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Buchhandlung

Der Bücherwurm zieht in den Fürstenhof

Die Regensburger Buchhandlung hat im REZ keine Zukunft. Jetzt will man im KöWe und in der Maximilianstraße neu starten.
Von Christian Eckl

Der Buchhändler Christian Röhrl in seiner Buchhandlung am REZ.
Der Buchhändler Christian Röhrl in seiner Buchhandlung am REZ.

Regensburg.Seit Mai weiß er Bescheid. Und Christian Röhrl, Inhaber der Traiditionsbuchhandlung Bücherwurm im Rennweg-Zentrum, ist durchaus wehmütig: „Wir waren gerne hier im REZ und im Regensburger Stadtwesten, aber jetzt kam es nunmal anders.“ Vor fünf Jahren wechselte der Betreiber im REZ, seit Mai ist klar: Die 600 Quadratmeter große Buchhandlung, eine Institution im Stadtwesten, muss umziehen. „Zunächst dachten wir, dass wir innerhalb des REZ umziehen könnten. Aber auch das hat sich zerschlagen“, schildert Röhrl.

Damit endet eine lange Tradition im Zentrum am Rennweg: Seit 1995 gibt es hier den Bücherwurm. Für Röhrl war das Angebot seiner Buchhandlung auch mehr als nur das eines Einzelhändlers: „Wir verstehen uns als Kultureinrichtung und bieten Veranstaltungen an, die es sonst hier im Westen nicht geben würde.“

Der Grund für den Auszug des Bücherwurms: „Die neue geforderte Miete wäre mit einer Buchhandlung an dem Standort nicht zu erwirtschaften gewesen“, sagt Röhrl. Ein Tausch von Flächen innerhalb des REZ hatte sich zerschlagen.

Der Buchhändler hat sich auf die Suche gemacht, doch die gestaltete sich zunächst schwierig. „Wir haben viele Kunden aus dem Süden und aus dem Westen, die gezielt zu uns kommen“, sagt Röhrl. Sein Wunsch, gerade Kunden aus dem Süden mit einer Ladeneinheit im Köwe-Center gerecht zu werden, hat sich verwirklicht. „Diese Ladeneinheit ist aber nur 84 Quadratmeter groß“, so Röhrl. Der Bücherwurm hat aber bereits zahlreiche Verträge etwa mit der Universität, mit Schulen und anderen größeren Institutionen abgeschlossen. „Dazu brauchen wir auch Lagerraum.“

Die Maximilianstraße kämpft derzeit mit vielen Leerständen.
Die Maximilianstraße kämpft derzeit mit vielen Leerständen.

In Deutschland gilt die Buchpreisbindung. Damit will der Staat klar machen, dass das Buch ein schützenswertes Kulturgut ist. Damit ist aber auch der Gewinn, den man mit einer Buchhandlung erwirtschaften kann, beschränkt. „Die Preise etwa in der Schwarzen-Bären-Straße gehen oft in Richtung 40 Euro je Quadratmeter, das können wir uns nicht leisten“, sagt der Bücherwurm-Chef.

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Der Jugendstil der Unterhaltung

Das „Café Fürstenhof“ war eine Klasse für sich. In diesem Schmuckstück spielten bis 1991 internationale Kapellen auf.

Fündig wurde er nun in der Maximilianstraße. Ausgerechnet. Denn auch Röhrl ist klar, „dass es die Maxstraße in den letzten Jahren nicht einfach hatte“. Derzeit stehen zahlreiche Ladeneinheiten leer. Zwar konnte nach dem Aus für S.Oliver wieder ein Anbieter gefunden werden, der nun Outdoor-Kleidung anbietet. Doch der Herrenbekleider SØR hat derzeit Ausverkauf. Und auch die anschließenden Ladeneinheiten stehen leer. „Wir haben uns aber weiter vorne eingemietet, dort, wo die Maxstraße wunderschön ist“, sagt Röhrl.

Der Fürstenhof hat in Regensburg eine lange Tradition.
Der Fürstenhof hat in Regensburg eine lange Tradition.

Der neue Bücherwurm soll im Fürstenhof eröffnen, und zwar am 4. November. Bis zum 25. Oktober wird noch im REZ verkauft, dann ist Schluss im Westen. „Ich bin in Stadtamhof aufgewachsen und war als Kind immer wieder mit meiner Oma bei Veranstaltungen im Fürstenhof“, sagt der Bücherwurm-Geschäftsführer. Der Fürstenhof ist eines der prächtigsten Gebäude aus der Zeit des Jugendstils, und auch das soll der Kunde merken: „Wir haben Mobiliar aus der Zeit um 1890 angeschafft, das sicher sehr gut passen wird“, so Röhrl. Gebaut hat den Fürstenhof der Architekt Joseph Koch, der im Jahr 1912 auch die 1938 zerstörte Jüdische Synagoge gebaut hatte. Zusammen mit Franz Spiegel errichtete Koch den Fürstenhof im Jahr 1911. Der barockisierende Jugendstil ist besonders prächtig und ziert die Maxstraße bis heute.

Sonntagszeitung

Der Koch, der über den Tellerrand schaut

Herbert Schmalhofer, ehemaliger Fürstenkoch bei T&T und Leibkoch von Papst Benedikt XVI, wird heuer 70 Jahre alt.

Ob der neue Bücherwurm den jahrelangen Niedergang der Maxstraße wird auffangen können, das weiß auch der Bücherwurm-Chef nicht. Sicher ist aber für ihn: „Einer muss ja den Anfang machen.“ Zumal es eine Online-Petition gibt, die darauf abzielt, die Maxstraße wieder aufzuwerten.

Der Buchhandel unter Druck

  • Buchkäufe:

    Zahlen des Börsenvereins des Deutschen Buchandels sind für die Händler erstmals wieder beruhigender: Knapp 30 Millionen Bundesbürger über zehn Jahren erwarben 2018 mindestens ein Buch. Doch vor allem der E-Book-Markt rettet die Bilanz, hier wurden deutliche Zuwächse registriert. Davon profitieren aber gerade nicht die niedergelassenen Buchhändler.

  • Buchhandlungen:

    In Regensburg gibt es derzeit 19 Buchhandlungen, wobei etwa Bücher Pustet mehrere Filialen betreibt und kürzlich erst die Buchhandlung am Domplatz übermommen hat. Damit rangiert Regensburg auf Platz vier im bundesweiten Vergleich, da hier auf knapp 8000 Einwohner eine Buchhandlung kommt (Quelle: Börsenverein des Deutschen Buchhandels).

Die Zeit des Fin-de-Siècle um 1890, für das das Parkhotel Maximilian steht, bis zum Jugendstil, der seinen Höhepunkt im Fürstenhof hatte: Das ist die Zeitspanne, die in der neuen Buchhandlung wiederbelebt werden soll. Mit Veranstaltungen und einem speziellen Kultur-Donnerstag will Bücherwurm Teil dieser Wiederbelebung sein. Auch die Förderer einer Regensburger Stadtbahn appellieren an die Stadt, durch eine Stadtbahn-Trasse durch die Maximilianstraße eine Reminiszenz an die Zeit zu schaffen, in der die Maxstraße Prachtstraße Regensburgs war.

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