enttäuschung oder Frust. In jedem Fall hätten viele Merkel nach ihrem Auftritt gern persönlich gesagt, was ihnen unter den Nägeln brennt. Wir lassen sie zu Wort kommen.

„Auto-Horst“ will Verkehrswende

Karl Bierl (r.) hatte sich als „Auto-Horst“ verkleidet um gegen den Dieselskandal zu demonstrieren. Foto: mt
Karl Bierl (r.) hatte sich als „Auto-Horst“ verkleidet um gegen den Dieselskandal zu demonstrieren. Foto: mt

Karl Bierl ist mit einer Maske von Horst Seehofer zu der Veranstaltung gekommen. Auf einem Schild, das er hochhält, steht „Auto-Horst“. Er würde von Angela Merkel fordern, dass „sie endlich mal aktiv wird und was für die Verkehrswende macht.“ Im Dieselskandal glänze die Kanzlerin durch Untätigkeit, findet er – genauso wie rund 15 weitere Greenpeace-Mitglieder, die zusammen mit ihm demonstrieren. „Es entsteht manchmal der Eindruck, sie wäre eine Lobbyistin, die alles tut, damit die Industrie gut aus diesem Skandal rauskommt.“

Eva Schmidt, Lehrerin aus Regensburg, hat ein ähnliches Anliegen. Sie würde Merkel darum bitten, dass sie sich für den Klimaschutz einsetzt. „Sie war ja mal die Klimakanzlerin, und ich wäre sehr froh und dankbar, wenn sie diesem Titel wieder gerecht werden würde“, sagt sie. „Wenn man sieht, was in den USA passiert und was Versicherungen für Schäden verzeichnen, dann kann man das doch nicht mehr wegleugnen. Wir müssen jetzt was tun für die Zukunft unserer Kinder.“

Lautstarke Pfiffe gegen Bundeskanzlerin Merkel

Rentner Adolf Lehner befürchtet soziale Unruhen, wenn sich Merkel einer Obergrenze für Flüchtlinge weiterhin verweigert. „Sie hat ja eigentlich längst eine Kehrtwende in der Flüchtlingspolitik vollzogen. Aber sie hat wohl zu wenig Mumm, zuzugeben, dass irgendwo eine Grenze sein muss“, sagt er. „Unser Land ist dicht besiedelt und wir haben unsere Humanität ja wirklich schon mehr als bewiesen.“

Schüler Marco Taubert würde Merkel hingegen den Rücken stärken. „Ich würde ihr sagen, dass sie bitte weiterhin so politisch stark bleiben soll und sich von nichts runterziehen lassen soll – gerade im Hinblick auf die Flüchtlingskrise. Ein paar kleine Fehlentscheidungen sind kein Beinbruch. Sie soll so weitermachen.“

Annemarie Grundstein, Beamtin im Ruhestand, nahm an der Gegendemonstration der AfD teil. Sie fühlt sich von der Kanzlerin verraten. Foto: mt
Annemarie Grundstein, Beamtin im Ruhestand, nahm an der Gegendemonstration der AfD teil. Sie fühlt sich von der Kanzlerin verraten. Foto: mt

Annemarie Grundstein, Beamtin im Ruhestand, steht im AfD-Lager. Sie fühlt sich von der Kanzlerin verraten. „Warum hält sie Recht und Gesetz in unserem Lande nicht ein – sprich Mastricht oder Schengen?“, fragt sie. „Warum werden Straftäter nicht genügend eingesperrt?“ Annemarie Grundstein würde Merkel sagen, dass sie „Angst um unsere Kinder und Frauen“ hat.

KAB fordert gerechtere Rente

Ein Student, der nur Victor genannt werden möchte, steht zwei Meter entfernt und hält den AfD-Mitgliedern ein Schild entgegen, auf dem „Nazis raus“ steht. „Merkel sollte ihrem Innenminister sagen, dass nicht Linke das Problem sind, sondern Rechtsextreme und Neonazis“, sagt er.

Die CSU hatte vor dem Auftritt Schilder mit Herzen und der Merkel-Raute verteilt. Gertrud Kirnberger, Rentnerin aus Eitlbrunn hat gerne ein solches Schild angenommen. Foto: mt
Die CSU hatte vor dem Auftritt Schilder mit Herzen und der Merkel-Raute verteilt. Gertrud Kirnberger, Rentnerin aus Eitlbrunn hat gerne ein solches Schild angenommen. Foto: mt

Die CSU hatte vor dem Auftritt Schilder mit Herzen und der Merkel-Raute verteilt. Gertrud Kirnberger, Rentnerin aus Eitlbrunn, hat gerne ein solches Schild angenommen. Sie würde der Bundeskanzlerin sagen, dass sie ihre Sache „im Großen und Ganzen ganz gut“ macht. Verbesserungsbedarf sieht sie aber noch in puncto Rente. Und auch die Mieten seien zu hoch. Florian Ott, Angestellter bei Krones, hat am Montag Vater-Sohn-Tag. Zusammen mit seinem zweijährigen Kind verfolgt er die Rede. Auch er würde Merkel sagen, dass er „mit ihrer Politik eigentlich sehr zufrieden“ ist. „In der Flüchtlingspolitik konnte sie eigentlich nicht anders und hat daher richtig reagiert. Jetzt gilt es, aus Fehlern zu lernen.“

Martin Schulze, Sekretär bei der Katholischen Arbeitnehmerbewegung, forderte eine gerechtere Rente. Foto: mt
Martin Schulze, Sekretär bei der Katholischen Arbeitnehmerbewegung, forderte eine gerechtere Rente. Foto: mt

Martin Schulze, Sekretär bei der Katholischen Arbeitnehmerbewegung, sagt an Merkel gerichtet: „Ich finde es einfach unmöglich, dass jemand in einem der reichsten Länder der Welt 40 Jahre lang arbeitet und dann zum Bittsteller im Alter wird. Das kann nicht sein und es wird höchste Zeit, dass Sie, Frau Merkel, etwas in der Rentenpolitik machen, um Altersarmut wirklich zu verhindern.“

Nannette Fischer von der Initiative Ausbildung statt Abschiebung würde Merkel an ihr Versprechen erinnern, sich für die Drei-plus-zwei-Regelung einzusetzen. „Das ist Bundesgesetz, wird in Bayern aber so gut wie überhaupt nicht angewendet“, sagt sie. Das Bundesintegrationsgesetz sollte für mehr Sicherheit bei der Ausbildung von Flüchtlingen sorgen. So gilt mit der Drei-plus-zwei-Regelung eigentlich, dass Geflüchtete während einer dreijährigen Ausbildung geduldet werden und anschließend für zwei Jahre Aufenthaltsrecht erhalten. „Ich bin Lehrerin und fürchte täglich, dass meine Schüler abgeschoben werden“, ergänzt eine Frau neben ihr, die nicht namentlich genannt werden will.

Trotz der vielen unterschiedlichen Meinungen, die so am Montag am Domplatz vertreten wurden, erntete Merkel von der großen Mehrheit des Publikums mehrfach zustimmenden Beifall während ihrer Rede.

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