MyMz
Anzeige

Sanierung

Der Domkreuzgang schließt für fünf Jahre

Statische Probleme und Feuchtigkeit setzen dem 1000 Jahre alten Regensburger Bauwerk zu. Im April ziehen die Handwerker ein.
Von Marion Koller, MZ

Bei der Eröffnung der Landesausstellung 2014 tummelte sich viel Prominenz im Domkreuzgang.
Bei der Eröffnung der Landesausstellung 2014 tummelte sich viel Prominenz im Domkreuzgang. Archivfoto: altrofoto.de

Regensburg.Beim Domkreuzgang handelt es sich um eines der hochrangigsten Einzeldenkmäler der Stadt. Wohl jeder Regensburger kennt das markante mittelalterliche Gebäude zwischen Dom und Dombauhütte. 140 000 Besucher aus aller Welt streiften bei der Bayerischen Landesausstellung „Wir sind Kaiser“ im Jahr 2014 durch das Mortuarium mit seinen beeindruckenden Grabtafeln, blickten in die Stefanskapelle und die Allerheiligenkapelle mit ihren Fresken. Das Interesse am Kreuzgang ist auch in ausstellungsfreien Jahren groß: Rund 25 000 Menschen lassen die einzigartige Atmosphäre bei Domführungen auf sich wirken. In der Nacht der offenen Kirchen und bei Domspatzen-Konzerten steht der Kreuzgang ebenfalls offen.

Auch Domgarten wird gesperrt

In den kommenden fünf Jahren werden Regensburger und Gäste darauf verzichten müssen. Am Montag, 20. April, nehmen Denkmalpfleger und Baufachleute die Arbeit auf. Der Domkreuzgang schließt für die Öffentlichkeit. Weil Kran und Baumaterial Platz benötigen, wird der Domgarten bis November 2016 gesperrt sein.

Bei einer Pressekonferenz am Donnerstag im Bischöflichen Ordinariat, Niedermünstergasse 1, erläuterten Dompropst Dr. Wilhelm Gegenfurtner und Leitender Baudirektor Hans Weber vom Staatlichen Bauamt, warum die Sanierung dringend notwendig ist: Zum Hintergrund: Dom und Kreuzgang gehören seit der Säkularisation im Jahr 1803 dem Staat, die Kirche nutzt sie. Deshalb sind auch bei der Sanierung beide Seiten beteiligt.

Baudirektor Weber versicherte, die Maßnahme auf 2000 Quadratmetern sei in enger Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege vorbereitet worden. Die Statik müsse verbessert werden. Weber nannte etwa die Ertüchtigung der Fundamente und die Reparatur der Dachtragwerke. Feuchtes Mauerwerk wird trockengelegt. Das Gebäude erhält einen behindertengerechten Zugang. Sich lösende Malschichten müssen gesichert werden. Die statischen Maßnahmen dauern bis November 2016, danach gehen die Restauratoren ans Werk. Weber sprach von einer sehr zurückhaltenden Konsolidierung. Die Substanz solle erhalten bleiben. Er verwies auf die Allerheiligenkapelle, deren stark verwitterte Fassade bereits von der Dombauhütte saniert worden ist.

Tag der offenen Tür am 19. April

Bei einem kurzen Rundgang am Donnerstag zeigte Administrator Martin Braun das feuchte Mauerwerk und den abblätternden Putz. Knappe sieben Millionen Euro wird die Sanierung verschlingen. Den Löwenanteil trägt der Freistaat. Das Domkapitel übernimmt die 400 000 Euro für einen Laufsteg, der künftig über die im Boden eingelassenen Epitaphe führen soll, sowie für eine neue Beleuchtung.

Auch die technische Ausstattung solle dezent sein, kündigte Dr. Gegenfurtner an. „Wir wollen den Kreuzgang als Kreuzgang wirken lassen.“ Viele Menschen stellten beim Verlassen des Mortuariums nach der Führung fest, das sei für sie der schönste Abschluss gewesen.

Spätestens im Jahr 2020 wird der Kreuzgang wiedereröffnen – als Teil des Museumsareals rund um den Dom. Darauf hätten sich Kirche und Freistaat geeinigt, erklärte Dompropst Gegenfurtner. In nächster Nähe liegen das Domschatzmuseum, das Document Niedermünster, das eine archäologische Zeitreise von 179 n. Christus bis ins 12. Jahrhundert ermöglicht, und die Kathedrale selbst. „Ein Domareal wie in Regensburg gibt es eigentlich nirgends“, urteilte Dr. Wilhelm Gegenfurtner. „Das muss man nützen.“ Der 69-Jährige begleitet die Baumaßnahmen am Dom und den umliegenden Gebäuden seit den 80er Jahren.

Doch zunächst können sich die Regensburger bei einem Tag der offenen Tür am Sonntag, 19. April, vom Domkreuzgarten verabschieden. Für 10 Uhr kündigte Dr. Wilhelm Gegenfurtner einen Gottesdienst mit Kardinal Kurt Koch an. Ab 11.30 Uhr bietet das Domkapitel Führungen und Veranstaltungen im Kreuzgang an. Museumspädagogin Dr. Maria Baumann wird dabei sein und die baufachlichen Fragen werden Mitarbeiter der Dombauhütte beantworten. Auch wer sich für Architektur interessiert, wird schöne Details ausfindig machen. An dem Einzeldenkmal wurde mehrere Jahrhunderte gebaut: Elemente aus der Romanik, Gotik und Renaissance zeigen das. Gegenfurtner sprach von einem „schönen Kreuzgangfest“.

Freitickets für Domschatz

  • Domführungen

    mit Besuch des Kreuzgangs werden noch bis Sonntag, 19. April, angeboten. Derzeit finden sie täglich um 14.30 Uhr statt und ab April zusätzlich an Werktagen um 10.30 Uhr.

  • Die Führungen

    dauern eineinviertel Stunden und kosten vier Euro, ermäßigt zwei Euro, für Familien acht Euro. Treffpunkt und Tickets im Infozentrum Domplatz 5

  • Themenführungen „Domkreuzgang“

    für Gruppen finden nach Vereinbarung statt und sind noch bis Samstag, 18. April, möglich. Sie dauern etwa eine Stunde und kosten 55 Euro für 25 Personen.

  • Als Entschädigung

    für die Schließung des Kreuzgangs erhält ab Montag, 20. April, jeder Domführungsgast ein Freiticket für das Domschatz-Museum.

  • Öffnungszeiten

    des Domschatz-Museums: 1. April bis 1. November, Dienstag bis Samstag 11 bis 17 Uhr sowie Sonn- und Feiertage 12 bis 17 Uhr (Geöffnet: Ostermontag und Pfingstmontag; geschlossen: Dienstag nach Ostern und Pfingsten)

  • Der Domschatz

    befindet sich in den historischen Räumen der ehemaligen bischöflichen Residenz mit Fresken der Renaissance. Das Museum zeigt Schatzkammerstücke des Mittelalters und der Neuzeit. Regensburg galt bis ins 18. Jahrhundert hinein als herausragendes Zentrum der Goldschmiedekunst. Warum die angesehenste Zunft des Mittelalters so geschätzt wurde und warum Glaube und Handwerk untrennbar verbunden waren, wird im Domschatz an außergewöhnlichen Exponaten erlebbar. Zu sehen sind etwa hochwertige Goldschmiedearbeiten und feinste Goldstickerei.

  • Kontakt:

    domfuehrungen@bistum-regensburg.de; www.regensburger-dom.de; www.domschatz-regensburg.de

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht