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Schäden

Den Rissen auf der Spur

Der eingerüstete Erker ist nicht das einzige Problem am Alten Rathaus. Die Stadt Regensburg hat das Gebäude genau im Blick.
Von Jan-Lennart Loeffler

Unter Beobachtung: Architekt Andreas Schöbel vom Amt für Gebäudeservice der Stadt Regensburg zeigt, wo die Risse in den Mauern des alten Rathauses sind. Foto: Loeffler
Unter Beobachtung: Architekt Andreas Schöbel vom Amt für Gebäudeservice der Stadt Regensburg zeigt, wo die Risse in den Mauern des alten Rathauses sind. Foto: Loeffler

Regensburg.Die eisenbeschlagene Türe auf der Rückseite des Alten Rathauses wirkt massiv und robust. Ebenso die dicken Mauern, in die sie vor langer Zeit eingesetzt wurde. Doch sobald der Blick etwas zur Seite wandert, ergibt sich der Verdacht, dass es um die Stabilität des Gebäudes vielleicht doch nicht so gut bestellt ist. Über mehrere Meter ziehen sich tiefe Risse durch das Mauerwerk.

Für Andreas Schöbel und Christian Kornietzky ist das kein Grund zur Panik. Die beiden Architekten vom Amt für Gebäudeservice der Stadt Regensburg kümmern sich um den Unterhalt der historischen Gebäude im Besitz der Stadt, darunter auch das denkmalgeschützte Alte Rathaus.

Diese Rissmonitore zeichnen jede Bewegung im Mauerwerk auf. Foto: Loeffler
Diese Rissmonitore zeichnen jede Bewegung im Mauerwerk auf. Foto: Loeffler

Sie nehmen regelmäßig die Risse auf der Rathausrückseite in Augenschein. Nicht nur das, an mehreren Stellen, verteilt über die Mauern, haben sie im November 2017 über die Risse sogenannte Rissmonitore anbringen lassen. Diese kleinen, unscheinbaren Plastikteile zeichnen die Bewegungen im Mauerwerk in alle Richtungen auf. Zwei übereinanderliegende Fadenkreuze dokumentieren jede noch so kleine Verschiebung millimetergenau.

Schon Jahrhunderte überstanden

Der älteste Teil des alten Rathauses stammt aus dem 13. Jahrhundert. Foto: Weigel/dpa
Der älteste Teil des alten Rathauses stammt aus dem 13. Jahrhundert. Foto: Weigel/dpa

„Diese Risse werden vierteljährlich angeschaut“, sagt Kornietzky mit Blick auf die Rathausrückseite. Die Beobachtungsintensität lege der Statiker fest. „Wir müssen die Risse eine Weile beobachten“, sagt Schöbel über die Strategie beim Rissmonitoring. Trotzdem dürfe man Risse nicht allzu lange offenlassen, da Feuchtigkeit eindringen könne, erklärt Schöbel. Auch wenn einige dunkle Risse tief und gefährlich wirken, geben gerade diese eher wenig Grund zur Sorge. Denn ein Riss, der durch Schmutz und Staub schwarz verfärbt ist, ist schon älter. „Je älter, desto unbewegter“, erklärt Architekt Schöbel. Jedes Altstadthaus habe seine Risse. „Frische Risse sind bedenklicher.“ Da wird schnell ein Statiker eingeschaltet.

„Wir wollen möglichst viel von der Bausubstanz erhalten.“

Andreas Schöbel, Achitekt und Abteilungsleiter im Amt für Gebäudeservice der Stadt Regensburg

Das Mauerwerk am Alten Rathaus besteht aus Naturstein und hat schon viele Jahrhunderte überstanden. Der Putz ist neuzeitlich und stammt aus dem 19. Jahrhundert. Bei einer Sanierung müssen daher meist viele Schichten freigelegt werden. Die Sanierung ist aufwendig. „Da wird schon mal der alte Putz analysiert und genau nachgemischt“, sagt Schöbel. Die Handwerksarbeiten werden stets extern vergeben. Nur Spezialisten kommen dafür in Frage. „Die Denkmalpflege ist nicht nur optisch“, erklärt Schöbel. „Wir wollen immer möglichst viel von der Bausubstanz erhalten. Lieber weniger als mehr“, sagt er über das Ausmaß der jeweiligen Sanierungsarbeiten.

Teile des Erkers am Alten Rathaus sind abgebröckel

Schäden haben viele Ursachen

Der Kaisererker bleibt verpackt. Foto: Loeffler
Der Kaisererker bleibt verpackt. Foto: Loeffler

Ein so extrem trockenes Jahr wie das vergangene kann auch Auswirkungen auf Gebäude haben. Wenn beispielsweise der Grundwasserspiegel sinkt, kann sich auch der Baugrund senken. Zu schaffen macht alten Mauern auch der Schwerlastverkehr: Die Erschütterungen durch vorbeifahrende Lkw und Busse können die Bausubstanz schädigen. Ebenso könne durch Kanalarbeiten das Bodengefüge gestört werden. Insbesondere der Giebelbereich der Dächer ist Kräften durch Wind und Sturm ausgesetzt.

Der Reichsaalerker wird renoviert

  • Schaden:

    Im November vergangenen Jahres brach ein Ziertürmchen am Kaisererker des Reichssaalgebäudes ab und stürzte auf den Rathausplatz. Verletzt wurde niemand. Das Ziertürmchen bestand aus Naturstein und stammt wie auch der Erker aus dem 14. Jahrhundert. Der Reichssaalerker bleibt aus Sicherheitsgründen weiterhin eingerüstet.

  • Sanierung:

    Von der Stadt beauftragte Statiker haben mit dem Amt für Gebäudeservice und dem Denkmalschutz die Bausubstanz untersucht und festgestellt, dass zusätzlich zum abgebrochenen Ziertürmchen weitere Verwitterungen vorhanden sind. Die notwendigen Arbeiten sollen bis spätestens März beauftragt werden, aus Witterungsgründen wird die Maßnahme aber nicht vor April beginnen können.

Noch nicht genau geklärt ist, was Mitte November 2018 dazu führte, dass ein Ziertürmchen, eine sogenannte Fiale, vom Kaisererker des Reichssaals abbrach und auf den Rathausplatz stürzte. Der Schaden war schlagartig aufgetreten. Der gotische Erker aus dem 14. Jahrhundert ist seitdem eingerüstet. Bei einer Untersuchung wurden weitere Schäden entdeckt. Die Sanierung soll im April beginnen, sobald es die Witterung zulässt.

Sockelschäden sind vor allem eine Folge der Salzstreuung im Winter. Foto: Loeffler
Sockelschäden sind vor allem eine Folge der Salzstreuung im Winter. Foto: Loeffler

Aber nicht nur von oben droht Gefahr. Auch Schäden am Gebäudesockel, vor allem eine Folge der Salzstreuung im Winter, sind eine Herausforderung für die Gebäudeerhaltung. Nicht nur am alten Rathaus zeigt sich regelmäßig Salzfraß. In manchen Fällen ist nur der Putz betroffen. Dann kommt eine Salzkompresse zum Einsatz. „Das wirkt wie ein Schwamm, der das Salz aus dem Mauerwerk herauszieht“, erklärt Schöbel. Zum Teil gehen die Schäden auch tiefer, so dass die Natursteine im Mauerwerk ausgetauscht werden müssen.

Architektur

Der zähe Kampf gegen den Verfall

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Neben dem Alten Rathaus stehen noch das Thon-Dittmer-Palais, der Leere Beutel und das Historische Museum unter Rissbeobachtung. Der stark beschädigte Kindergarten St. Josef in Ziegetsdorf wurde sogar wöchentlich kontrolliert. Bei dem rund 100 Jahre alten Gebäude war dann, anders als bei den historischen und denkmalgeschützten Gebäuden der Stadt, ein Abriss die einzige Lösung.

Eine völlig andere Schadensursache: Ein Lkw fuhr gegen den Torbogen. Foto: Loeffler
Eine völlig andere Schadensursache: Ein Lkw fuhr gegen den Torbogen. Foto: Loeffler

Grundsätzlich werden alle Liegenschaften Anfang jeden Jahres begangen. Im Bedarfsfall wird eine mobile Hebebühne angemietet, um ganz nah ran zu kommen. Auch Drohnen kommen bei den Untersuchungen zum Einsatz. An den Rathausmauern waren bei der letzten Kontrolle der Risse im April vergangenen Jahres „keine signifikanten Verschiebungen an den Rissmonitoren ablesbar“. Das heißt, die Risse waren nicht in Bewegung. Im Zuge der ohnehin geplanten Sanierung der Fassade soll nun nachgeforscht werden, welche Ursachen die Risse haben.

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