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Mobilität

Der erste Elektrobus rollt an

„Emil 1“ ist in den nächsten Tagen testweise in Regensburg unterwegs – noch ohne Extra-Geräusch für mehr Sicherheit.
Von Julia Ried, MZ

Regensburg.„Emil“ sollen die Regensburger Elektrobusse heißen. Dieses Ergebnis eines Namens-Wettbewerbs hatten die Stadtwerke schon im Herbst verkündet. Gestern nun ist „Emil 1“ in Regensburg eingetroffen, wie uns die Stadt-Tochter auf Nachfrage mitteilte. Sie präsentiert am Montag den ersten der fünf Elektrobusse, mit denen sie ab April nächsten Jahres die neue Welterbelinie „Emil“ betreiben will.

In den nächsten Monaten soll der Regensburger Elektrobus noch ein wenig lauter gemacht werden als geliefert und auch in Wien im Einsatz – aus Sicherheitsgründen, dass jeder Passant ihn kommen hört. Der Bezirksverband des Bayerischen Blindenbunds hatte sich warnende Geräusche gewünscht, nachdem ein in der österreichischen Hauptstadt ausgeliehener E-Bus 2015 zur Probe durch die Altstadt rollte. Die werden gerade entwickelt – sie sollen deutlich wahrnehmbar, aber dennoch angenehm sein, und nur bei Bedarf zum Einsatz kommen, heißt es von den Stadtwerken. „Der genaue Sound steht noch nicht fest“, erklärt Geschäftsführer Manfred Koller. Musik bekommen die Passanten allerdings nicht zu hören, das ist entschieden. Oberbürgermeister Joachim Wolbergs hatte auf einer Pressekonferenz zum Thema Elektromobilität einmal mit einem Augenzwinkern über ein „Regensburg-Lied“ gesprochen.

Emil 1 fährt zunächst ganz leise

Zunächst wird „Emil 1“ in Liefer-Lautstärke zu hören sein. „Er wird in den nächsten Wochen in Regensburg zu Testzwecken unterwegs sein“, sagt Koller. Die erste offizielle Fahrt ist auf Montag terminiert. Die Ladeinfrastruktur auf dem Betriebsgelände in der Markomannenstraße und unter der Brücke zwischen Castra-Regina-Center und dem Bahnhof – hier soll der Bus mit einer Reichweite von circa 70 Kilometern acht- bis zehnminütige Zwischenladungen bekommen – installieren die Stadtwerke gerade, gibt Koller Auskunft. „Ende Dezember bis Anfang Januar kommt der zweite Bus. Anfang März erwarten wir dann die Lieferung der drei restlichen bestellten Busse.“

Ab April sind die „Emils“ als Altstadtbusse im Einsatz. Die „Midi“-Modelle des italienischen Herstellers Rampini sind mit 7,72 Metern Länge deutlich kleiner als die bisher im Altstadtbetrieb eingesetzten Fahrzeuge mit zwölf Metern Länge. Deswegen wird geprüft, ob die neue Altstadtlinie auch am Wochenende fahren kann. Dank des leisen und emissionsfreien „Emil“ sei dies denkbar, sagt Koller. Vor allem wollen die Stadtwerke Koller zufolge mit ihrem Einstieg in die Elektromobilität „wertvolle Erfahrungen im praktischen Umgang mit dieser Technologie gewinnen“. Der Regensburger Umwelt-Bürgermeister Jürgen Huber (Grüne) kündigt an, bereits nach „Alternativen für die großen Stadtbusse“ zu suchen.

Regensburg liegt mit seiner E-Mobilitäts-Strategie für den öffentlichen Nahverkehr im deutschlandweiten Trend. Michael Bucher vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) sagt: „Viele Verkehrsbetriebe beteiligen sich an Pilotprojekten.“ Die Erfahrungen seien „durchweg positiv, mit kleineren Einschränkungen, was die Zuverlässigkeit angeht“. Die technischen Probleme hält er aber für lösbar. „Das wird sich relativ schnell flächendeckend durchsetzen“, sagt er über den Einsatz von E-Bussen.

Die Stadtwerke als städtisches Tochterunternehmen investieren knapp drei Millionen Euro in Fahrzeuge und Infrastruktur, wobei die Regierung der Oberpfalz die Anschaffung der Busse mit insgesamt 248 000 Euro fördert. Ein E-Modell kostet knapp eine halbe Million Euro. Für einen Bus mit konventionellem Antrieb müssten die Stadtwerke nur etwas mehr als die Hälfte ausgeben.

Ein Bus wird Entwicklungsplattform

Regensburger Firmen leisten einen Beitrag zur Erprobung von E-Mobilität im Stadtverkehr. Einen der fünf „Emils“ stellen die Stadtwerke neben dem regulären Betrieb auch am „Elektromobilitätscluster“ Regensburg beteiligten Unternehmen zur Verfügung. Dazu gehört der im Gewerbepark angesiedelte Entwicklungsdienstleister AVL. Anton Angermaier, Leiter des Segments E-Mobilität, erzählt: „Wir von AVL werden Anfang nächsten Jahres den Bus, der dann geliefert wird, umbauen.“ Der Betrieb mit knapp 300 Mitarbeitern und circa 30 Millionen Euro Umsatz im Jahr werde mehr als eine halbe Million Euro in „Emil“ stecken und Komponenten für Hochleistungs-E-Motoren, Leistungselektronik, um sie zu betreien, und Steuerungssoftware in den Bus integrieren. Teile, die leichter sind und weniger Platz in Anspruch nehmen als die jetzt eingebauten, will AVL testen. Unter anderem ein geringerer Stromverbrauch ist das Ziel.

Andere Firmen werden sich Angermaier zufolge etwa mit energiesparendem Heizen des Busses befassen. Auch mit Verbesserungen von Anfahr- und Bremsverhalten und teilautonomem Fahren beschäftigen sich Experten aus der Region. Die Ostbayerische Technische Hochschule begleitet das Projekt.

Erfahrungen in anderen Städten

  • Wien:

    Der städtische Verkehrsbetrieb lässt seit 2012 zwölf Busse (Foto: Helmer) auf zwei innerstädtischen Linien fahren. Sie hätten sich dort „bewährt“, heißt es.

  • Berlin:

    Vier E-Busse (Foto: Lang/BVG) testeten die Verkehrsbetriebe ein Jahr – und nahmen sie wegen eines technischen Problems einmal vier Wochen aus dem Betrieb.

  • Ruhrgebiet:

    Hier sind 15 Hybridbusse unterwegs. Sie brauchen bis zu acht Prozent weniger Kraftstoff, weil sie durch Bremsenergie aufgeladen werden (Foto: Grosler).

  • München:

    Die Stadtwerke testeten diverse E-Busse (Foto: SWM) und kauften zunächst zwei für die Zeit ab 2017. Ein wirtschaftlicher Betrieb sei noch nicht möglich.

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