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Musik

Der Isar-Indianer kann nicht nur Blues

Willy Michl holt sein ausgefallenes Konzert in der Alten Mälzerei in Regensburg nach – und zeigt sein ganzes Können.
von Alois C. Braun

Alleine unterhielt Willy Michl das Publikum weit mehr als zwei Stunden. Foto: Alois Braun
Alleine unterhielt Willy Michl das Publikum weit mehr als zwei Stunden. Foto: Alois Braun

Regensburg.Auf seiner Website sagt der Münchner Willy Michl, er sei „ein von den Felsen des Schneeferner ernannter Musikmann“. Und der Begriff Musikmann beschreibt den Ausnahmekünstler wohl auch am treffendsten. Die Musikstile, die er im Laufe der Zeit spielte, sind sehr vielfältig und gehen weit über Bluesmusik hinaus.

Klar, seine ersten Platten in den 1970ern, „Blues Goes to Mountain“ und „Blues und Balladen“, später dann auch „Ois is Blues“, wiesen ihn als Blueser aus. Doch auch schon damals war eher ein Gefühl, eine Lebenseinstellung, gemeint, als der reine Charakter seiner Musik.

Mann mit Federn

Und so spielt der Mann mit den langen Federn auf dem Kopf auch in der Alten Mälzerei einen Mix aus unterschiedlichen Musikrichtungen. Und er erzählt lebendig und voller Hingabe Geschichten zwischen und in den Liedern. Michl ist ein Künstler, der die Nähe zum Publikum sucht und genießt. Schon vor dem Konzert sitzt er mit Ehefrau Cora am Merchandise-Stand, ratscht mit den Leuten, macht Selfies. Sein Januar-Konzert musste er wegen einer Erkrankung verschieben. Noch immer jedoch ist er nicht ganz gesund. Trotzdem spielt er diesen Ersatztermin.

Der Künstler

  • Event:

    Am 5. Juni findet in Bad Gögging unter dem Titel „Willy Michl spricht...“ eine Veranstaltung statt. Mehr unter www.trommelevent.de.

  • Homepage:

    Weitere Infos unter www.willymichl.com (mua)

Das Konzert startet er mit einer langen Danksagung an Freunde und Helfer. Der erste Song macht dann gleich klar, wofür Michl steht, denn „Indian Summer“ kündigt er mit den Worten an, es sei ein Lied über den nie endenden Traum von der Liebe. Verhalten, ruhig und tiefgehend zeigen sich bereits an diesem Punkt die Themen, die Michl, seine Arbeit und vor allem seine Persönlichkeit charakterisieren: Natur, Spiritualität und Menschlichkeit. Klar, dass er sich auch zu Flüchtlingspolitik und Rechtsradikalität äußert. Bereits als vierte Nummer spielt Michl „Blues Goes To Mountain“, einen Klassiker. Der 1974 aufgenommene Song zeigt seine Affinität zu Blues und Bergen.

Zappa-Eske Vorstellung

Michl ist ein glänzender Gitarrist, der seine Ovation zwischendurch schon immer recht heavy klingen ließ. In seiner typischen Art wechselt er zwischen Fingerpicking, hart geschlagenen Rhythmen und kurzen, fast zappaesken Soli. Sein Spiel ist charakteristisch, hat sich über die Jahre entwickelt. Trotz der langen Karriere ist der Mann aus München immer noch verspielt im besten Sinne, lässt sich vom Augenblick leiten und improvisiert. Knapp 90 Minuten spielt er – bis zur Pause! Andere beenden da schon ihr komplettes Konzert.

Den zweiten Teil startet er mit dem „Isarflimmern“. Auch hier zeigt sich, dass Michl nicht stur an den Originalversionen hängt, sondern seine Lieder variiert. Natürlich zelebriert er das „Bobfahrerlied“ ausgiebig. Das vorher eher verhaltene Publikum macht singend die vorgegebenen Bewegungen in alle Richtungen mit. Auch „Drah di ned um“ und „Fliag, Vogel fliag“ spielt Willy Michl, zwei uralte, aber ewig junge Lieder, die den Bogen von 2020 zur Anfangszeit des Musikers spannen.

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