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Regensburg
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Prozesse

Der Bahnhofsrandalierer hört Stimmen

Ein 36-jähriger Regensburger schlug, bedrohte und beleidigte Busfahrer, Passanten und Polizisten. Muss er in die Forensik?
Von Marion von Boeselager

  • Mehrere Passanten hatte der Angeklagte auf dem Bahnhofsvorplatz attackiert. Foto: Lex
  • Der Beschuldigte mit seinem Verteidiger Peter Hofmann Foto: Boeselager

Regensburg.Als Randalierer vom Bahnhofsvorplatz ist der 36-jährige Regensburger seit Jahren der Polizei wohlbekannt. Auf sein Konto gehen eine Vielzahl von Prügeleien, Beleidigungen, Bedrohungen und Sachbeschädigungen mit bis zu drei Promille Alkohol im Blut. Opfer der vergangenen Jahre waren zwei Busfahrer, Passanten, Reisende und Polizeibeamte. Seit gestern steht der schwer alkoholkranke Mann wegen 15 solcher Vorfälle vor dem Landgericht. Da der Beschuldigte neben seiner Trinksucht an hebephrener Schizophrenie erkrankt ist, geht es für ihn diesmal um die Frage seiner dauerhaften Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der aus Rumänien stammende Regensburger für die Allgemeinheit gefährlich ist und von ihm weitere erhebliche rechtswidrige Taten zu erwarten sind.

„Stimmen griffen mich an“

Über seinen Verteidiger Peter Hofmann räumte der Beschuldigte gleich zu Prozessauftakt sämtliche Taten ein. Sein Mandant bedauere, dass er sich dazu hinreißen ließ. Schuld daran sei seine Krankheit. „Ich höre immer Stimmen, die sich unterhalten und schlecht über mich reden“, erläuterte der 36-Jährige. „Ich hab gedacht, ich werde angegriffen und muss mich wehren. Ich hab die Kontrolle über mich verloren.“

Laut Antragsschrift verprügelte der Regensburger ab Mai 2015 mehrere Passanten, meist im Bahnhofsbereich, mit Fäusten oder traktierte sie mit Kopfstößen und Fußtritten. Schmerzen, Platzwunden und Hämatome waren die Folgen. Einer Rettungsassistentin, die zu Hilfe eilen wollte, spie er blutigen Speichel ins Gesicht. Zwei Mal pöbelte er in RVV-Bussen Fahrgäste an, so die Staatsanwaltschaft. Er schlug und würgte einen Mitfahrenden und fegte ihm seine Brille aus dem Gesicht, die zu Boden fiel und zu Bruch ging. Weiter äußerte er Morddrohungen und Beleidigungen gegen die Busfahrer und Helfer, die ihn festhielten.

Auch Polizeibeamte gehörten zu den Opfern: Beim Versuch, den Randalierer zu stoppen, mussten auch sie üble Beleidigungen, Würgeattacken, Faustschläge, Fußtritte und Kratzwunden einstecken. Einer von ihnen war mit einer blutenden Riss-Quetschwunde und einer Schleimbeutelverletzung des Ellenbogens zwei Wochen lang dienstunfähig krank geschrieben.

Mit Bier „lässiger“ gefühlt

„Es tut mir leid, dass ich die Leute gewürgt und geschlagen habe“, sagte der Beschuldigte. Er sei seit Jahren abhängig, erst vom Alkohol, dann von Kokain, Ecstasy und Cannabis. Danach habe sich die Sucht auf Alkohol verlagert. Zwei stationäre Therapien blieben erfolglos.

Durch den Alkohol habe er die Stimmen zum Schweigen bringen wollen. Er habe sich auch zunächst „lässiger“ gefühlt, so der Beschuldigte. Er wisse aber, dass Bier und Schnaps ihm nicht wirklich helfen. Sein Anwalt erläuterte, sein Mandant sei, falls er in Freiheit bleiben dürfe, zu ambulanten Maßnahmen wie Depot-Spritzen und Alkoholscreenings bereit.

Derzeit, musste der Beschuldigte auf Nachfrage einräumen, nehme er regelmäßig gar keine Medikamente und trinke nach wie vor „drei, vier Bierchen“ pro Tag, manchmal auch deutlich mehr. „Und dann passieren halt die Sachen.“

Seit etwa einem Jahr habe er wieder eine Lebensgefährtin. Seitdem habe sich sein Zustand „stabilisiert“, versicherte er. Beim Blick auf die junge Frau im Zuhörerraum strahlte er, ganz offensichtlich verliebt. Allerdings ist die Freundin ganz offensichtlich selbst nicht stabil. Wie der 36-Jährige auf Nachfragen angab, ist die Mutter von drei Kindern derzeit ohne Wohnsitz, arbeitslos und selbst drogenabhängig. Und: Nach Angaben des Staatsanwalts soll der Beschuldigte auch sie schon geschlagen haben. Der Prozess dauert an.

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