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Der Fotograf, dem die Promis vertrauen

Rainer Fleischmanns Gespür für Bilder – bei den Regensburger Schlossfestspielen kann man es jeden Tag erleben.
Von Marion Lanzl

Bei den Regensburger Schlossfestspielen ist er in seinem Element: Rainer Fleischmann agiert quasi als Glorias Hof-Fotograf.

Regensburg.In 18 Sprachen heißt Rainer Fleischmann die Besucher seiner Website willkommen. Tatsächlich hat der Regensburger Fotograf schon in zahlreichen Ländern durch die Linse seines Flaggschiffes, der Canon Mark 3, geschaut. Mehrere Hundert Menschen hat er dabei auf seine Art abgelichtet. Mal authentisch, mal provokant. Vorzugsweise „Charakterköpfe“. Aber auch namhafte Prominente gehören zu seinem Portfolio. Wie kommt der Selfmade-Fotograf auf diesen Weg und wohin treibt es ihn.

„Man muss hinaus in die Welt, um die Welt zu verstehen. Erst dann kann man auch etwas mit in seine Heimat zurückbringen“, sagt der gebürtige Regensburger. Gleich nach der Schule reiste er quer durch Amerika, Asien und nach Paris, landete in Holland beim zweifachen Weltmeister der Friseure Raymond Salvini (Raymond Coiffeur) und lernte dieses Handwerk. Er schien auch dabei gut abgeschnitten zu haben. Sein ehemaliger Meister, heute ein Millionär, Inhaber der sechs einzigen Häuser an der Champs-Élysées, lud ihn immer wieder nach Cannes zu den Filmfestspielen ein.

Fotograf aus Zufall

„Das ist mir aber zu viel Presserummel“, meint Fleischmann, „da bin ich noch zu schüchtern.“ In den 90er Jahren hatte er die legendäre „Fleischmann’s Bar“ in der Unteren Bachgasse. Zweimal wurde die als „Café des Jahres“ ausgezeichnet, doch es trieb ihn wieder hinaus in die Welt.

Durch einen privaten Zufall kam er dann vor drei Jahren zur Fotografie. Ein Auftrag ergab den anderen, mit jedem weiteren Shooting wuchs seine Leidenschaft und seine Ausrüstung. Jedem, der sich mit Fotografie beschäftigt, sagt allein schon die graue Färbung seiner Objektive: Hier steckt Qualität und eine Investition drin. Um Geld aber hat sich Fleischmann nicht groß geschert. Sein Studio ist in einem alten Anwesen. Er liebt es, mit dem Licht zu spielen, und noch viel lieber arbeitet er auf der Straße und in speziellen Locations.

Eingefangene Emotionen

„Die ehrlichsten Bilder entstehen mit den Menschen von nebenan oder auch mal in Hinterhöfen.“ Auch zu den Fashion Shootings holt er gerne „Leute von hier“, das lockert die Bilder auf „und meistens kommen diese Mädels dann am Besten rüber. Tatsächlich menschelt es auf seinen Bildern. Egal, ob Gloria die Tuba bläst oder ein Rabbi mit seiner Frau in New York an einem U-Bahn-Fenster steht. „Es geht darum, die Menschen „echt“ festzuhalten. Den Moment, die Emotion, die Stimmung einzufangen. Das unterscheidet seine Arbeit von vielen technokratischen Fotografen.

Von den rund 320 000 Fotos, die er schon gemacht hat, kann er jedes zuordnen, sagt er. „Wenn jemand sagt, da hast Du mal ein schönes Bild von mir gemacht, weiß ich sofort, wovon er spricht.“ Der visuelle Mensch scheint auch ein exzellentes Gedächtnis zu haben. Authentisch sollen die Bilder sein. So wie Fleischmann selbst authentisch ist. Ein bunter Vogel vielleicht im immer noch konservativen Regensburg. Aber das kümmert ihn nicht, hat ihn noch nie gekümmert. Er wirkt wie ein Flaneur, ein Mensch, der spazieren geht und schaut, genießt und planlos umherschweift, wenn er so im weißen Leinenhemd, bei den Schlossfestspielen durch den Schlosspark streift.

Mit Charme statt Ellbogen

Das Bild würde auch gut an die Croissette oder nach Marbella passen. Auf seinen Fersen jedoch merkt man schnell, es ist alles andere als planloses Lustwandeln. Rainer erspäht seine Motive mit Adleraugen, kreist ein, ohne zu bedrängen. Seine Beute ist das lockere, unverkrampfte Bild, nicht der Fotografierte selbst. „Respekt und Stil sind wichtig“, sagt er mit Nachdruck. Das dankt man dem Fotoquereinsteiger, er hat viele Unterstützer und Gönner.

Sicher sind der ein oder anderen Dame schon die markanten Herren im Schaufenster in der Regensburger Pustet-Passage aufgefallen. Auch diese Bilder tragen Fleischmanns Handschrift. Immer öfter ist der Fotograf derzeit aber auch für Marketing und Promotion gefragt. Sedcards, Fashion der Designer Pamela Quinzi, Leonid Gurevich, Ploymanee.s – alles Sahneschnittchen in Rainers Portfolio. „Wir hatten irre Schuhshootings in Manhattan“ erzählt er euphorisch. Zusammen mit Miss Aniela, Jodi Jones, Christy Mitchell, Brooke Shaden, Joey L., Lindsay Adler und vielen namhaften Photographen mehr hat er inzwischen gearbeitet. Viermal war der Regensburger in seiner dreijährigen Karriere bereits in der deutschen Vogue und der Madame.

James Blunt, David Garrett oder Zaz – alle ließen sich gerne von ihm inszenieren und verewigen. Schnell noch ein Schnappschuss am roten Teppich, bei den Filmfestspielen in München, mit Michael Graeter – dem leibhaftigen Baby Schimmerlos, aus der unvergesslichen Dietl-Serie „Kir Royal“. Wo es glitzert, wo Glamour in der Luft liegt, ist der Fotograf Fleischmann in der ersten Reihe. Nicht mit Ellbogen sondern mit Leichtigkeit und Charme. Es ist ein Geben und Nehmen“, pflegt Fleischmann zu sagen.

Die andere Seite

Und dann ist da die andere Seite, die ihn jedes Jahr zwei Wochen ins Ausland treibt. Vorzugsweise nach New York. Auch dort hat er durch seine Art ein feines Netzwerk an interessanten Kontakten gesponnen, Freunde und Gleichgesinnte gewonnen. Doch was er hier schätzt sind Plätze wie den Boroughs Park im jüdischen Viertel in Brooklyn, fast noch ein Ghetto. Dort entstehen die ganz anderen, atmosphärischen Bilder. Kein Glamour, sondern eher etwas verlebt, mit der Aura einer längst vergangenen Zeit. „Auch meine Wurzeln liegen hier, viele jüdische Verwandte leben da.“ Die eindrucksvollen Bilddokumente aus dieser Zwischenwelt sind demnächst auch im ehemaligen KARE/Hugendubel-Gebäude in der Wahlenstraße in Regensburg in einer Ausstellung zu sehen.

Andere Projekte schlummern derzeit noch in seinem Kopf und seinem Archiv. „Alles braucht seine Zeit, muss reifen, wie guter Wein.“ sinniert der 49-Jährige. Rainer Fleischmann ist ein Bohème des 21. Jahrhunderts, ein Philanthrop, ein Globetrotter und Weltenbürger und wie man bei uns gern sagt, ein „Adabei“. Und er ist auf dem besten Weg, eine Karriere hinzulegen, wie sie mancher nicht mit jahrelangen Fachseminaren, sondern bestenfalls mit elitärem Stammbaum schafft. Die Welt kommt nach Regensburg zu den Festspielen und Regensburg kommt mit Rainer Fleischmann wieder ein Stück weit in die Welt.

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