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ÖPNV

DB: Norden Regensburgs bleibt abgehängt

Wann der Haltepunkt Walhallastraße reaktiviert wird, ist wieder völlig offen. Aus der Wirtschaft kommt heftiger Protest.
Von Julia Ried

Etwas südlich vom alten Bahnhof Walhallastraße sollen nach Plänen von Stadt und Bahn wieder Züge halten. Doch wann es dazu kommt, ist offen. Foto: Lex
Etwas südlich vom alten Bahnhof Walhallastraße sollen nach Plänen von Stadt und Bahn wieder Züge halten. Doch wann es dazu kommt, ist offen. Foto: Lex

Regensburg.Schon seit etwa 20 Jahren bemühen sich Bahn und Stadt um eine Reaktivierung des Bahnhaltepunkts Walhallastraße. Während im Stadtnorden neue Wohnquartiere entstehen, ist das Projekt heftig ins Stocken geraten: Nachdem 2016 von einer Verwirklichung ab 2023 die Rede war, heißt es jetzt vonseiten der Stadt: Ein Realisierungszeitraum könne nicht genannt werden. Der Protest aus der Wirtschaft ist heftig. So sagt Roland Seehofer, Geschäftsführer des Gewerbeparks: „Wie kann es sein, dass man so eine Maßnahme schiebt und schiebt? Wir haben kein Verständnis mehr dafür.“ Mit der Wiederbelebung der Haltestelle lasse sich mit relativ wenig Aufwand eine große Entlastung der Straßen erreichen – schon zum Beginn des A3-Ausbaus wäre dies nötiger denn je gewesen.

Letzter fester Termin für die Reaktivierung des Haltepunkts, an dem seit 1984 keine Personenzüge mehr halten, war 2017. Dieser zerschlug sich 2016. Im April berichtete damals die Mittelbayerische, die Stadt beginne mit der Planung der vorbereitenden Maßnahmen zum Ausbau der Donaustaufer Straße und dem Neubau einer Überführung, über die Gleise laufen. Doch die Weichen für diese Baumaßnahmen sind immer noch nicht gestellt.

Stadt: Finanzierung nicht sicher

Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra räumt ein: „Man hat das nicht so schnell machen können wie gewünscht. Dieses Verfahren ist schwierig, weil eben eine Bahnanlage mit involviert ist.“ Zudem sei die Finanzierung nicht gesichert, weil zwischen Stadt und Bahn noch nicht geklärt. Seehofer beklagt: Die Stadt habe ihre Prioritäten geändert, andere Vorhaben vorgezogen. Die Sprecherin bestreitet dies: „Nach den Möglichkeiten und Kapazitäten, die wir haben, forcieren wir dieses Projekt weiter.“

Mit dem Neubau dieser Brücke steht und fällt das Projekt. Foto: Lex
Mit dem Neubau dieser Brücke steht und fällt das Projekt. Foto: Lex

Für die Bahn betont ein Sprecher: „Die Deutsche Bahn und der Freistaat Bayern halten weiterhin am Ziel einer Realisierung des Haltepunktes Regensburg-Walhallastraße fest.“ Kathrin Fändrich, Sprecherin des Innenministeriums, ergänzt: „Zwingende Voraussetzung für den Bau dieser Station ist jedoch die Erneuerung der Straßenbrücke über die Donaustaufer Straße. Leider konnte uns die Stadt bislang immer noch keinen belastbaren Zeitplan für die Brückenmaßnahme aufzeigen.“ Was die Finanzierungsfrage angehe, so ist die Position der Bahn ihrem Sprecher zufolge: Da die Bahn ihre Gleisbrücke über die Donaustaufer Straße erst vor wenigen Jahren erneuert habe und nun wegen der von der Stadt gewünschten, aber verschobenen Verbreiterung der Überführung wiederholt eine neue Gleisbrücke nötig sei, müsse die Stadt die Mehrkosten dafür tragen. Für die Station selbst hatte der Freistaat nach eigenen Angaben bereits zweimal eine Finanzierung organisiert: Die Mittel wurden wieder freigegeben beziehungsweise verschoben, weil sich der Brückenbau verzögerte.

IHK: Verschiebung „ärgerlich“

Dr. Martin Kammerer von der Industrie- und Handelskammer (IHK) nennt die erneute Verschiebung des Projekts „ärgerlich“. Es sei für die Wirtschaft „sehr wichtig“: „Denn die Mitarbeiter, die tagtäglich mit dem Auto einpendeln, sind Teil des Staus! Die Bahnhaltestelle könnte Mitarbeiter auf die Schiene bringen und so die Straße entlasten.“ So könnte der öffentliche Nahverkehr (ÖPNV) laut dem Geschäftsführer des IHK-Gremiums gerade für viele Berufspendler zu den Firmen im Gewerbepark – an dessen östlichem Ende ist der Haltepunkt geplant – und in der Nähe attraktiv werden.

Der neue Haltepunkt ist südlich des alten Bahnhofs geplant. Zwei neue Bahnsteige sollen entstehen. Foto: Lex
Der neue Haltepunkt ist südlich des alten Bahnhofs geplant. Zwei neue Bahnsteige sollen entstehen. Foto: Lex

Das sei er derzeit vor allem für Menschen aus der Region nördlich von Regensburg nicht, betont Gewerbepark-Chef Seehofer: Sie müssten zuerst mit der Bahn ins Stadtzentrum fahren und dann mit dem Bus wieder hinaus. „Der Druck aus unseren 380 Unternehmen ist inzwischen groß.“ Die Mitarbeiter warteten darauf, besser in die Arbeit zu kommen, Auszubildende seien meist auf den ÖPNV angewiesen, viele Patienten des Ärzte-Zentrums ebenfalls.

Ralf Leidner, Direktor des Hotels Atrium im Gewerbepark und dort Vertreter der Mieter, erzählt: „Ich bin 2017 an mindestens 20 Tagen zu spät in die Arbeit gekommen“. Er fährt aus Schwandorf an. Insgesamt arbeiten weit mehr als 5000 Beschäftigte im Gewerbepark, täglich kommen circa 15 000 Besucher. Seehofer sagt vor diesem Hintergrund: „Ich glaube, dieser Bahnhaltepunkt würde dem Pfaffensteiner Tunnel eine erhebliche Entlastung bringen.“ Dass sich Stadt, Bahn und Land gegenseitig den schwarzen Peter zuschieben, müsse ein Ende haben: „Es gehört eine Finanzvereinbarung her zwischen Stadt, Bahn, Bund und Land. Es gehört ein vereinfachtes Verfahren her.“ Und die Verhandlungen mit der Bahn müssten konkret werden.

Kommentar

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