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Kultur

Der Eiserne Steg soll unter Denkmalschutz

Das Nachkriegsprovisorium gilt als rares Zeugnis. Der Eintrag in die Liste lässt die Chancen für die Westtrasse unberührt.
Von Marianne Sperb, MZ

Der Eiserne Steg: Bayerns Denkmalpfleger stufen ihn als schutzwürdig ein. Foto: Lex

Regensburg.Der Eiserne Steg, der zwischen Oswaldkirche und Badstraße die Donau quert, gilt den einen als vertrautes Stück Stadtlandschaft, den anderen als willkommener Flussübergang, den dritten als veralteter Ingenieursbau, der den Blick zum Horizont im Westen verstellt, den vierten als Ankerplatz für Liebesschwüre, die sich, auf Vorhängeschlösser graviert, an den Metallstreben reihen. Ein schutzwürdiges Denkmal sehen die wenigsten Regensburger in dem Nachkriegsprovisorium. Jetzt soll der Steg unter Denkmalschutz.

Das Thema, so Bayerns Generalkonservator Prof. Dr. Egon J. Greipl am Dienstag, stehe seit langem auf der Agenda; bereits seit 2005 lägen zwei Anträge vor, den Steg unter Schutz zu stellen. Die Sache sei jetzt sozusagen turnusmäßig in der Umsetzung. Ist der Eintrag in „Greipls Liste“ als Bollwerk gegen einen Bau der Westtrasse zu werten? Der Denkmal-Chef hatte ja immer wieder sein striktes Nein zu einer Ersatzbrücke im Westen bekundet. Bei einem Gespräch im MZ-Verlagshaus wehrte Greipl Spekulationen ab, er nutze das Adelsprädikat für den Steg als Instrument gegen die Westtrasse. „Das macht eine Abteilung im Haus. Ich hab’ da nicht gesagt: Macht das jetzt, oder so. Ich seh’ das völlig leidenschaftslos“ Der Eintrag sei nicht als Trumpf im Einsatz gegen eine Westtrasse verwendbar.

Der Steg gilt nach Ansicht der staatlichen Denkmalpfleger in mehrfacher Hinsicht als schützenswertes Bauwerk. Sein außergewöhnlicher Wert fußt zum einen auf seiner historischen Rolle als zweiter Brückenschlag über die Donau, errichtet rund 700 Jahre nach der Steinernen Brücke. Außerdem sei der Steg, errichtet aus Teilen einer leicht zerlegbaren Behelfsbrücke der ehemaligen deutschen Wehrmacht, eine der letzten Konstruktionen ihrer Art in Regensburg und eines der wenigen nahezu original erhaltenen baulichen Dokumente aus der Nachkriegszeit, so die Argumente aus München.

Der Eintrag in die Denkmalliste befindet sich aktuell im sogenannten Benehmensverfahren, das heißt: Die Stadt kann bis 15. Februar Argumente vorbringen – ausschließlich denkmalspezifische allerdings. Fragen, die zum Beispiel die Westtrasse berühren, werden in dem Verfahren nicht gehört. Für Regensburgs Ersatzbrücken-Pläne bedeutet der Eintrag aber keineswegs das Aus, machte Greipl auf Nachfrage klar: „Denkmalschutz ist keine Käseglocke, sondern ein Erlaubnisvorbehalt“, das heißt: Ein Abriss braucht das Ja der Unteren Denkmalbehörde der Stadt. „Wenn nach ernsthafter und nachvollziehbarer Abwägung aller Bedürfnisse das Fazit lautet, der Erhalt des Stegs ist nachrangig, dann kommt es zum Verlust, dann haben wir auch keine Aktien mehr drin“, so der Generalkonservator.

Stadt schlägt Gutachten vor

Regensburg zweifelt die Denkmalwürdigkeit des Stegs an. „Wir sehen Ungereimtheiten in der Argumentation und in der historischen Bewertung“, so die städtische Pressesprecherin Juliane von Roenne-Styra. Die Verwaltung werde dem Kulturausschuss kommende Woche vorschlagen, ein Gutachten erstellen zu lassen.

„Wir haben uns wirklich den Kopf darüber zerbrochen, warum das Landesamt den Steg in die Denkmalliste aufnehmen will“, so Oberbürgermeister Hans Schaidinger. „Bereits beim ersten Lesen des Schreibens fallen Ungereimtheiten auf.“ Das Amt behaupte beispielsweise, der Eiserne Steg sei neben der Steinernen Brücke der einzige historische Übergang über die Donau im Stadtgebiet. Das werfe jedoch die Frage auf, wie die Eiserne Brücke bzw. die ehemals Hölzerne Brücke zu bewerten ist. „Die ist letztlich die wesentlich wichtigere Brücke für die verkehrstechnische Erschließung der Stadt – und das schon seit dem Mittelalter.“

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