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Menschen

Der Entdecker Regensburgs

Rainer Klofat machte 1968 das erste Merian-Heft über die Stadt an der Donau. Nun ist er zurückgekehrt, in seine Margaretenau.
Von Helmut Wanner

Rainer Klofat mit dem ersten Regensburg-Heft des Reisemagazins Merian
Rainer Klofat mit dem ersten Regensburg-Heft des Reisemagazins Merian

Regensburg.Wenn es noch so was gibt wie den alten Regensburger, dann leidet der unter dem Provinzmief, der ihm von der Isar-Metropole angehängt wurde. Umso mehr freut er sich über Menschen, die ihn im Ansehen heben, die ihm sagen, dass für die Monachia am Donauzufluss Isar die Zeit abgelaufen und für seine Ratisbona, die Stadt am internationalsten Fluss der Welt, die Zeit gekommen ist.

„München war, Regensburg ist“

„München war, Regensburg ist.“ Wem verdanken wir den berühmten Ausspruch des Regensburger Malers Xaver Fuhr (1898 bis 1973), der seit 50 Jahren von Mund zu Mund geht, ohne dass man weiß, wo er gestanden hat? Rainer Klofat war es, ein Mann aus der Margaretenau.

Der Regensburger Maler Xaver Fuhr. Foto: Sammlung Reichmann
Der Regensburger Maler Xaver Fuhr. Foto: Sammlung Reichmann

„Den berühmten Brief habe ich ihm entlockt. Er stand 1968 im ersten Regensburg-Heft des Reisemagazins Merian aus Hamburg.“ Der Merian-Redakteur war es auch, der von den Lippen des größten Regensburger Dichters, Georg Britting, ein halbes Jahr vor seinem Tod 1964 den so süßen Nektar gesammelt hat: „Regensburg ist eine niederbayerische Stadt.“ Kein echter Regensburger will als ein Oberpfälzer gelten.

Das Regensburg-Heft 1968 ist heute eine Rarität. „Damals gab es bei Merian ein Format, das stellte auf einer Doppelseite das Foto eines berühmten Mannes einem handgeschriebenen Brief aus seiner Feder gegenüber“, schildert Klofat die Ausgangssituation. Als er nun das Heft konzipierte, läutete er bei Xaver Fuhr in der Albertstraße an. Der Maler öffnete und quittierte die unerwartete Ehre mit der schroffen Frage: „Was wollen Sie?“

Klingeln Sie auch bei den Nachbarn von Rainer Klofat und erfahren Sie mehr über das Leben in der Margaretenau:

Zwischen Tür und Angel konnte ihm Rainer Klofat gerade mal ein Merianheft durchreichen und ihn um seinen handschriftlichen Beitrag bitten. „Lange habe ich nichts von ihm gehört, dann kam der Brief. Er liegt heute im Archiv vom Verlag Hoffmann&Campe in Hamburg.“ Fuhr schrieb in Blockbuchstaben: „Warum ich in Re. lebe und nicht in Mü.? Hier ist mehr Atmosphäre; hier ist das ist.“ Die Seite endet mit der zeitlos gültigen Kritik aller Münchens dieser Welt: „Ermessen Sie den Frevel jeglicher Verstümmelung der gewachsenen Substanz, um, meist alerten Modernen Platz zu machen, für unsäglich grenzenlose Flachheiten.“

In der vertrauten Margaretenau

Rainer Klofat kann Sätze wie diese unterschreiben. Bevor er letztes Jahr mit seiner Frau Eugenie wieder an die Donau zog, wo er 1962 geheiratet hatte, hat er sich moderne Wohnquartiere angesehen. „Überall weiße Würfel. Ich fühlte mich wie im Film Mon Oncle von Jacques Tati.“ Klofat zog in seine Margaretenau. „Da weiß ich alles. Ich möchte immer wissen, wo ich bin.“ Doch sein Freundeskreis ist ausgedünnt. Wendl Sorgend, Willi Ulfig, Dr. Walter Boll vermisst er sehr.

„Warum ich in Regensburg lebe und nicht in München? Lakonisch: Mü. war, Re. ist“

Xaver Fuhr

Wir treffen Rainer Klofat in seiner Wohnung Lindenstraße 18. Klofat ist jetzt nicht der typische Margaretenauer. Hanseatische Kühle tritt einem entgegen. Klofat hat einen trockenen Händedruck, duftet nach „Tabac“ und sieht in weißer Hose und hellblauem Hemd überhaupt aus, als wenn er von Bord einer Yacht käme. Aber Klofat ist am Ende in der Margaretenau vor Anker gegangen. Dort ist alles so vertraut. Auf Hausnummer 16 hatte sein Bruder Hansjörg Klofat, Pressesprecher und Rechtsreferent der Stadt unter Friedrich Viehbacher, gewohnt. Auf Nr. 21 wohnte sein Kollege Eduard Dietl (1927 bis 2002), der bekannte Fotograf und Schriftsteller, Autor vieler Landschaftsbücher über Italien. Von ihm hat er viele Anekdoten über die „Siedelung“ erfahren.

Seine Lindenstraße hat ihn wieder: Rainer Klofat Foto: Wanner
Seine Lindenstraße hat ihn wieder: Rainer Klofat Foto: Wanner

Eine blieb ihm im Gedächtnis: „Da sind Margaretenauer einmal zu einem Kongress nach Bonn gefahren. Sie haben das Zelt mitgenommen und Eingewecktes, um Spesen zu sparen.“ Geschichten wie diese gefallen ihm. Sie sagen seiner Meinung nach viel übers Margaretenauer Milieu aus, zu dem er nicht gehört, aber das er interessant findet, „rein menschlich“.

Seine Mutter hat im Konsum ums Eck eingekauft. Das wissen die alten Margaretenauer. Er mag es, wenn sich die Nachbarn an seine Eltern erinnern. Rudolf und Hertha Klofat wohnten in der Lindenstraße 14 und hatten einen Garten in der Ratisbona. So eine kleine Straße und so viele Geschichten. Hier könnte man die Regensburger Version der Lindenstraße drehen.

Alle Teile unserer Serie zur Margaretenau finden Sie hier!

Mit interessanten Außendrehs. Als Sohn deutsch-böhmischer Eltern ist Rainer Klofat im Januar 1936 in Prag geboren. Nach einer Odyssee durch Deutschland und Österreich landete die Familie nach dem Krieg in Regensburg. Der große Max Maria Rheude, der nächstes Jahr seinen 110. Geburtstag feiern würde, hatte Klofat den Weg zur Zeitung geebnet. Von 1962 bis 1964 war Rainer Klofat Feuilletonchef der Mittelbayerischen Zeitung, bevor er nach Hamburg ging. Nach „Geo“ und „Ambiente“ entwickelte er die Deutsche Universitätszeitung. Den Kontakt zu Regensburg ließ er nie abreißen. Und so ist der Top-Journalist, der Schriftsteller wie Tibor Déry, Martin Walser und Friedrich Torberg kannte, am Ende wieder zurückgekehrt, vom Rheinufer in Remagen Kripp in die Margaretenau seiner Anfangsjahre.

Mehr Nachrichten aus Regensburg lesen Sie hier.

MZ-Serie Margaretenau

  • Jubiläum:

    Zu ihrem 100. Geburtstag haben wir der Margaretenau eine Serie gewidmet.

  • Abschluss:

    Der letzte Teil handelt am kommenden Dienstag vom Versuch, etwas über das Leben des Gründers, Georg Herbst (1883 bis 1934) zu erfahren. Der bedeutende Bodenreformer starb in der Nazizeit. Sein Tod war dem Regime nur drei Zeilen wert.

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